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Hoher Erfolgsdruck bringt die Trainer in Not

Vier Teams trennen sich frühzeitig von ihrem Coach, um eine Wende zum Besseren einzuleiten

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Das Trainerkarussell in der NHL hat sich in den vergangenen zweieinhalb Wochen heftig gedreht. Gleich vier Coaches mussten in diesem Zeitraum ihren Hut nehmen. Die Entlassungswelle ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Nervosität und der Erfolgsdruck bei einigen Klubs in diesem Jahr enorm hoch sind. Die Entwicklung verläuft damit völlig konträr zur Saison 2017/18, als kein einziger Verantwortlicher an der Bande während der Hauptrunde entlassen wurde.

Den Auftakt machten die Los Angeles Kings. Der Stanley-Cup-Champion von 2012 und 2014 leitete am 4. November das Amtsenthebungsverfahren gegen John Stevens ein. Der Playoff-Anwärter aus Kalifornien war weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben und fand sich nach nur vier Siegen aus den ersten 13 Begegnungen und einem Torverhältnis von 28:45 am Tabellenende der Western Conference wieder. Selbst zwei Erfolge nacheinander vermochten das Management nicht mehr milde zu stimmen. Sie schickten Stevens in die Wüste und verpflichteten Willie Desjardins. Die Rochade führte auch dazu, dass sich der Lebenstraum von Marco Sturm erfüllte. Er wechselte vom Trainerpodest der deutschen Nationalmannschaft als Assistent an die Seite von Desjardins.

 

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Zwei Tage nach Stevens erwischte es Joel Quenneville von den Chicago Blackhawks. Den endgültigen Ausschlag für die Absetzung des 60-Jährigen gab eine Negativserie mit fünf Niederlagen in Serie. Während seiner zehnjährigen Amtszeit hatte Quenneville die Blackhawks wieder zu einem Spitzenteam geformt und mit ihnen 2010, 2013 und 2015 den Stanley Cup gewonnen. Im Frühjahr dieses Jahres verpassten sie erstmals in seiner Ägide die Playoffs. Dennoch genoss der langjährige Erfolgscoach zunächst weiter das Vertrauen der Klubleitung. Nach einem erneuten Absturz, im Anschluss an den durchaus verheißungsvollen Saisonstart im Oktober, war es jedoch aufgebraucht. Das Ruder beim Team von Dominik Kahun übernahm der erst 33 Jahre alte Jeremy Colliton.

Für Mike Yeo von den St. Louis Blues war am Montag dieser Woche das Ende gekommen. In der zurückliegenden Spielzeit hatte er das Plansoll mit dem Erreichen der zweiten Playoff-Runde noch erfüllt. Nach dem wenig erfolgreichen Saisonauftakt mit einer Reihe äußerst mäßiger Darbietungen traute ihm die Klubleitung nicht mehr zu, die Wende zum Besseren einzuleiten. Richten soll es stattdessen Craig Berube, zumindest interimsweise.

Wenige Stunden vor dem Match am Dienstag in der SAP Arena bei den San Jose Sharks gaben die Edmonton Oilers die Trennung von Todd McLellan bekannt. Sechs Pleiten in sieben Partien brachten das Fass zum Überlaufen und kosteten ihm den Job. Als Nachfolger präsentierten die Kanadier das Trainer-Urgestein Ken Hitchcock. Der aus Edmonton stammende 66-Jährige war zuvor als Coach bei den Dallas Stars, den Philadelphia Flyers, den Columbus Blue Jackets und den St. Louis Blues tätig. Mit 824 Siegen ist er der dritterfolgreichste NHL-Trainer aller Zeiten. Mit Dallas holte er 1999 den Stanley Cup. Nun muss Hitchcock die mit Stars wie Connor McDavid und Leon Draisaitl gespickte Oilers-Riege in die Playoffs manövrieren.

 

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Das frühe und entschlossene Einschreiten der Vereinsführungen nach sportlichen Durststrecken dürfte einem Phänomen in diesem Jahr geschuldet sein. Eine ganze Reihe schwächer eingeschätzte Mannschaften, wie die New York Islanders, die Buffalo Sabres oder die Vancouver Canucks drängen mit Macht nach oben und können sich Stand heute berechtigte Hoffnungen machen, in die Endrunde einzuziehen. Das erhöht den Druck auf jene Teams, die sich personell besser aufgestellt sehen. Deren leitende Angestellte reiben sich verwundert die Augen und fragen sich, warum anderen gelingt, wozu sie selbst nicht in der Lage sind. Da einige der betroffenen Klubs zudem durch den Salary Cap eingeschränkt sind und Spielerverpflichtungen keine Option darstellen, suchen sie ihr Heil in einem Trainerwechsel.

 

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Diese These stützt eine Aussage von Edmontons General Manager Peter Chiarelli. Auf die Frage, ob die Oilers-Belegschaft genügend Qualität für die angestrebten Ziele besitze, sagte er: "Ich bin der Meinung, dass unser Kader gut genug ist." Ähnlich äußerte sich sein Amtskollege Doug Armstrong von den Blues. "Es muss uns gelingen, dass unsere besten Spieler durchgängig Top-Leistungen abrufen", gab er dem neuen Coach Berube als Arbeitsauftrag mit auf den Weg.

Die Erwartungen an die vier frischen Kräfte sind groß. Sie sollen ihre Schützlinge ohne Umschweife auf Kurs bringen. Auf außerordentlich erfolgreiche Weise gelang dies zwei zur Saisonmitte engagierten Trainern der Pittsburgh Penguins. Sowohl Dan Bylsma 2009 als auch Mike Sullivan 2016 führten die Mannschaft zum Stanley Cup.

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