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Verabschiedung mit Ehemaligen und Aktiven

von Dave Stubbs / NHL.com

EDMONTON - Von einem Bus wurden sie am Mittwochmorgen zum Rexall Place gebracht, unter ihren Armen trugen sie mit ihrem Namen bestickte Oilerstrikots, ein Lächeln stand ihnen im Gesicht.

Etwas später an diesem historischen Tag sollte das letzte von 1.558 NHL Spielen der Oilers in der altehrwürdigen Arena angepfiffen werden. Das Resultat, ein 6-2 Triumph der Oilers über die Vancouver Canucks, entlockte den Fans Gesangschöre. Gefeiert wurden die Helden, welche dem Betonbau mit dem letzten von 19 Heimsiegen der Saison 2015-16 (Heimbilanz: 19-20-2) die letzte Ehre erwiesen.

An der herzergreifenden, über zwei Stunden dauernde Schließungszeremonie nahmen über 150 ehemalige Akteuere der Oilers Teil. Viele davon besuchten bereits den offiziellen Vormittagsempfang mit Rundgang durch die Hallen.

Etwa zur Mittagszeit wanderte eine glückliche Gruppe durch das Gebäude. Darunter eine Handvoll Hall of Famern und dutzende andere Spieler der Franchise.

Einer nach dem Anderen musste den Metalldetektor am Eingang der Arena durchlaufen. Nicht wenige lösten den Alarm aus. Und dies nicht wegen Kleingeld oder Mobiltelefonen sondern künstlichen Hüften und Kniegelenken. Ein ehemaliger Akteur -- namentlich nicht genannt --, der die Anlage mehrmals zum ertönen brachte, versuchte den Ordnern verzweifelt beizubringen, dass ihm ein paar Gelenke ersetzt wurden.

Irgendwann tippte er sich mit seinem Zeigefinger an die Stirn und stöhnte: "Es muss wohl mein Hirn sein, dass ersetzt wurde." Eine grimmige Ordnerin winkte ihn schließlich durch.

"Jetzt hat sie es wohl geschnallt", scherzte der Oldie mit einem Grinsen und begab sich zu seinen betagten Kameraden.

Etwa neun Stunden später war es das mit dem Eishockey im Rexal. Das Heimteam schrieb das letzte Kapitel der Geschichte mit einem Sieg zu Ende. Den tösendsten Applaus gab es für Walter Gretzky, dem Vater eines recht bekannten Eishockeyspielers, als er im Schlussdrittel mit dem Spruch "Einmal Oiler, Immer Oiler" auf dem Videowürfel eingeblendet wurde.

Nach dem Spiel wurde ein blauer Teppich auf dem Eis ausgerollt. Darauf befanden sich, von den Bullykreisen bis zur Torlinie, die in Smokings gekleideten Musiker des Edmonton Symphonie Orchesters. Einer tanzte aus der Reihe und trat im Oilers Jersey auf. Einige hundert Stühle bildeten ein Rechteck um das Oilers Logo im Zentrum der Spielfläche. Von dort führte ein Teppich bis zum anderen Ende des Eises. Dieser bildete sozusagen einen Laufsteg für die ankommenden Alumni und die Akteure des aktuellen Teams.

Die überlange Parade startete um 20:20 Ortszeit. Die ersten Gäste wurden Vorgestellt und beim Betreten der Arena von einem herzlich bis überkochend warmen Empfang begleitet. 32 Minuten nach dem Beginn der Prozedur trat, von einem tosendem Applaus umrahmt, Connor McDavid, der Nummer 1 Pick des NHL Draft 2015 und wohl beliebteste Spieler der jüngsten Zeit, vor die Kulisse.

Wenig später schaffte es Ryan Smith die Lautstärke auf Playofflautstärke aufzudrehen. Darauf folgend kochte die Stimmung bei der Ankunft der Altstars aus den 80ern über. Bei Mark Messier erschallte ein ausgedehntes "Mooooooose!"

Es war kurz vor 21 Uhr, als schließlich die Nr. 99, das Trikot selbstverständlich hinten in die Hose gestopft, den Teppich betrat. Selbstverständlich ist Wayne Gretzky immer noch der größte Hockeystar; wie schon damals als er die Oilers zu vier Stanley Cup Titeln führte.

Die Verlorenen werden nicht vergessen. Von Procol Harums "A Whiter Shade of Pale" begleitet, wurde den nicht mehr unter uns weilenden Oilers rührend Tribut gezollt. Danach folgte eine gesellige Interviewrunde mit Spielern aus diversen Jahrzenten.

