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Tom Kühnhackl bleibt locker, spürt Anspannung

von Stefan Herget / NHL.com

Tom Kuhnhackl von den Pittsburgh Penguins steht in diesen Tagen im Fokus. Nicht nur, dass der 24-jährige Deutsche kurz vor dem größten Triumph des Eishockeys steht, ohne jemals im Herrenbereich für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen zu sein, sondern sein Name ist durch seinen Vater Erich auch in den USA ein Begriff, obwohl dieser nie in der NHL spielte.

Auf der Pressetribüne beim Stanley Cup Finale sprechen sie über ihn, wenn er auf dem Eis eine gute Aktion zeigt, so wie in Spiel 4 am Montag, als er sich im zweiten Drittel den Puck schnappte, trocken abzog und das Spielgerät an den Pfosten klatschte. Fast hätte Kühnhackl in der 24. Minute das 3-0 für Pittsburgh erzielt, obwohl seine eigentliche Aufgabe darin liegt, die gegnerische Topreihe zu bearbeiten.

Barry Melrose, selbst ehemals Spieler und Trainer in der NHL und heute Analyst auf vielen Fernsehkanälen, u. a. bei ESPN, lässt sich bei besagter Szene ein "oh, das war Kühnhackl, ein toller Junge, da haben die Deutschen wieder ein großes Talent" zu seinen Kollegen entlocken.

Beim Training am Sonntag vor Spiel 4 des Stanley Cup Finales gegen die San Jose Sharks und am Mittwoch vor Spiel 5, geht Kühnhackl als einer der Letzten vom Eis. Zuvor sammelt er noch gemütlich die Pucks ein und überlässt das nicht den Ersatzspielern, wie er das als einer, der im Kader steht und spielt tun könnte.

Der aus Landshut stammende Bayer ist ein bodenständiger und lockerer Typ und ist es auch trotz seines Erfolges geblieben. Seine Aufräumaktion hat aber auch andere Gründe. "Jetzt ist endlich Platz in der Kabine", sagte er am Sonntag darauf anspielend, dass der erste Pressetrubel bereits abgeklungen ist, weil die Stars bereits schon länger draußen waren und die Meute bediente.

Trotzdem wird er von noch einer amerikanischen Kollegin einer Pittsburgher Zeitung erwartet und beantwortet so gleich geduldig im perfekten Englisch ihre Fragen. "Du schon wieder, den wird man nicht los", scherzt er in Richtung des Kameramannes von NHL.com, der die Videos für NHL.com/de produziert. Es geht lässig zu in der Kabine. Trotzdem beantwortet er jede Frage, die auf Englisch gestellt wird, sehr ausführlich in Deutsch.

"Endlich kann ich mal gescheit Deutsch mit jemand reden", sagt er lachend als ich an die Reihe komme. Zwei aus dem Freistaat Bayern (streng genommen bin ich ein Franke) sozusagen unter sich.

Kühnhackl wäre der dritte Deutsche, der den Stanley Cup gewinnen könnte, wenn der entscheidende vierte Sieg noch gelingen würde, aber auch der erste aus dem klassischen Eishockey Bundesland Bayern. Uwe Krupp, Sieger 1996 mit den Colorado Avalanche, kommt aus Köln und Dennis Seidenberg, 2011 mit den Boston Bruins, ist ein gebürtiger Schwarzwälder, also aus Baden-Württemberg.

"Daran will ich noch gar nicht denken, weil dann mache ich mir zu viele Gedanken", sagte Kühnhackl locker, als ich ihn darauf anspreche, ob er denn den Stanley Cup nach Deutschland bringen wird. Jeder Spieler bekommt nämlich die Trophäe für einen Tag zur Verfügung und der Cupkeeper liefert, egal wohin. So ist es Tradition. Er würde sich sicher freuen, denn in Deutschland war er zumindest beruflich noch nicht.

Trotz aller Lockerheit gibt Kühnhackl zu, dass die Tage momentan sehr belastend für ihn sind. Er hätte die letzten Tage nicht gut geschlafen, betonte er und verdeutlicht, welche nervliche Belastung ein solches Event in einem Spieler hervorruft. Er weiß, dass er mit dem Triumph dem Namen Kühnhackl endgültig die Krone des deutschen Eishockeys aufsetzen kann.

Und wann folgt das Debüt von Kühnhackl in der Nationalmannschaft unter seinem Idol und jetzigen Trainer Marco Sturm. "Immer wenn in der Nationalmannschaft etwas los war, war ich hier in Nordamerika in den Playoffs und habe noch gespielt", erzählt er, warum er außer im Juniorenbereich noch nie für Deutschland aufgelaufen sei.

"Mit Marco Sturm hatte ich Anfang des Jahres mal länger gesprochen und er hatte mich nach meiner Bereitschaft gefragt, für Deutschland zu spielen", verdeutlicht er und gibt auch seine Antwort bekannt: "Natürlich wäre es eine Ehre für mich für mein Land zu spielen". Wenn nicht wieder die Playoffs dazwischen gekommen wären, in diesem Fall Gott sei Dank für ihn.

Eine neue Chance gibt es beim wichtigen Olympia-Qualifikationsturnier vom 1. bis 4. September in der lettischen Hauptstadt Riga. "Wenn sie mich brauchen, wäre ich dabei", sagte er selbstbewusst. Vielleicht kommt er dann nach nur fünf Monaten NHL als Stanley Cup Sieger. Etwas, was Sturm in 15 Jahren nicht geschafft hat.

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