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Der Name Uwe Krupp ist bis heute ein Begriff in Denver, nicht nur unter den älteren Fans der Colorado Avalanche. Durch sein Tor in der dritten Verlängerung in Spiel 4 vom Stanley Cup Finale 1996 gegen die Florida Panthers, mit dem er die Organisation zum ersten Mal in ihrer Geschichte zum Stanley Cup Sieger schoss, hat er sich unsterblich gemacht. NHL.com/de hatte vor dem Beginn des Stanley Cup Finale 2022 zwischen den Tampa Bay Lightning und seinen Avalanche am Mittwoch die Möglichkeit, den früheren NHL-Verteidiger und heutigen Trainer der Kölner Haie exklusiv über die bisherigen Stanley Cup Playoffs, das anstehende Finale und die Arbeit von General Manager Joe Sakic zu befragen.

Was sagst du zum bisherigen Verlauf der Stanley Cup Playoffs und insbesondere zu dem von Colorado?
Video: TBL@NYR, Sp5: Vasilevskiy rettet gegen Lindgren
"Ich verfolge das natürlich sehr genau und ich bin immer noch Fan dieser Mannschaft in Colorado. Von daher kenne ich das Team sehr gut. In den Playoffs ist es für sie bis hierher sehr souverän gelaufen. Sie waren eigentlich bisher noch nie so richtig in Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite hat Tampa sich durch die Runden kämpfen müssen, war auch im Conference Finale 0:2 hinten und ist zurückgekommen. Aber auch die New York Rangers, das war eine super Stanley-Cup-Geschichte in diesem Jahr. Zwei Mal lagen sie zurück und haben ihre Serien noch gedreht. Und jetzt haben wir ein Top-Finale mit den zwei stärksten Mannschaften."
Wie schätzt du das Finale zwischen Colorado und Tampa ein?
"Ich glaube, es ist immer ganz interessant zu sehen, dass der Heimvorteil gerade in Spiel 1 und 2 nicht immer unbedingt ein Vorteil, sondern manchmal auch eine Bürde ist. Tampa Bay kommt jetzt gerade erst aus der Serie mit New York heraus und läuft auf allen Touren. Ich glaube, dass es eine enge Sache wird und die Torhüter im Mittelpunkt stehen werden. Andrei Vasilevskiy ist stabil und bei Colorado haben beide Torhüter, sowohl Pavel Francouz als auch Darcy Kuemper, gute Leistungen gezeigt. Auf sie wird es im Wesentlichen ankommen. Für mich ist Colorado der Favorit, weil die Mannschaft tiefer aufgestellt ist und sie hungrig auf ihren ersten Cup sind. Mit Tampa Bay treffen sie auf ein Team, das natürlich weiß, wie man gewinnt. Die sind erprobt in einem Finale und sie haben Vasilevskiy, aber gerade das Ausscheiden der Avalanche in den letzten drei Jahren in der zweiten Runde, hat ihnen die nötige Reife gegeben, um Tampa Bay auch zu schlagen."
Wie wirst du das Finale verfolgen?
"Ich werde nachts live dabei sein und bin auch zweimal als Kommentator bei Sky Sport im Fernsehen vorgesehen."
Wie schaut man als Trainer auf das Spiel, werden die Spielsysteme genau analysiert?
"Absolut. Ich denke, gerade wenn ich Kommentator bin, ist es meine Aufgabe, den Leuten etwas dazu mitzuteilen. Es sind nicht nur zwei gleiche Mannschaften, die gegeneinander einfach drauf losspielen, sondern da gilt es schon auf die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu achten. Ich glaube, das ist für die Zuschauer schon interessant, es ihnen etwas näher zu bringen."
Was denkst du über die Arbeit von General Manager Joe Sakic, den du ja als Mitspieler sehr gut kennst und insbesondere dazu, dass er trotz einiger Misserfolge in den zurückliegenden Jahren immer an Trainer Jared Bednar festgehalten hat?
"Ich glaube, dass der Joe mit seiner Erfahrung weiß, wie es im Sport läuft. Ich denke, der Trainer muss bei ihm ein gutes Konzept haben. Wie es aussieht, hat Jared ein gutes Konzept und geht gut mit der Truppe um. Dann kann man mit so einem Trainer arbeiten. Gerade, wenn es nicht läuft, dann ist das der Prüfstein, wie ein Trainer arbeitet und nicht, wenn es gut läuft. Dann ist es eine Selbstverständlichkeit. Man kann viel mehr über die Leute lernen, wenn es nicht gut läuft. Gerade Colorado hat hier eine gute Entscheidung getroffen und gut gedraftet. Sie hatten mit ihren Draft Picks auch etwas Glück, aber das gehört dazu. Insgesamt überwiegen in Colorado eine Stabilität und eine Linie, die sich durchzieht. Das zahlt sich in diesem Jahr aus, dass man eben bei den Rückschlägen nicht nervös wurde, sondern seinen Weg weitergegangen ist. Sie haben gute und talentierte Spieler, wie Nathan MacKinnon, Gabriel Landeskog oder wie sie alle heißen. Das sind Top-Spieler aber auch Persönlichkeiten, die eine Mannschaft führen können. Das ist alles ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht. Um zu gewinnen, muss ein Team Erfahrungen sammeln und diese Mannschaft, aber auch die Trainer, haben gerade in den letzten Jahren durch die Niederlagen gelernt, zu gewinnen."