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Vorschau Spiel 6: Wir sehen Penguins vorne

von Bernd Rösch und Stefan Herget / NHL.com

Vier Tore in den ersten 5:06 Minuten eines Stanley Cup Finales hatte es noch nie gegeben, bis Donnerstag. Obwohl sie eine 2-0 Führung innerhalb von 22 Sekunden wieder hergaben, gingen die San Jose Sharks zum Ende des ersten Drittels erneut in Front und hielten diese dank eines überragenden Torhüters Martin Jones bis zum Schluss.

Damit geht der Stanley Cup Tross wieder 4800 Kilometer westwärts zu Spiel 6 in das SAP Center nach San Jose, wo die Partie in der Nacht von Sonntag auf Montagmorgen um 2:00 MESZ stattfindet. Dort haben die Pittsburgh Penguins ihren nächsten Matchball zum Stanley Cup Gewinn, denn sie führen in der Serie immer noch mit 3-2.

Zwei Redakteure von NHL.com/de blicken voraus auf Spiel 6 und präsentieren ihre Meinung zu den einzelnen Mannschaftsteilen.


Stürmer

Herget: Von den großen Vier der Sharks haben in Spiel 5 Logan Couture und Joe Pavelski, aber auch Verteidiger Brent Burns endlich getroffen. Positiv für die Penguins, wie viel Druck sie entfachten und das gegnerische Tor belagerten, doch die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss fehlte dieses Mal etwas. Von daher geht meine Tendenz Richtung Offensive der Sharks, die dieses Mal, nach vielen vergebenen guten Chancen in Spiel 4 effektiv war.

Vorteil: Sharks

Rösch: 46 zu 22 lautete die Torschussbilanz in Spiel 5 zugunsten der Penguins. Mangelnde Einsatzbereitschaft ist schon einmal kein Grund, warum es nach dieser Begegnung in Pittsburgh keine Stanley Cup Verleihung gegeben hat. Selbst die klarsten Torchancen von Kessel, Malkin, Crosby & Co. landeten, nachdem sie früh zum 2-2 ausgeglichen hatten, nicht im gegnerischen Netz. An der Treffsicherheit müssen die Penguins noch arbeiten, gemeint sind aber nicht ihre Pfostentreffer, von denen sie bei ihrem letzten Auftritt zu Genüge hatten. Die Sharks beeindruckten durch ihre Chancenverwertung in der ersten Viertelstunde und dadurch wie gut ihre Stürmer nach hinten mitgearbeitet haben. San Joses Topscorer Logan Couture schoss sein erstes Finaltor und baute mit zwei weiteren Assists sein Punktekonto auf 29 Zähler aus.

Vorteil: Penguins

Verteidiger

Herget: Burns hat das beste Spiel der Serie gemacht und endlich gezeigt, warum er so wertvoll für die Sharks ist. Er agierte mit unglaublichen Willen und war dieses Mal auch den Tick aggressiver. Marc-Edouard Vlasic konnte Penguins Kapitän Sidney Crosby erneut nahezu abmelden und verrichtet tolle Arbeit gegen ihn. Trotzdem brachten die Hausherren 46 Schüsse auf das Tor, was eigentlich zu viel ist und in den Druckphasen schwamm die Defensive der Gäste gewaltig. Auf der anderen Seite ließen die Verteidiger der Penguins nicht viel zu, waren aber am Anfang bei den beiden Gegentoren reichlich unsortiert.

Vorteil: Penguins

Rösch: Vier Gegentore haben die Penguins in Spiel 5 vor heimischer Kulisse gegen die Sharks kassiert. Auf den ersten Blick war das keine defensive Meisterleistung. Pittsburghs Verteidigung darf man aber keinesfalls einen Vorwurf machen. Sie ließen, abgesehen von der ersten Viertelstunde der Partie, kaum noch Torchancen zu und standen sehr kompakt. Im gesamten Spiel kamen die Gäste aus San Jose nur zu 22 Schüssen, weitere zehn Schüsse der Kalifornier wurden von den Abwehrreihen der Penguins geblockt. Auch bei der Anzahl der Checks waren die Hausherren überlegen. Kris Letang, Ian Cole und Ben Lovejoy setzten zusammen elf Hits und damit fünf mehr als alle sechs Blueliner der Sharks zusammen. San Joses überragender Verteidiger war wieder einmal Brent Burns mit drei Schüssen, einem Tor und zwei Hits. San Jose muss sich in der Defensive steigern, es ist nicht vorstellbar, dass sie mit einem blauen Auge und einem Sieg davonkommen, wenn sie in Spiel 6 erneut so viele Torchancen der Penguins zulassen wie beim 4-2 Erfolg.

