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Vorschau auf die U20 Junioren-Weltmeisterschaft

Deutschland will überraschen und die Schweiz endlich eine Medaille bei den Titelkämpfen der Nachwuchsspieler

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Die IIHF Eishockey U20-Junioren-Weltmeisterschaft ist das Turnier, bei dem sich die besten Nachwuchsspieler auf hohem Niveau duellieren und sich vor den NHL-Scouts gut präsentieren wollen, um ihre Chancen für den NHL Draft 2020 zu erhöhen.

Vom 26. Dezember 2019 bis 5. Januar 2020 ist es wieder soweit. Zehn Teams spielen in zwei Gruppen mit anschließender KO-Runde von Viertelfinale bis zum Endspiel den Weltmeister in den tschechischen Städten Trinec und Ostava aus. Die beiden Gruppenfünften spielen im Best-of-Three-Modus (wer zwei Spiele gewinnt, bleibt erstklassig) um den Klassenerhalt.

Erstmals seit 2015 mit dabei ist die deutsche U20-Vertretung, die im vergangenen Jahr den Aufstieg in die Top-Gruppe geschafft hat. Die Jungs von Trainer Tobias Abstreiter haben in der Gruppe B ein schweres Programm vor sich, wenn sie am 27. Dezember um 19 Uhr MEZ auf die USA, am 28. Dezember auf Gastgeber Tschechien, am 30. Dezember auf Kanada und am 31. Dezember auf Russland (alle 15 Uhr MEZ) treffen. Der Internet-Sender Magenta Sport überträgt alle Partien der deutschen Mannschaft live.

Deutschland blieb in der Vorbereitung zwei Mal gegen die Schweiz (5:4, 3:2 n.P.) siegreich, unterlag jedoch deutlich Finnland (1:6) und den USA (1:7). Angeführt wird das deutsche Team von Moritz Seider, der in der Verteidigung Regie führen wird.

Im Sturm werden die Augen vor allen auf Schwedenlegionär Dominik Bokk liegen. Er wurde in der ersten Runde beim NHL Draft 2018 ausgewählt und mittlerweile von den St. Louis Blues zu den Carolina Hurricanes getradet.

Viel beschäftigt werden die Torhüter, der in Finnland tätige Tobias Ancicka, Hane Hendrik (Düsseldorfer EG) und Philipp Maurer (EV Landshut) sein. Werbung für den kommenden Draft kann Stürmer Tim Stützle für sich betreiben, der durch seine 23 Punkte (fünf Tore, 18 Assists) in 25 Spielen für die Adler Mannheim bereits auf sich aufmerksam gemacht hat.

"Das Spiel gegen Finnland war für uns sehr lehrreich", sagte Abstreiter. "Ab dem zweiten Drittel haben wir uns besser zurechtgefunden und in der Folge gute Chancen herausgespielt. Diese müssen wir allerdings in der Zukunft effektiver nutzen. Insbesondere an unserem Defensivverhalten und dem Spiel ohne die Scheibe müssen wir arbeiten."

Das Defensivverhalten und die Effektivität bei der Chancenverwertung werden in der Tat beim Turnier elementar für das deutsche Team sein. Sollten die Spiele um den Klassenerhalt am 2. (10 Uhr), 3. (11 Uhr) und falls nötig 5. Januar (11 Uhr) vermieden werden können, wäre das bereits eine große Überraschung.

Tschechien hofft indes mit dem Heimvorteil auf die erste Medaille seit 2005, als sie Bronze holten. Zuletzt bei der WM 2019 schieden sie im Viertelfinale aus und belegten den siebten Platz. Die Hoffnungen ruhen insbesondere auf Torhüter Lukas Dostal (Anaheim Ducks), der in vier Spielen im vergangenen Jahr einen Gegentorschnitt von 1,25 pro Spiel und eine starke Fangquote von 95,7 Prozent vorzuweisen hatte. 

Wie immer stark besetzt ist die Auswahl Kanadas, die im vergangenen Jahr auf heimischen Eis erstmals nicht zu den Medaillenträgern gehörte, nachdem sie im Viertelfinale überraschend dem späteren Weltmeister Finnland mit 1:2 unterlegen waren. Im von Dale Hunter trainierten Kader wollen unter anderem zehn Erstrunden-Draft-Picks diese Schmach vergessen lassen: die Stürmer Dylan Cozens (Buffalo Sabres, NHL Draft 2019, Nr. 7), Barrett Hayton (Arizona Coyotes, 2018, Nr. 5), Ty Dellandrea (Dallas Stars, 2018, Nr. 13), Joe Veleno (Detroit Red Wings, 2018, Nr. 30), Connor McMichael (Washington Capitals, 2019, Nr. 25), Liam Foudy (Columbus Blue Jackets, 2018, Nr. 18) und Nolan Foote (Tampa Bay Lightning, 2019, Nr. 27) sowie die Verteidiger Bowen Byram (Colorado Avalanche, 2019, Nr. 4), Ty Smith (New Jersey Devils, 2018, Nr. 17) und Jacob Bernard-Docker (Ottawa Senators, 2018, Nr. 26). Hinzu kommt der vielbeachtete Stürmer Alexis Lafreniere, der ein Kandidat auf den Top-Pick in 2020 ist. Er war zuletzt zwar verletzt, scheint aber rechtzeitig fit zu werden.

