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Ausfälle von Topspielern als Herausforderung

Toronto schwächelt seit Matthews Verletzung und St. Louis seit dem Ausfall von Schwartz - Normal oder nicht?

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Autor

Verletzungen gehören zum Eishockey, das ist keine neue Erkenntnis. Doch wie wirkt es sich aus, wenn der Top-Spieler eines Teams fehlt, was passiert, wenn plötzlich andere Spieler mehr Eiszeit sehen und die Rolle des Stars füllen sollen. Natürlich ist die Kadertiefe der entscheidende Faktor, um in solch schwierigen Situationen weiterhin Siege einfahren zu können. Auston Matthews, seines Zeichen Topscorer der Toronto Maple Leafs ist aktuell sicher das hervorstechende Beispiel, an dem bemessen werden kann, wie ein Team einen Ausfall eines Stars verkraften kann. Doch es gibt auch andere Teams, die noch stärker von einzelnen Akteuren getragen werden.

Matthews fehlt den Maple Leafs seit nun sechs Spielen. Die Partie gegen die Pittsburgh Penguins am 9. Dezember war die bisher letzte des amerikanischen Topspielers. Sein Team verlor von den darauffolgenden sechs Begegnungen vier. Inklusive des Erfolgs in der ersten Partie nach der Verletzung Matthews, gegen die Edmonton Oilers, standen die Leafs bei fünf Erfolgen aus fünf Partien ohne ihn. Trotz des 8:1-Erfolgs über die Carolina Hurricanes am 19. Dezember konnte Toronto ohne Matthews nicht überzeugen.

 

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Die Gründe liegen im fehlenden Scoring durch die auf Matthews folgenden Scorer. Mit William Nylander, der bis dahin in der vierten Reihe eingesetzt wurde, hat Toronto eigentlich einen hervorragenden Ersatz in den eigenen Reihen, steht der 21-jährige Kanadier doch bereits bei 23 Punkten (6 Tore, 17 Assists) in dieser Saison. Auffällig ist jedoch, dass Nylanders Scoring unter Matthews Ausfall leidet, so konnte er seit der Beförderung zum Erst-Reihen-Center in sechs Spielen nur ein Tor und einen Assist verbuchen, wobei er das Tor beim Schützenfest gegen die Hurricanes erzielte. Auch die weiteren Topscorer erleben die Matthews-Flaute am eigenen Leib. Das Spiel gegen die Canes ausgenommen konnten weder James van Riemsdyk (1T / 0A), Mitchell Marner (1/1) noch Nazem Kadri (0/0) den Ausfall kompensieren.

Video: CAR@TOR: Marner umspielt die Abwehr und trifft

Doch auch andere Teams müssen sich aktuell dem Prüfstein stellen, der die Tiefe der Aufstellung untersucht. Die Vancouver Canucks müssen derzeit auf Sven Baertschi und Bo Horvart verzichten, zwei der Top-Drei-Scorer. Zumindest der Super-Rookie Brock Boeser konnte nach kurzer Pause am Dienstag gegen die Montreal Canadiens wieder eingreifen. Die Bilanz der Nucks ohne Baertschi, Horvart und zeitweise Boeser liegt bei 1-5-0 und fehlendes Scoring war in den meisten der Partien der entscheidende Faktor, trafen die Canucks, das Spiel gegen die Habs ausgenommen, doch nur acht Mal in fünf Spielen. Auch hier zeigt sich, dass es schwer ist, Ausfälle zu kompensieren, besonders wenn diese in gehäufter Form auftreten und zwischenzeitlich die gesamte Top-Sturm-Reihe betreffen.

Ein Blick auf die St. Louis Blues, welche seit dem Spiel gegen Detroit auf Jaden Schwartz verzichten müssen bestätigt ebenfalls, dass es schwer ist, den Ausfall eines herausragenden Spielers zu verkraften. Die Bilanz von 1-4-1 seit Schwartzs Verletzung spricht ein deutliches Bild. Lediglich sieben erzielte Tore in diesen sechs Spielen zeigen, dass auch St. Louis, trotz weiterer sehr produktiver Spieler wie Brayden Schenn, Vladimir Tarasenko und dem erfahrenen Paul Stastny unter dem Ausfall leidet.

Video: STL@CGY: Schenn lässt Verteidigung zum PP-Tor stehen

Natürlich sind ebenso die Edmonton Oilers ein Team, welches Gefahr läuft eine Verletzung eines der Leistungsträger nicht kompensieren zu können. Connor McDavid mit 40 Punkten ist seinen Teamkameraden Ryan Nugent-Hopkins und Leon Draisaitl mit je 25 Punkten bereits weit enteilt und scheint für die Oilers unersetzbar. Auffällig ist jedoch, dass die Reihenzusammenstellung Edmontons eine große Ausgeglichenheit liefert. Natürlich ist die Punkteausbeute der ersten Sturmformation um McDavid, Milan Lucic und Jesse Puljujarvi mit insgesamt 72 Punkten deutlich höher als die der Reihen zwei und drei um Nugent-Hopkins und Draisaitl mit 52 bzw. 50 Punkten, doch scheint die Idee die drei besten Punktesammler aufzuteilen als gute Option, um im Falle von Verletzungen nicht zu stark abzufallen. Schließlich bleiben hierdurch funktionierende und scorende Formationen bestehen.

Video: EDM@STL: Draisaitl mit einem tollen Onetimer

Nun wurden bei Ausfällen immer die Torschützen und Passgeber eines Teams betrachtet, doch haben gerade hier die Vereine eine große Auswahl an Optionen, mit denen eine Kompensation erreicht werden kann. Die Verletzung eines Starting-Goalie könnte Franchises jedoch vor noch größere Herausforderungen stellen, sind diese Einzelkämpfer im Mannschaftssport doch so enorm wichtig für den Erfolg oder Misserfolg. Wie würden beispielsweise die Tampa Bay Lightning auf den Ausfall von Andrei Vasilevskiy reagieren, ist dessen Bilanz mit 21-5-1, im Vergleich zu 3-2-1 ohne ihn, doch derart herausragend. Auch der Statistik von Corey Crawford (16-7-2) für die Chicago Blackhawks steht eine Bilanz von 1-4-3 ohne ihn gegenüber. Beide Torhüter gehören mit 93,2% (Vasilevskiy) und 93,5% (Crawford) zu den besten ihrer Zunft. Einen solchen Ausfall könnte langfristig kein Team verkraften, wie an den deutlich schlechteren Resultaten mit den Back-Ups zu sehen ist.

Die Kadertiefe der Teams zu bewerten und hierbei nur zu schauen, wie viele Spieler wie viele Punkte haben scheint nicht ausreichend um beurteilen zu können, ob eine Mannschaft besser oder schlechter auf den Ausfall wichtiger Spieler reagiert. Vielmehr müssen alle Reihen gemeinsam die Verletzung kompensieren, um es dem Gegner nicht zu ermöglichen, seinen Fokus auf die verbleibenden Scorer zu richten und deren Produktion somit auch einzuschränken. Auch scheint der reine Blick auf Tore und Assists zu gering, gibt es doch auch Schlüsselspieler in der Verteidigung und besonders auf der Torhüterposition.

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