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Canadiens Torhunger ist nicht zu stillen

Montreal erzielte in seinen letzten zwei Heimauftritten 15 Tore, auch ohne Torjäger Galchenyuk

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Im Winter kann es kann ganz schön ungemütlich in Montreal werden. Schnee, Eis und zweistellige Minusgrade sind während der Adventszeit keine Seltenheit in der frankokanadischen Metropole. Unwägbarkeiten gibt es aber nicht nur für die Verkehrsteilnehmer in Form von eisglatten Straßen, auch im Bell Centre, wo die Montreal Canadiens ihre Heimspiele austragen, kommt immer wieder die eine oder andere Mannschaft ins Schlittern, wie der Heimbilanz des Traditionsteams leicht zu entnehmen ist (14-1-1).

In Denver, Colorado ist man Schneestürme ebenfalls gewohnt, doch was auf die Spieler der Colorado Avalanche in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Montreal hereinbrach, glich einem heftigen Blizzard mit meterhohen Schneeverwehungen. 'The Great White Hurrican', der im März 1888 weite Teile der Ostküste stilllegte, dauerte 1 1/2 Tage, die Avalanche wurden zu ihrem Glück nach 60 Minuten vom Ertönen der Schlusssirene erlöst, nachdem sie mit 10-1 Toren untergegangen waren. Es war der höchste Sieg des Traditionsteams seit dem 24. Februar 1990 als sie die Pittsburgh Penguins mit 11-1 bezwingen konnten.

Dabei hätte gestern Abend die Mannschaft von Headcoach Jared Bednar gewarnt sein müssen. Schon zwei Tage zuvor hatten die Canadiens, die in den kommenden Wochen ohne ihren verletzten Topstürmer Alex Galchenyuk auskommen müssen, vor ausverkaufter Kulisse die New Jersey Devils mit 5-2 Toren überrollt. Michel Therrien sprach nach der Begegnung von einem 'klaren Statement', das die Mannschaft abgegeben habe. Ein Statement, dass sie sich in dieser Spielzeit eben nicht, wie in der Vorsaison, vom Verletzungspech aus der Erfolgsspur werfen lassen möchten.

In der Partie gegen die völlig überforderten Avalanche sahen die über 21.000 Besucher ein homogenes Team, das von der ersten Spielminute an den Gegner unter Druck setzen konnte. Es dauerte keine Viertelstunde bis die Canadiens mit 6-0 uneinholbar in Front lagen. Laut Elias Sports Bureau waren es die schnellsten sechs Tore (13:47 Minuten) des ruhmreichen Rekord Stanley Cup Champions seit dem 10. März 1951, als sie beim 12-2 Erfolg über die Chicago Blackhawks nur 10:35 Minuten benötigten, um das halbe Dutzend voll zu machen.

Video: COL@MTL: Pacioretty trifft vier Mal gegen die Avs

Es war aber nicht nur der alles überragende Max Pacioretty, der mit vier Toren und einem Assist über sich hinauswuchs und eine persönliche Bestmarke aufstellen konnte. Mit Brian Flynn, er eröffnete das Schützenfest nach 176 Sekunden, zeichnete sich ein Spieler der Frankokanadier als zweifacher Torschütze aus, der nicht gerade als Vollstrecker bekannt ist - es waren seine ersten zwei Saisontore. Verteidiger Jeff Petry reihte sich mit seinem vierten Saisontreffer, seinem ersten Scorerpunkt seit dem 18. November, in die Riege der Torschützen ein und der 21-jährige Finne Artturi Lehkonen findet sich immer besser in seiner Wahlheimat zurecht. Drei seiner fünf Saisontore erzielte er in den letzten fünf Partien.

"Ich glaube, dass viele Leute gedacht haben, dass wir [nach den Ausfällen von Galchenyuk und David Desharnais] Probleme in der Offensive bekommen würden, doch andere sind eingesprungen und treffen jetzt", erklärte Flynn das Geschehene.

Die Boston Bruins, die am Montagabend, 7:30 pm ET, in Montreal antreten, werden sich gegen die Canadiens warm anziehen müssen, denn nicht nur das Wetter ist in der kanadischen Provinz Quebec unberechenbar.

 

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