Russland will vor allem mit den zwei Top-Sturmreihen Ivan Morozov (Vegas Golden Knights) als Center zwischen Grigori Denisenko (Florida Panthers) und Pavel Dorofeyev (Vegas Golden Knights) sowie dahinter Kirill Marchenko (Columbus Blue Jackets) und Vasily Podkolzin (Vancouver Canucks) punkten. Unter besonderer Beobachtung steht auch Torhüter Yaroslav Askarov (SKA St. Petersburg), der als größtes Torwarttalent Russlands seit Andrei Vasilevskiy (Tampa Bay Lightning) gilt und für den nächsten Draft zur Verfügung steht.

Die USA möchten zum fünften Mal in Folge eine Medaille gewinnen, und wie 2017 soll sie Golden sein. 2019 verloren sie das Finale gegen Finnland und 2016 sowie 2018 sprang jeweils die Bronzemedaille heraus. Große Hoffnungen setzen die Amerikaner in Torhüter Spencer Knight (Florida Panthers) vom Boston College. Zusätzlich ist die Mannschaft im Sturm mit sehr schnellen und kreativen Spielern wie Jack Drury (Carolina Hurricanes) und Oliver Wahlstrom (New York Islanders) besetzt. Auch die Defensive weist mit Spielern wie Mattias Samuelsson (Buffalo Sabres) und K'Andre Miller (New York Rangers) kaum Schwächen auf.

Die Schweizer Vertretung unter der Leitung von Thierry Paterlini, der auf den zum HC Davos gewechselten Christian Wohlwend folgte, tritt in der Gruppe A an. Nach dem Halbfinaleinzug in 2019 und dem vierten Platz, sind die Ambitionen in der Schweiz höher geworden. Die Medaille war zum Greifen nah. Allerdings muss erst einmal die Gruppenphase mit den Spielen am 26. Dezember um 15 Uhr gegen Kasachstan, am 28. Dezember gegen Schweden, am 30. Dezember gegen die Slowakei und am 31. Dezember gegen Finnland (alle 19 Uhr) erfolgreich und mit einer möglichst guten Position im Klassement überstanden werden.

Höchstens zehn Spieler werden im Kader dabei sein, die schon mit dem 2:0-Erfolg gegen Schweden im Viertelfinale 2019 für eine Sensation sorgten. Zu ihnen gehört Torhüter Luca Hollenstein, der damals mit 41 Saves überragend hielt. Mit Akira Schmid (New Jersey Devils) haben die Eidgenossen einen weiteren starken Torhüter im Ärmel. Verteidiger Nico Gross (New York Rangers) nimmt bereits zum vierten Mal am Turnier teil und wird zusammen mit Janis Moser, dem besten Nachwuchsspieler der Schweizer National League in der vergangenen Saison, die Defensive anführen. Im Sturm sind vor allem Valentin Nussbaumer (Arizona Coyotes) und Simon Knak (Kandidat Draft 2020) gefragt. Nussbaumer verbuchte 25 Punkte (sieben Tore, 18 Assists) in 31 Spielen mit Sherbrooke in der Quebec Major Junior Hockey League und Knak 18 Punkte (sechs Tore, 12 Assists) in 25 Spielen mit Portland in der Western Hockey League.

 

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Favoriten auf den Gruppensieg sind der Titelverteidiger Finnland und die starken Schweden. Die Hoffnungen der Schweden erstmals seit 2012 wieder Weltmeister zu werden, ruhen vor allem auf die Top-Prospects, Stürmer Lucas Raymond und Alexander Holtz, die beide unter den Top 10 im kommenden Draft erwartet werden.

Zwei Verteidiger stehen bei Finnland im Fokus: Lassi Thomson (Nr. 19, Ottawa Senators) und Ville Heinola (Nr. 20, Winnipeg) wurden beim NHL Draft 2019 in der ersten Runde ausgewählt. Heinola ist einer von fünf Spielern im Kader, die 2019 den Titel holten. Allerdings fiel er in der Vorschlussrunde verletzt aus. Er wurde bereits in dieser Saison von den Jets in der NHL eingesetzt und markierte beeindruckende fünf Punkte (ein Tor, vier Assists) in acht Spielen.

Eher Außenseiter-Chancen werden den verbleibenden zwei Teilnehmern in der Gruppe A, der Slowakei und Kasachstan, zugeschrieben. Letztere konnten im vergangenen Jahr als Aufsteiger den Klassenerhalt in der Relegation durch zwei Siege gegen Dänemark sichern und werden vermutlich auch in diesem Jahr bis zum Ende zittern müssen.

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