Beendet wurde der feierliche Abend mit einer Aufnahme von "O Canada", gesungen von Paul Lorieau, einer berühmten Lokalgröße, der von 1981-2011 die Hymne anstimmte. Mark Messier, der an etlichen Abenden neben Lorieau stand, befasste sich bereits mit einer möglichen Umzugszeremonie.

"Man muss an diverse Events denken, die hier stattfanden, nicht nur die Eishockeyspiele sondern auch die anderen emotionalen Veranstaltungen", so Messier. "Es wird bestimmt ein mitreißender Abend für die Stadt Edmonton."

"Ich, der den Stadionbau erlebte, der als Kind Gordie Howe hier spielen hat sehen, der die großartigen Spieler der WHA wie Bobby Hull erlebt hat, für den mit der Teilnahme an der National Hoykey League ein Traum in Erfüllung ging, hätte das alles in meiner Jugend niemals für möglich gehalten."

"Nicht nur für mich, der von Beginn an hier war, auch für die Fans, für alle Jungs, die sich das Trikot angezogen haben, für alle Leute die in irgendeiner Art und Weise für die Organisation gearbeitet haben, wird das eine bewegende Nacht. Es ist unglaublich, wie ein Gebäude so einzigartig sein kann. Es ist so einzigartig, weil es so viele große Momente erlebt hat."

Messier sprach auch über die erfolgreichen 1980er Jahre.

"Wir waren sehr talentiert, aber wir hatten auch eine Sache, die ein Team braucht, um erfolgreich zu sein: Glaube", sagte er. "Du musst immer glauben, dass du gewinnen kannst. Und du erhälst diesen Glauben durch Vorbereitung, durch Training, durch Niederschläge und durch Wiederaufstehen. Du musst dir Ziele setzen und diese erreichen. Das gibt dir den Glauben es zu schaffen.

"Und mit Wayne hatten wir den besten Leader der Welt. Er war immer der Junge, der am härtesten trainiert hat. Er hatte den größten Spaß auf dem Eis. Er wollte nach dem Training immer noch zocken. In dieser Hinsicht hatten wir den besten Mentor, den man sich vorstellen kann. Ungeachtet davon, dass er im selben Alter wie wir war. Wir lernten vieles von Wayne und am meisten, was es braucht, um ein Sieger zu sein."

Gretzkys Name füllt mit seiner beeindruckenden Bilanz das Rekordbuch des Rexall Place: Führend in geschossenen Toren (316), Vorlagen (586) und Punkten (902).

Sein Banner mit der Nr. 99 war das zweite, das nach seinem Rücktritt 1999 unter die Dachbalken gezogen wurde. 19 Jahre nach der Nr. 3 von Al Hamilton. Fünf weitere wurden in zwei-jahres Abständen unter das Dach gehängt: Jari Kurri in 2001, gefolgt von Grant Fuhr, Paul Coffey, Messier und zuallerletzt in 2009, Glenn Anderson.

Messier sollte den ersten seiner 694 Karrieretreffer am 13. Oktober 1979, im Jungfernspiel der Oilers in der Arena schießen. Mit noch nicht einmal 19 Jahren, überwand er den Red Wings Schlussmann Rogie Vachon 2:24 Minuten vor dem Ende, zum 3-3 Unentschieden.

Drei Abende Später fuhren die Oilers dank drei Assists von Gretzky, ihren ersten Sieg - 6-3 gegen die Quebec Nordiques - ein.

Gegen Ende der Zerenomy wurden Gretzky und Messier zu einem Interview mit dem Kultmoderator Bob Cole gebeten.

Das Rexall Place erlebte am 13. Oktober 1979 sein erstes Tor. Oilers Stürmer Blair MacDonald schoss es im ersten Drittel. Leon Draisaitl schrieb am Mittwoch mit seinem Überzahltor in der 58. Spielminute Geschichte.

Das Publikum stand bereits eine volle Minute vor dem Spielende um 19:45 auf den Beinen. Die Oilers bedankten sich bei ihren Fans mit einem Applaus, wie auch die Ehrengäste zwei einhalb Stunden später.

McDavid, dem drei Punkte gelangen, wurde zum dritten Star gekührt; der zweifache Torschütze Patrick Maroon wurde zum zweiten Star ausgewählt.

In einer rührenden Geste wurden die Fans zum ersten Star des Abends sowie der vergangenen 41 Jahre im Rexall Place erwählt. Die Abschiedsfahne wurde schlussendlig in musikalischer Begleitung von Aaron Coplands "Fanfare for the Common Man" eingerollt. Für viele blau-orangene Jahre bot das Rexall Place einer Gemeinde und einem Hockey Team Heimat.

Ab Herbst geht es in den Rogers Place, in dem die Oilers irgendwann hoffentlich an die Erfolge aus den 1980er Jahern anknüpfen können.

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