Vorteil: Penguins

Torhüter

Herget: Matt Murrays Auf und Ab im Tor der Penguins geht weiter und Jones war einfach unglaublich, ein Fels in der Brandung gegen fünf Penguins mit über 18.000 Zuschauern im Rücken. Klar würde jeder sagen, Vorteil Sharks, doch aufgrund der Statistik, dass Murray nach Niederlagen bisher in den Playoffs sechs Siege und keine weitere hinnehmen musste, Vorteil Penguins.

Vorteil: Penguins

Rösch: Pittsburghs 22-jähriger Torsteher Matt Murray zeigte zu Beginn von Spiel 5 Nerven. Er fing sich gleich in den ersten knapp drei Spielminuten zwei Gegentreffer ein und auch das Führungstor der Sharks schien durchaus haltbar. Hoch anrechnen muss man dem Rookie im Kasten der Penguins, dass er trotz dieser Fauxpas in der verbleibenden Zeit die Ruhe behielt und sich bei den wenigen gefährlichen Angriffen der Gäste keine Blöße mehr gab. Um die Vorstellung seines Gegenübers, Martin Jones im Kasten von San Jose, zu beschreiben, gibt es nur Worte, die Superlative ausdrücken: Weltklasse, phantastisch, überragend. Ohne Jones im Tor stünde der Stanley Cup Champion 2016 längst fest - und der käme aus Pennsylvania.

Vorteil: Sharks

Special Teams:

Herget: Langsam wird es desaströs für die Sharks, die mit über 30 Prozent Erfolgsquote ins Stanley Cup Finale gingen und nun nach zwei weiteren Fehlanläufen in Spiel 5 nur eine von zehn Powerplays nutzen konnten. Auf der anderen Seite traf erneut Evgeni Malkin bei Überzahl der Penguins.

Vorteil: Penguins

Rösch: Im zweiten Spiel in Folge war Pittsburghs Center Malkin für einen Powerplaytreffer gut. Nachdem sie in den ersten drei Finalpartien kein einziges Überzahltor bei sechs Powerplays markieren konnten, gelangen den Penguins in den folgenden zwei Auftritten zwei Treffer in fünf Überzahlsituationen. Auch die Unterzahlformationen der Penguins konnten wieder einmal überzeugen. Sie ließen in den letzten drei Begegnungen kein Tor der Sharks mehr zu, wenn diese mit einem Mann mehr auf dem Eis standen.

Vorteil: Penguins

Zusammenfassung:

Herget: Das SAP Center ist für Auswärtsmannschaften kein leichtes Pflaster. Bezeichnenderweise haben die Penguins Spiel 3 dort verloren, obwohl sie in der Verlängerung näher am Siegtor waren und Spiel 4 gewonnen, wo die Sharks bessere Möglichkeiten hatten. Während die Sharks in Pittsburgh relativ relaxt antreten konnten und die Penguins unter Druck standen, weil sie unbedingt daheim die Serie abschließen wollten, ist die Erwartungshaltung an San Jose zu Hause nun höher. Sich darauf zu verlassen, dass Jones immer so gut hält, wäre fatal. Pittsburgh hat immer noch im Fall der Fälle Spiel 7 in der Hinterhand. Das macht es für sie leichter.

Vorteil: Penguins

Rösch: In Spiel 5 des Stanley Cup Finales hat sich das auswärtsstärkste Team, die San Jose Sharks, gegen die heimstarken Pittsburgh Penguins durchgesetzt. Letztendlich hatten sie ihren Sieg im Consol Energy Center von Pittsburgh aber ihrem herausragenden Schlussmann Martin Jones zu verdanken. Spielerisch waren die Penguins in vier von fünf Finalpartien das schnellere und das bessere Team gewesen. Ihr Spielsystem erscheint mir auch variabler, als das der Kalifornier, die doch zu sehr auf ihre körperliche Überlegenheit bauen. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass Jones noch ein weiteres Mal aus einem solchen Schüssefestival, wie dem am Donnerstag, schadlos herausgehen und seiner Mannschaft einen dritten Sieg bescheren kann.

Vorteil: Penguins

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