Skip to main content

Tarasenko wartet auf seinen nächsten Treffer

von Bernd Roesch / NHL.com



Als die St. Louis Blues beim NHL Draft 2010 am Zuge waren, entschieden sie sich für einen jungen russischen Außenstürmer, der schon im zarten Alter von 17 Jahren in der russischen ersten Liga (KHL) bei Novosibirsk auf sich aufmerksam gemacht hatte - seine Name lautet Vladimir Tarasenko. In seiner zweiten Profisaison 2009/10 waren ihm 13 Treffer und elf Assists in 42 Partien gelungen. Der junge Rechtsaußen mit dem spitzbübischen Blick steigerte seine Ausbeute über die nachfolgenden drei Spielzeiten in der KHL bis zur Saison 2012/13 auf 32 Scorerpunkte in 31 Spielen für St. Petersburg. 1,03 Punkte pro Spiel sind eine Ansage und Tarasenko entschied sich noch im gleichen Jahr erneut dem Ruf der Blues zu folgen, bei denen er schon im Sommer 2012 einen 3-Jahres Einstiegsvertrag unterzeichnet hatte.

Für St. Louis erwies sich der flinke Außenstürmer als Glücksgriff. Bereits in seinem ersten NHL-Jahr gelangen ihm acht Tore und elf Vorlagen in 38 Partien, was einer durchschnittlichen Punktausbeute von 0,50 pro Spiel entsprach. Seinen ersten großen sportlichen Rückschlag musste das aus Yaroslavl stammende Eishockeytalent bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit der russischen Nationalmannschaft wegstecken.

Die Sbornaja zählte zu den Mitfavoriten auf Gold und schied bereits im Viertelfinale gegen Finnland mit 1-3 Toren aus. Damals zählte Tarasenko noch nicht zu den Leistungsträgern der Russen, so dass ihm keine Schuld für das frühe Aus traf. Er brachte es bei diesem Turnier jedoch nur auf einen Assist in fünf Partien.

Zeigte Tarasenko Nerven in einer Situation, in der es darauf ankommt sein ganzes Potenzial abzurufen?

Bei den Blues entwickelte sich der 1,84 m Große und 99 kg auf die Waage bringende Stürmer zu einem Topscorer, wie ihn sich jede Mannschaft wünscht. Die vergangenen zwei regulären Spielzeiten schloss Tarasenko mit 37 und 40 Toren sowie 73 und 74 Scorerpunkten als bester Torschütze und bester Scorer der Blues ab.

Auch in den Stanley Cup Playoffs 2016 konnte Tarasenko schon auf sich aufmerksam machen. In den ersten zwei Playoffrunden gegen die Chicago Blackhawks und die Dallas Stars, die jeweils über sieben Spiele gingen, steuerte der mittlerweile 24-Jährige sieben Tore und sechs Assists dem Weiterkommen der Blues bei.

Von wegen er kann mit Stresssituationen nicht umgehen!

Ein gänzlich anderer Tarasenko präsentiert sich im Western Conference Finale gegen die San Jose Sharks. Die Blues liegen nach ihrer 3-6 Heimniederlage vom Montag in der Serie mit 2-3 im Hintertreffen und von ihrem begabten Außenstürmer war wenig Produktives zu sehen. Einen Torschuss hatte er in Spiel 5 auf das von Martin Jones gehütete Gehäuse der Kalifornier abgeben können und er blieb erneut tor- und punktlos. Seinen letzten Treffer hatte Tarasenko in Spiel 7 gegen Dallas feiern können - in den fünf Partien gegen die Sharks ist er nur noch ein Schatten seiner selbst.

Blues Trainer Ken Hitchcock ist sich dem bewusst, blickt aber optimistisch nach vorne: "Er hat seine liebe Mühe in dieser Serie. Er brachte in der Offensive wenig zustande und ist nicht so produktiv, wie er es normalerweise ist. Aber er ist auch nur einen Shift davon entfernt wieder zu treffen und zu seiner alten Effektivität zurückzufinden."

Für Hitchcock ist es nichts Neues, dass Stürmer manchmal durch ein solches Tal schreiten müssen. Tarasenko ist nicht der erste Spieler dem das passiert.

"Ihm geht es wie allen Torjägern, wenn sie nicht treffen, dann macht sich Frustration breit. Es ist meine Aufgabe, soweit es in meiner Kraft steht, diesen Frustrationslevel zu senken und zu beheben", meint Hitchcock.

In den vergangenen drei Spielen gegen San Jose wurde Tarasenko 77 Mal aufs Eis geschickt, er kam auf insgesamt 54:58 Minuten Eiszeit und suchte dabei nur viermal den Torabschluss. Ihm zu Gute halten muss man aber auch, dass die Sharks im Wissen seiner Torgefährlichkeit ein ganz besonderes Auge auf ihn geworfen haben und ihm das Leben besonders schwer machen.

Dieses Argument lässt der junge Russe erst gar nicht gelten: "Ich bin der Meinung alle Teams machen es einem schwer. Es ist wichtig im Spiel zu bleiben und hart zu arbeiten. Tore und Punkte kommen dann von selbst. Wenn wir gewinnen, denn wir sind alle auf der gleichen Wellenlänge, dann hat jeder von uns das Richtige gemacht."

Man gewinnt aufgrund seiner Aussagen den Eindruck, dass sich Tarasenko nicht so sehr um seine Treffsicherheit Sorgen macht, wie einige Außenstehende.

"Manchmal triffst du und manchmal eben nicht", sagte er am Montag und fügte hinzu: "Du kannst nicht in jedem Spiel ein Tor schießen, du musst deiner Mannschaft auch anders helfen. Ich versuche ein Faktor für das Team zu sein. Ich glaube schon, dass auch die Tore wieder kommen, wenn ich nicht zu sehr darüber nachdenke."

Vielleicht ist das ja schon am Mittwoch der Fall, wenn die Blues zu Spiel 6 des Western Conference Finales im SAP Center von San Jose antreten und unbedingt gewinnen müssen, damit nicht ihr Traum von einer Stanley Cup Finalteilnahme vorzeitig zerplatzt.

Mehr anzeigen