Skip to main content

Talentschmiede Zürich

von Bernd Roesch / NHL.com

Die National Hockey League ist das A & O. In der Liga spielen die Besten der Besten eines Sports, der stolz darauf ist herausragende Einzelleistungen mit einem gemeinsamen Erfolg verbinden zu können: Dem Streben nach der am schwierigsten in einem Profisport zu erringenden Trophäe - Lord Stanley’s Cup. Obwohl die NHL das ultimative Ziel für alle Eishockeyspieler ist, können nicht alle in ihr spielen. In der Eishockeywelt gibt es mehrere Profi-Ligen, die viele hochkarätige Talente vorzuweisen haben. In diesen Ligen gibt es Spieler aus der ganzen Welt, die sich ihren Weg zu Eishockey-Ehren ebnen. NHL.com/de nimmt Dich mit auf deren Reise durch exklusive Berichte über Spieler, Trends und Neuigkeiten in der Rubrik "Internationales Eis".

Am vergangenen Dienstag hat das NHL Central Scouting Büro eine Aufstellung mit Nachwuchsspielern herausgegeben, die zu beobachten es sich lohnen sollte. Gruppiert wurden die Junioren nach drei Leistungskategorien: A - Kandidat für die erste Draftrunde, B - Kandidat für die 2. und 3. Draftrunde C - Kandidat für die 4., 5. und 6. Runde.

128 Spieler der 396 Talente umfassenden Liste betreiben ihren Sport auf dem europäischen Kontinent. Das größte Kontingent stellen die schwedischen Ligen mit 47 Spielern, gefolgt von den russischen Ligen (32). Erfreulicherweise sind auch mit Lukas Kalble (Mannheim) und Tobias Eder (Bad Tölz/München) zwei deutsche Nachwuchshoffnungen, sowie zehn Spieler, die in der Schweiz spielen, mit aufgeführt. Auch der als Nummer 1 Draft Pick gehandelte Auston Matthews versucht über die Schweizer Nationalliga A seinen Weg in die NHL zu machen.

Als eine wahre Talentschmiede kristallisieren sich wieder einmal die ZSC Lions heraus. Der Züricher Cheftrainer Marc Crawford, der schon viele Erfolge in der NHL feiern konnte, verfügt über einen sehr guten Ruf und weiß wie man begabte Nachwuchsspieler weiterentwickelt.

Matthews ist in aller Munde, doch mit Pius Suter haben die Lions noch einen zweiten jungen Spieler im Kader, der, nachdem er im vergangenen Frühjahr beim NHL Draft 2015 noch übergangen wurde, sich für den NHL Draft 2016 empfehlen möchte. Aus Sicht einiger NHL-Scouts war der schmächtige Körperbau des damals 18-Jährigen das größte Manko. Von wegen, mindestens 1,85m sollten es schon sein und ein Gewicht von 90kg, selbstverständlich reine Muskelmasse, wären auch nicht schlecht. Es gibt viele Beispiele aus der Vergangenheit, dass sich auch kleinere Spieler in der NHL durchsetzen können. Körpermasse ersetzt nämlich noch lange nicht den unbedingten Willen, den ein Eishockeyspieler braucht, um voranzukommen. Den Mut haben in einen Zweikampf zu gehen, gegenhalten und wegstecken können, hat ebenfalls nichts mit physischer Größe zu tun. Pius Suter verfügt über alle Eigenschaften, die einen guten Eishockeyspieler ausmachen und hat sich auch aus diesem Grund in der laufenden Saison einen Stammplatz beim Tabellenführer der Schweizer Liga erkämpft.

Mittlerweile, nach 23 Saisonpartien, hat der flexibel einsetzbare Stürmer schon sechs Tore sowie sieben Assists auf seinem Konto und ist damit fünftbester Angreifer der Lions.

Seinen ganz großen Auftritt hatte Suter vor knapp 14 Tagen im Spitzenspiel gegen den EV Zug: In dieser hochinteressanten und unterhaltsamen Partie mit wechselnden Führungen steckte er beim Stande von 3-3 zunächst einen harten Check in die Bande weg, um nur wenig später den Rebound zur 4-3 Führung zu besorgen. Bereits bei zwei Treffern zuvor, von Mike Kuenzle und Ryan Shannon, war Suter als Vorbereiter in Erscheinung getreten. Suter erntete nach der Begegnung zu Recht viel Lob in der heimischen Presse. Der Tagesspiegel sprach davon, dass er "überall zu finden war" und "permanent für Unruhe in der Zuger Abwehr" gesorgt habe.

Man würde Suter Unrecht tun, wenn man seine Chancen gedraftet zu werden, nur darauf zurückführe, dass sich momentan die NHL-Scouts wegen Matthews in Zürich die Klinke in die Hand geben und dadurch auf den Schweizer aufmerksam würden.

Suter hat auch schon in den vergangenen zwei Jahren, als er für die Guelph Storms in der Ontario Hockey League auf Torejagd gegangen war, beeindrucken können. Die Spielzeit 2014/15 beendete er mit 43 Toren und 29 Assists in 61 Partien als einer der besten Angreifer in der OHL.

Die Rückkehr in seine Schweizer Heimat war sicherlich die richtige Entscheidung. Hier kann er beweisen, dass er sich auch gegen körperlich stärkere und ältere, erfahrenere Eishockeycracks durchsetzen kann. Für ihn ist der Zug NHL noch lange nicht abgefahren. Er wäre nicht der erste Schweizer, der ohne Umweg nordamerikanische Juniorliga, direkt aus der heimischen NLA den Ruf nach Übersee bekommt. Das Zeug dazu hat er allemal und neben seinem Trainer werden ihm auch seine nhl-erfahrenen Teamkollegen, wie ein Marc-Andre Bergeron (490 NHL-Spiele), Ryan Shannon (305 Sp.), Dan Fritsche (256 Sp.) oder Robert Nilsson (252 Sp.) genügend Tipps geben können, wie er sich diesen Traum verwirklichen kann.

Mehr anzeigen