Tatar

Bisher schien über den Vegas Golden Knights, quasi ununterbrochen, die Sonne des sportlichen Erfolgs. Die Überraschungsmannschaft der Saison, die bisher von Rekord zu Rekord eilte, steckt derzeit in einer erkennbaren Leistungsdelle. Mit dem enttäuschenden 4:5 auf heimischem Eis in der T-Mobile Arena setzte es am Freitagabend die dritte Niederlage hintereinander. Mehr Pleiten in Serie waren es bisher noch nie für das junge Franchise.

Im Oktober und im November des Vorjahres unterlag das Team jeweils dreimal in Folge, doch folgte in Spiel vier dann stets wieder ein doppelter Punktgewinn. Die Mannschaft fand zurück in die Erfolgsspur. Es diesmal knapp werden, denn der nächste Test für die Truppe aus der Spielerstadt steht am Sonntag ausgerechnet bei den New Jersey Devils mit dem jungen Schweizer Nico Hischier an - nicht unbedingt eine dankbare Aufgabe, um einen neuen Negativrekord efolgreich zu vermeiden.
In diese Bredouille hätten sich die Golden Knights gar nicht erst bringen dürfen, wenn es alleine nach Coach Gerard Gallant gegangen wäre. Denn dieser hatte seine Jungs bereits vor der Heimbegegnung gegen die Ottawa Senators ausdrücklich und lautstark gewarnt. Am Abend zeigte seine Mannschaft einen Auftritt, der vermuten ließ, dass der Hinweis auf ein extrem schweres Spiel nicht wirklich durchgedrungen war. Vor 18.269 Zuschauern kamen die Golden Knights zunächst nur schwer in Schwung und unterlagen nach einem Zwischensprint und Toren von William Karlsson und Ryan Carpenter zum 4:4-Ausgleich, durch einen Treffer von Alexandre Burrows im Schlussdrittel knapp mit 4:5.
"Der Gegner war heute einfach besser als wir. Wir haben nicht hart genug für den Erfolg gearbeitet. Auf diese Art und Weise gewinnst Du in dieser Liga eben nicht viele Spiele", beklagte der Gallant nach der Heimpleite.

Gallant

Die Golden Knights (41-18-5, 87 Punkte) verloren damit erstmals seit November ein drittes Spiel in Folge. Allerdings beträgt ihr Vorsprung in der Pacific Division auf die zweitplatzierten San Jose Sharks, die zudem ein Spiel mehr ausgetragen haben, noch immer recht komfortable acht Zähler.
Für das kriselnde Team aus Las Vegas beginnt nun ausgerechnet ein fünf Spiele umfassender Auswärtstrip. Da sind, sollte das Team die Kurve nicht bald wieder kriegen, der Acht-Punkte-Puffer rascher aufgebraucht, als einem lieb sein kann.
Vor der jüngsten Niederlage gegen die Senators hatten die Golden Knights am Wochenanfang ihre beiden Begegnungen gegen die Los Angeles Kings verloren. In Los Angeles verloren sie am Montag mit 2:3 nach Verlängerung, einen Tag später setzte es auf heimischem Eis sogar ein bitteres 1:4.

"Unser Spiel ist im Moment einfach nicht mehr das, was es einmal war", gab Verteidiger Shea Theodore zu. "Wir müssen uns jetzt rasch wieder straffen, wenn wir unsere Position im Playoff-Rennen nicht auf das Spiel setzen wollen."
Dass sie es grundsätzlich noch immer können, bewiesen die Golden Knights am Freitag nur phasenweise. Mit 2:4 lag die Heimmannschaft zwischenzeitlich schon hinten, konnte dann, innerhalb relativ kurzer Zeit mit zwei Treffern zu Beginn des dritten Drittels jedoch rasch wieder ausgleichen, um danach unverständlicher Weise wieder einen Gang herunterzuschalten.
"Wir haben zwischendurch Charakter gezeigt, doch insgesamt ist es nicht das Eishockey gewesen, wie wir es uns alle vorstellen", beklagte auch Torhüter Marc-Andre Fleury. "Diese Spiele darfst du einfach nicht verlieren."
Zuvor konnte Vegas bei einer Führung zur ersten Drittelpause eine Bilanz von 18-4-1 aufweisen. Durch Tore von Reilly Smith und Colin Miller führte Vegas auch diesmal knapp mit 2:1 nach dem ersten Drittel. Doch ausgerechnet gegen die zuletzt wenig überzeugenden Senators, setzte es im Mitteldrittel gleich drei Gegentore hintereinander.
"Dafür gibt es keine Entschuldigung. Wir sind Profis. Es ist ein harter Job, aber solche Phasen dürfen wir uns einfach nicht erlauben", sagte Jonathan Marchessault mit angesäuerter Mine nach der Pleite. "Im ersten Drittel hatten wir nur drei Torschüsse. Das geht natürlich nicht. Es ist schwer ein Spiel zu gewinnen, wenn man nur 20 der 60 Minuten gut spielt."
Am Sonntag in New Jersey müssen die Golden Knights möglichst wieder die vollen 60 Minuten gehen, wenn sie nicht erstmals in ihrer Franchise-Geschichte viermal hintereinander unzufrieden vom Eis gehen wollen und dadurch die Laune bei ihnen weiter eingetrübt wird.