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Als Psychologe gefordert

Guy Boucher muss die Ottawa Senators vor Spiel Sechs gegen die Penguins aufrichten, wenn ein weiteres Wunder gelingen soll

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Sie tat schon extrem weh, die 0:7-Klatsche in Spiel Fünf des Eastern Conference-Finales, welche die Ottawa Senators am Sonntag in Pittsburgh gegen die dort heimischen Penguins kassierten.

Mit 2:3 geriet man so nicht nur in Rückstand in der Serie, sondern vor allem auch die Art und Weise schmerzte alle, die es mit dem Team aus der kanadischen Hauptstadt halten. Zu deutlich die Unterlegenheit, zu klar die überdeutliche Erkenntnis, dass man dem Gegner an diesem Abend in Pennsylvania in quasi allen Belangen unterlegen war.

Doch nun gilt es die Köpfe frisch aufzurichten, die Pleite, trotz all ihrer sportlichen Brutalität möglicht vollständig und rasch abzuhaken und dann mit frischem Mut in das nächste Heimspiel, das Spiel Sechs am Dienstagabend daheim in Ottawa zu gehen.

Erinnerungen wurden am Sonntag geweckt. Erinnerungen u.a. auch an die 3:7-Pleite am 22. Mai im Jahre 2013 gegen den gleichen Gegner. Auch das damals eine Niederlage, welche die Senators mit einem nahenden Aus konfrontierten. Auch damals stellte man sich bereits die Frage, ob das Team nach einer solch deutlichen Packung würde die nächsten zwei Spiele gegen diesen starken Gegner tatsächlich würde gewinnen können. "Wahrscheinlich nicht" war damals die Antwort vom damaligen Teamkapitän Daniel Alfredsson.

Ähnlich dürften sich auch die aktuellen Spieler und Betreuer der Franchise vorkommen. Glaubt wirklich noch jemanden ein kleines sportliches Wunder?

Video: OTT@PIT, Sp5: Kessel netzt Crosbys Vorlage im PP ein

Und auch am Sonntag gab es, wie damals, einen mehr als kräftigen Dämpfer für die zuvor noch so großen sportlichen Ambitionen.

Und Trainer Guy Boucher sieht sich mit nicht unerheblichem Druck konfrontiert.

"Jeder weiß doch, dass sie das besser besetzte Team sind. Sie sind schließlich auch der Titelverteidiger, das beste Team der Liga. Das ist ja kein Geheimnis" reagierte der Übungsleiter etwas schnippisch auf Medienanfragen nach dem Spiel vom Wochenende.

Und ähnlich wie auch die kurze und knappe Antwort des Kapitäns damals, teilt auch Bouchers Statement die Beobachter wieder in zwei Lager. Die einen finden es ehrlich, die Anderen zu negativ.

Wie die Betrachtung im Rückblick dann wirklich bewertet werden wird, das wird man erst nach dem Ende der Serie in Kürze sagen können.

Als unbedachter Plauderer gilt Boucher allerdings bisher nicht. Er wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Kann er seine Jungs so tatsächlich erfolgreich aufrichten, neu motivieren, ihnen die Angst vor einem erneuten Versagen nehmen?

Immerhin setzte es ja zuletzt nicht nur die Pleite in Pittsburgh, sondern auch das letzte Heimspiel wurde bekanntlich verloren. Aus einer schönen 2:1-Serienführung wurde so innerhalb weniger Tage ein bedrohlicher 2:3-Rückstand.
Und die Tordifferenz belief sich dabei auf 10:2 Treffer für den Gegner.

Bedrohlich ja auch, dass das Powerplay der Senators seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr funktioniert. Seit Tagen wird darüber gerätselt, wie es sein kann, dass man seit Spiel Zwei gegen die Rangers nicht mehr in Überzahl zum Torerfolg kommen konnte.

In Spiel Drei und Vier gegen die Rangers begann das Übel. Die New Yorker dominierten zwei Spiele, konnten die Sens mit 8:2 auch tortechnisch klar dominieren in dieser Phase. Auch damals musste man an Torhüter Craig Anderson zweifeln.

Bekanntlich gelang hier aber letztendlich dann doch noch der Umschwung, konnte man den scheinbar dominanten Gegner in der Serie am Ende noch niederringen.

Video: OTT@PIT, Sp5: Maatta per Onetimer gegen Anderson

Ähnliches wird auch diesmal von Nöten sein, wenn der Traum vom großen Finale für Ottawa am Ende tatsächlich noch Realität werden soll.

Auch in dieser Runde wurden die Jungs aus Ottawa von vielen bereits abgeschrieben. Zu früh, wie sich dann zeigen sollte. Allerdings spielte man da ja auch noch nicht gegen den amtierenden Titelverteidiger.

Damals geriet man auch im folgenden Spiel zunächst mit zwei Toren in Rückstand, dann jedoch kann die große Wende. Wer die 'Sens' also zu früh abschreibt, der könnte auch diesmal ein ähnliches Erlebnis heraufbeschwören.

Die Senators befinden sich also durchaus in eine vertrauten Situation. Dies kann der Coach natürlich für sich nutzen. Panik ist eh kein guter Berater.

"Es wird darum gehen, dass wir unsere Stärken wieder auf das Eis bekommen. Zuletzt war das leider nicht der Fall" gab sich der Trainer noch verhalten optimistisch. Und es wäre eben auch nicht das erste Mal, dass sein Team die aufkommenden Kritiker dann doch noch eines Besseren belehren kann.

Ob auch Torhüter Craig Anderson seine Nerven dann wieder besser im Griff haben wird als zuletzt, und ob auch der angeschlagene Verteidiger Erik Karlsson, der kurz vor dem Ende des Mitteldrittels in spiel Fünf dem Vernehmen nach aus reiner Vorsicht vorzeitig das Eis verließ, dann wieder vollständig genesen sein wird, das werden zwei großen Knackpunkte sein, wenn das kleine Wunder doch noch gelingen soll.

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