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Warum Marcel Goc in Deutschland bleibt?

von Stefan Herget / NHL.com

Genau 699 NHL-Spiele stehen für Marcel Goc zu Buche und elf Schichten, sowie 6:35 Minuten Eiszeit im Spiel seiner St. Louis Blues gegen die Minnesota Wild am 24. April 2015 waren wohl seine letzten in der nordamerikanischen Eishockeyliga.

Vergeblich wartete der 32-jährige Deutsche auf ein neues Angebot, nachdem sein Vertrag am 30. Juni auslief. Ein paar Teams hätten ihn ab Mitte September ins Trainingscamp zur Probe eingeladen, aber der Ausgang wäre mehr als unsicher gewesen. Erschwerend hinzu kam, dass Goc, der zu Beginn seiner Laufbahn vier Jahre bei den San Jose Sharks war, danach seine Stationen jedoch ca. alle zwei Jahre wechseln musste.

Nashville Predators, Florida Panthers, Pittsburgh Penguins und dann noch kurz die Blues waren seine weiteren Wirkungsstätten. Die Familie mit zwei kleinen Kindern litt durch die ständigen Ortswechsel besonders.

So entschied sich Goc in der vergangenen Woche das Angebot des DEL-Klubs Adler Mannheim anzunehmen, wo er sich im Sommer für gewöhnlich fit hielt und sein drei Jahre jüngerer Bruder Niki spielt. Da er dort einen Vertrag über fünf Jahre abschloss, braucht es nicht viel Phantasie, dass damit ein Comeback in der NHL endgültig vom Tisch ist.

„Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt zurückzukehren, da die Familie eine immer größere Rolle spielt“, sagte Goc in einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung. „Mit zwei kleinen Kindern ist das ständige Umziehen nicht einfach. Wir haben uns in der Familie beraten und ich glaube es war ein guter Zeitpunkt für eine Rückkehr.“

Zeit für uns ein kleines Fazit zu ziehen: Goc galt als sehr talentiert, als er im NHL Draft 2001 von den Sharks schon in der ersten Runde an 20. Stelle gedraftet wurde. Für einen deutschen Stürmer schon etwas besonderes. Der Center hatte durch seine Leistungen bei den Schwenninger Wild Wings, für die er schon im jungen Alter von 16 Jahren in der DEL sein Debüt gab, auf sich aufmerksam gemacht. 41 Punkte in 58 Spielen holte er dort in der Saison vor dem Draft, seiner zweiten.

Erst im Jahr 2003 folgte der Wechsel nach Nordamerika und Goc musste sich zunächst zwei Jahre seine Sporen im Farmteam in der AHL bei den Cleveland Barons verdienen, ehe er zur Saison 2005/06 fester Bestandteil des Kaders von San Jose wurde. Ein kurzes Intermezzo gab er zuvor in den Playoffs 2003/04, als er fünf Einsätze bekam und dort mit seinem ersten NHL-Tor gleich einen Siegtreffer beisteuerte.

Goc, der über eine feine Technik verfügt, erreichte nie die ganz großen Punktzahlen, weil er sich schon bald mehr defensiven Aufgaben, auch in Unterzahl, ausgesetzt sah, als offensiv gestalten zu können. Seine beste Spielzeit hatte er 2009-10, als er 30 Punkte bei zwölf Toren in 73 Spielen für die Predators holte.

Unter dem Strich im Durchschnitt waren sein zweites Jahr in Nashville mit 24 Punkten in 51 Partien und sein erstes bei den Panthers mit 27 Punkten in 57 Spielen sogar noch besser.

In den Playoffs war für ihn mit seinen Mannschaften meist sehr früh Schluss, doch war er bis auf die Jahre 2011 und 2013 immer dort vertreten. Zum großen Wurf sich auf dem Stanley Cup zu verewigen, reichte es indes aber nicht.

Luke Adam

Marcel Goc

Karrierestatistik
TORE: 75 | ASSISTS: 113 | PKT: 188
SCHÜSSE: 995 | +/-: -21

Die Hoffnung darauf, die nach dem Wechsel zu den Spitzenteams Penguins in 2014 und ein Jahr später zu den Blues sehr groß war, erfüllte sich nicht.

Trotzdem gehört Goc nach Marco Sturm und Jochen Hecht zu den großen Stürmer-Vorbildern des deutschen Eishockeys. Die besagten 699 NHL-Spiele, 63 davon in den Playoffs, müssen erst einmal erreicht werden. Dabei erzielte er 80 Treffer und 123 weitere bereitete er vor.

Der gebürtige Calwer kann nun in den kommenden Jahren noch deutsche Meistertitel sammeln und seine Bilanz in der Heimat von bisher 227 Spielen mit 35 Toren und 73 Vorlagen weiter ausbauen. Ein weiteres Plus ist, dass sich seine Verfügbarkeit für die deutsche Nationalmannschaft dadurch erhöhen wird, wo Goc, der sich noch in einem guten Eishockeyalter befindet, unter dem neuen Bundestrainer Sturm sicher zu den Leistungsträgern zählen wird.

In der NHL werden wir den sympathischen Goc, der immer ein Lächeln auf den Lippen hat, jedoch schmerzlich vermissen.

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