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Verletzungspech als Chance für Meier

Der 23-jährige Stürmer der Sharks wird nach dem Ausfall von Couture und Hertl noch mehr Verantwortung übertragen bekommen

von Bernd Rösch @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Meier zieht zum Tor

SJS@ARI: Meier schließt tolle Aktion mit einem Tor ab

Nachdem Aaron Dell gegen Clayton Keller gerettet hat, machen sich die Sharks auf den Weg und Timo Meier gleicht zum 2:2 aus.

  • 00:38 •

Kaum läuft einmal etwas zusammen, kommt umgehend wieder Pech hinzu. Seit Saisonbeginn müssen die San Jose Sharks mit Widrigkeiten kämpfen, mit selbstverschuldeten und mit welchen, die nicht in ihrer Macht standen, wie zuletzt im heimischen SAP Center beim Spiel gegen die Vancouver Canucks am Mittwoch dieser Woche. Die Nordkalifornier hatten im Januar wenigstens auf eigenem Eis annähernd zu ihrer alten Stärke gefunden und ihre Serie von drei Heimsiegen hätten sie gerne gegen den Tabellenersten der Western Conference fortgesetzt. 

Zunächst lief alles nach Plan für die Truppe von Trainer Bob Boughner: Es waren gerade einmal vier Minuten gespielt, als Tomas Hertl von der rechten Bande die Scheibe quer zu Timo Meier passte und dieser von oberhalb des linken Bullykreises abzog. Vancouvers Schlussmann Jacob Markstrom wehrte Meiers Gewaltschuss nach links vorne ab und Hertl ließ sich beim Rebound nicht zweimal bitten - 1:0!

Der Jubel war kaum verhallt, als es totenstill im weiten Rund wurde. 122 Sekunden nachdem der gebürtige Prager seine neun Partien währende Torflaute beendet hatte, kam er zu seiner nächsten großen Chance. Verfolgt von den Verteidigern Quinn Hughes und Christopher Tanev lief Hertl auf Markstrom zu, die beiden Spieler der Canucks rannten sich beim Abwehrversuch gegenseitig über den Haufen und Tanev rutschte unglücklich in die Beine des an der hinteren Bande stehenden Hertl. Mit schmerverzerrtem Gesicht blieb der 26-jährige Center auf dem Eis liegen. Die Diagnose für den torgefährlichsten Stürmer der Sharks (16 Tore, 20 Assists) und ihrem Vertreter beim NHL All-Star Game am vergangenen Samstag lautet Kreuzbandriss und medialer Kollateralbandriss im linken Knie. Er wird den Sharks in der laufenden Saison nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

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"So etwas sieht man nicht gerne. Er hat in letzter Zeit gut für uns gespielt. Er ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft, besonders da [Logan Couture] nicht dabei ist", zeigte sich Sharks-Verteidiger Erik Karlsson geschockt.

Bereits seit dem 8. Januar müssen die Sharks ohne ihren besten Scorer und Kapitän Logan Couture auskommen. Der 30-jährige Teamleader führte vor seinem Knöchelbruch am linken Fuß die teaminterne Scorerwertung mit 36 Punkten (14 Tore, 22 Assists) an. Eine Hiobsbotschaft folgt der nächsten in San Jose.

Stürmer Barclay Goodrow übt sich derweil in Zweckoptimismus: "Er [Hertl] ist für unser Team so wichtig. Aber damit kämpfen wir schon das ganze Jahr über. Wenn ein Mann ausfällt, dann muss ein anderer nachrücken."

Auch Meier wird dazu gezwungen sein, noch öfters dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, als es ihm zuletzt geglückt ist. Vermutlich wird zunächst Goodrow die Center-Position in der ersten Angriffsformation zwischen Meier und Evander Kane einnehmen und der zweite Sturm aus den Veteranen Joe Thornton und Patrick Marleau sowie dem 24-jährigen Rechtsaußen Kevin Labanc bestehen. Sollte es Meier gelingen, der auf ihn zukommenden Verantwortung gerecht zu werden, wäre das für ihn der nächste Schritt zu einer großartigen NHL-Karriere.

Mit seinen 32 Punkten (16 Tore, 16 Assists) nach 52 Partien liegt der Herisauer weit hinter den 66 Punkten, die er in der vergangenen Saison in 78 Spielen erzielt hat. Doch wer im Haifischbecken der Sharks musste sich nicht in dieser Saison mit kleineren Fischen begnügen? 

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Ihre Playoff-Ambitionen werden die Sharks wohl oder übel begraben müssen. Keine Playoff-Partien in der Bay Area sind fast unvorstellbar. In den 19 Spielzeiten seit der Jahrhundertwende verpasste San Jose nur zweimal die Runde der besten 16 (2002/03, 2014/15), mit entsprechend hohen Erwartungen waren sie in die laufende Spielzeit gestartet, und sie sahen sich als heißer Kandidat auf den Gewinn des Stanley Cups nachdem bereits vor knapp zwei Jahren General Manager Doug Wilson auf dem Transfermarkt kräftig geräubert hatte.

Die Realität ist jedoch der drittletzte Tabellenplatz in der Western Conference; die Statistik spuckt aus, dass ihr Rückstand auf die zweite Wildcard neun Punkte bei noch 30 ausstehenden Spielen beträgt. 

Es ist durchaus möglich, dass Wilson bei der anstehenden Trading-Deadline zu jenen Managern zählen wird, die lieber im Tausch gegen junge Talente Spieler abgeben, denn verpflichten.

Meier, der sein Arbeitspapier bei den Sharks erst im Juli 2019 um vier Jahre für ein durchschnittliches Jahressalär von 6 Millionen US-Dollar verlängert hat, kann nun beweisen, dass er für einen Neuaufbau in San Jose unverzichtbar ist.

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