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Lange Wartezeit findet glückliches Ende

Torhüter Rogie Vachon half jahrelang u.a. bei der Etablierung der Los Angeles Kings, nun wird er geehrt

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Wie immer Anfang November wird die Hockey Hall of Fame auch in diesem Jahr neue Persönlichkeiten des Eishockeys in die Ruhmeshalle aufnehmen. Die Gala hierzu findet am 14. November in Toronto statt. Wir ehren die Ausgezeichneten durch eine Berichterstattung über spezielle Themen in dieser Woche.

Unter den so geehrten im Jahre 2016 ist auch der ehemalige Torhüter Rogatien "Rogie" Vachon. Vermutlich ist er längst nicht jedem hier bekannt. Und ich muss einräumen, dass auch ich erst einmal noch nähere Erkundigungen über ihn einholen musste. Dass dies in seinem Falle so ist, das zeigt schon, dass seine Karriere in den Augen vieler vielleicht doch noch etwas unterbewertet ist. Dabei hat er das Eishockeyspiel seiner Zeit durchaus geprägt, wie sich bei einem näheren Blick auf seine Karriere zeigt. Entsprechend angesehen ist er jedenfalls auch unter den Fans und Mitspielern seiner Zeit.

Vachon selber gibt übrigens an, dass Legende Gordie Howe eine nicht unerhebliche Rolle in seiner NHL-Karriere gespielt hätte.

Es war in der Saison 1966-67 als der junge Torhüter der Montreal Canadiens überraschend einen Einsatz im Spiel gegen die Detroit Red Wings erhielt und den ersten Schuss auf seinen Kasten, eben genau von diesem Gordie Howe abgefeuert, glücklicher Weise parieren konnte.

Heute erinnert sich Vachon mit einem Lächeln im Gesicht an diesen ersten parierten Torschuss: "Ich weiß gar nicht mehr ob ich überhaupt hingesehen habe, oder ob ich die Augen geschlossen hatte dabei. Jedenfalls habe ich den Puck abgewehrt. Das war am Ende wohl mitentscheidend dafür, dass ich am Ende 16 Jahre lang in der Liga gespielt habe."
Am Ende der Saison 1981-82 war dann Schluss für ihn. Nun also die Berufung in die Hockey Hall of Fame in Toronto.

Seine insgesamt am Ende 16 Jahre in der Liga verbrachte der Torhüter in erster Linie bei den Montreal Canadiens und den Los Angeles Kings. Gegen Ende seiner aktiven Zeit hatte er noch kürzere Aufenthalte bei den Boston Bruins und den Detroit Red Wings zu verzeichnen.

In den letzten Jahren war bereits mehrfach über eine Berufung in die Ruhmeshalle des Eishockeys spekuliert worden. Bisher wurde Vachon jedoch Jahr für Jahr enttäuscht. Bei der Bekanntgabe der diesjährigen Auswahl sollte sich das ändern. Im Jahre 2016 ist er nun (endlich) mit dabei.

Inzwischen ist die Aufnahme, in den Augen vieler Zeitgenossen, doch schon etwas überraschend gewesen, hatten ihn viele Mitspieler seiner aktiven Zeit im Laufe der Jahre bereits 'überholt', waren schneller berufen worden. Er selber rechnete nach eigener Aussage inzwischen auch schon nicht mehr wirklich damit.

Im Laufe seiner Karriere konnte der nur 1,70 Meter große ehemalige Aktive einen Gegentorschnitt von 2,99 verzeichnen, brachte es auf 795 NHL-Begegnungen. Er gewann die Vezina Trophy im Jahre 1967-68, wurde für die Hart Trophy 1974-75 in Erwägung gezogen. In dieser Spielzeit lag sein Gegentorschnitt bei nur 2,24, konnte er sechs Shutouts in 54 Spielen aufweisen. Es war der Höhepunkt seiner Zeit bei den Los Angeles Kings. 355 Siege stehen für ihn in den Geschichtsbüchern der NHL.

Auch aktuell noch steht er auf Rang Zwei der ewigen Bestenliste bei den Los Angeles Kings in der Kategorie Torhüter. Nur Jonathan Quick rangiert dort vor ihm.
Seine alte Trikotnummer 30 ist eine von derzeit nur sechs Trikotnummern die in Los Angeles das Hallendach im Staples Center zieren, von der Franchise nicht mehr neu vergeben werden.

Im Kanada Cup des Jahres 1976 gestattete Vachon den Gegnern nur 10 Treffer in sieben Spielen (1,44 Gegentreffer im Schnitt).

Fans der Los Angeles Kings erinnern sich heutzutage noch mit Wehmut an die Zeiten als Vachon für die Kings Mitte der 1970er-Jahre im alten Forum spielte. Er war damals das absolute Highlight in einer unterdurchschnittlich agierenden, jungen Mannschaft, welche damals noch ihre Rolle in der Liga suchte und von den Erfolgen der jüngsten Vergangenheit weit entfernt war.

Seine Reaktionsschnelligkeit, sein Positionsspiel, seine außergewöhnliche Konzentrationsfähigkeit. Das Alles ragte seinerzeit heraus. In Fan-Foren der Franchise findet man gegenwärtig noch Einträge voll des Lobes. Nicht wenige meinen, der Goalie hätte das Torhüterspiel damals auf eine neue Ebene geführt.

Vachon selber berichtete jüngst davon, dass er zusammen mit seinem Sohn daheim gewesen sei als er den Anruf von McDonals erhielt, in welchem ihm seine Berufung in die Hall of Fame mitgeteilt wurde.

"Ich war völlig überrascht, weil ich nicht einmal wusste, dass ich dort noch mit auf der Liste der potentiellen Kandidaten war. Ich werde diesen Moment niemals vergessen, der die jahrelange Warterei zu einem glücklichen Ende für mich geführt hat."

Nachdem er die ersten Jahre seiner Laufbahn in der besten Eishockeyliga der Welt bei den Montreal Canadiens verbracht hatte, wo er sich für chancenlos hielt dauerhaft am damaligen "Platzhirsch" Ken Dryden im Tor vorbeizukommen, bat er dort um einen Wechsel nach der Saison 1970-71. Letztendlich landete er dann bei den Kings in Kalifornien, wo er über die besten Jahre seiner Karriere hinweg versuchte die damals noch junge Franchise mit zu etablieren. Der lange, aber in Sachen Titelgewinn erfolglose Kampf um die Anerkennung eines jungen Teams findet mit der Berufung in die Hockey Hall of Fame im Jahre 2016 somit nun eine verdiente Anerkennung. Herzlichen Glückwunsch!

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