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Auch ohne große Eishockey-Tradition erfolgreich

Viele Teams beweisen, dass man nicht in einer klassischen Eishockeystadt beheimatet sein muss, um erfolgreich zu sein

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

In der Rubrik "NHL Pulse" beleuchtet NHL.com/de an jedem Montag aktuelle Themen, Diskussionen und Entwicklungen der Saison 2018/19, die im Hintergrund des Spielgeschehens liegen.

Heute geht es um die Frage, ob es in der NHL inzwischen keinen Traditions-Standort mehr braucht, um erfolgreich zu sein: 

In den Augen vieler NHL-Fans erfreuen sich die sogenannten Original Six-Teams noch immer der größten Beliebtheit. Sportlich jedoch sind die Boston Bruins, die New York Rangers, die Montreal Canadiens, die Detroit Red Wings, die Toronto Maple Leafs und die Chicago Blackhawks schon lange nicht mehr das alleinige Maß der Dinge. 

 

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Seit der schrittweisen Erweiterung der NHL auf derzeit 31 Mannschaften, die Jahr für Jahr um den begehrten Stanley Cup spielen, haben sich die Eishockeyfans stets an neue Standorte gewöhnt. 

Im Sommer 1967 erfolgte die Verdoppelung der Ligastärke von damals sechs auf zwölf Mitglieder. Die California Seals (Oakland Seals, später Golden Seals), die Los Angeles Kings, die Minnesota North Stars, die Philadelphia Flyers, die Pittsburgh Penguins und die St. Louis Blues kamen hinzu. 

Teams hinzuzunehmen war seinerzeit nicht unumstritten. Besonders groß war das allgemeine Kopfschütteln über ein Franchise in Los Angeles. Eishockey so tief im Süden der USA? Das würde auf Dauer niemals funktionieren, lautete eine nicht selten vertretene Meinung. 

Inzwischen wissen wir, dass Spitzeneishockey in Südkalifornien durchaus funktioniert, auch dauerhaft. Immerhin begleiten uns die Kings schon seit 51 Jahren. Nicht nur, dass die Kalifornier in den Jahren 2012 und 2014 jüngst zweimal den Stanley Cup in die Filmmetropole holen konnten, mit den Anaheim Ducks und den San Jose Sharks haben sich im Laufe der Jahre sogar zwei weitere Klubs in dem Bundesstaat fest etabliert und sorgten selber für positive Schlagzeilen. Die Ducks gewannen 2007 den Stanley Cup, die Sharks erreichten 2016 immerhin das Finale gegen die Pittsburgh Penguins.

Ein Trend, der sich mit Teams wie den Arizona Coyotes, den Nashville Predators, den Florida Panthers und weiteren Mannschaften an zuvor nahezu undenkbaren Standorten fortgesetzt und weiter verstärkt hat. 

Nicht immer war zu Beginn ihre Anhängerschar so zahlreich wie an den etablierten Eishockeystandorten vor allem im Osten Kanadas, wo täglich Millionen das Geschehen um ihr Team verfolgen. 

So kämpften die Predators noch vor etwa zehn Jahren mit einem eklatanten Zuschauermangel und galten seinerzeit als ein potenzieller Kandidat für einen nahenden Umzug der Organisation. 

Im Rückblick ist das kaum zu glauben, wenn man doch noch die überschwängliche Begeisterung vor Augen hat, mit der Tausende das Team bei seinen Auftritten im Stanley Cup Finale 2017 feierten. 

Die kontinuierliche Aufbauarbeit hat sich längst bezahlt gemacht. Tennessee ist inzwischen für die NHL ein sehr gut funktionierender Standort.

Ähnlich wie in Nashville, hat sich die Liga an mehreren sogenannten kleinen Märkten gut etabliert - auch sportlich, wie den Tabellen abzulesen ist.

Mannschaften aus relativ neuen NHL-Standorten, wie jene der Carolina Hurricanes (6-4-1), der Tampa Bay Lightning (7-2-1), der Sharks (6-3-2) oder eben der Predators (8-3-0) liegen in den jeweiligen Divisionen weit vorne platziert.

Sie alle sind der Beweis dafür, dass es inzwischen längst nicht mehr auf lange Traditionen und eine reichhaltige Franchise-Geschichte ankommt, um sportlich erfolgreich zu sein. 

Offenkundig kommt es vielmehr auf eine gut funktionierende Klub-Führung an, die es versteht die vorhandenen Möglichkeiten an einem Standort, ob traditionell oder nicht, optimal für sich zu nutzen, indem sie durch kluge Personalpolitik eine zukunftsfähige Mannschaft aufbaut. 

Die Vegas Golden Knights haben im Vorjahr bewiesen, wie schnell ein klug gemanagtes Franchise in der NHL von Null an die Spitze der Eishockeywelt stürmen kann.

Eishockey in Las Vegas? Pustekuchen! Gestoppt hat eine solche Meinung die Truppe auf ihrem Weg nicht. Ganz im Gegenteil! 

Mit dem Erfolg des Teams wuchs im Umfeld die Begeisterung von Tag zu Tag, von Monat zu Monat. Nur der letzte Schritt zur Titel-Krönung, blieb dem Liganeuling knapp verwehrt. 

 

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Die Zusammensetzung des Kaders ist letztendlich maßgebend für den Erfolg einer Mannschaft, nicht die Tradition oder ein großer Markt in einer Eishockey-Metropole. 

Unterstützung von immer mehr engagierten Fans kommt sportlich erfolgreichen Truppen quasi von alleine zuteil. Siehe auch das Beispiel der Predators, die inzwischen für ihre leidenschaftlichen Fans berühmt geworden sind. Auch die Golden Knight können auf eine sehr aktive Fanbasis in Nevada verweisen.

Die Mischung in der Liga ist bunt geworden. Die aktuellen Tabellenstände beweisen es einmal mehr. Spannender und vielschichtiger könnte es kaum zugehen. Viele junge Teams versuchen sich in den Vordergrund zu spielen und der jungen Saison ihren Stempel aufzudrücken.

Letztendlich profitieren alle davon, selbst die sogenannten Traditionsteams, auch wenn sie, ob der zusätzlichen Konkurrenz, inzwischen härter und schwerer um den sportlichen Erfolg kämpfen müssen, als das in früheren Jahren der Fall war. 

Die wirtschaftlichen Zahlen der letzten Jahre belegen die Erweiterungen sind für die Liga eine Erfolgsgeschichte. Wachstum gibt es auf vielen Ebenen und der Umsatz wurde gesteigert. Konkurrenz belebt halt das Geschäft. Da bildet die NHL keine Ausnahme. 

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