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Bärtschi lässt sich nicht aus der Bahn werfen

Person of Interest: Der Angreifer der Vancouver Canucks ist nach seiner Gehirnerschütterung wieder ganz der Alte

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

In der Rubrik "Person of Interest" widmet NHL.com/de jeden Dienstag einem Spieler oder einer anderen Persönlichkeit aus der NHL-Familie eine Story abseits des aktuellen Tagesgeschehens.

In dieser Ausgabe: Sven Bärtschi (Vancouver Canucks)

Anders als in den vergangenen Jahren üblich, hatte Sven Bärtschi seiner Schweizer Heimat im Sommer keinen Besuch abgestattet. Dafür gab es einen triftigen Grund. Im Juli heiratete er in Portland seine amerikanische Freundin Laura. Dem privaten folgte das das sportliche Glück. Frei von körperlichen Beschwerden, mit denen sich der 26 Jahre alte gebürtige Berner in seiner Karriere schon häufiger herumplagen musste, startete er ins Trainingscamp und in die neue Saison.

Gleich zu Beginn der Hauptrunde 2018/19 ließ der Angreifer seine Scorerqualitäten aufblitzen. Im Match bei den Carolina Hurricanes am dritten Spieltag war er an allen drei Treffern seiner Mannschaft beteiligt. Zwei Tore schoss er selbst, ein weiteres bereitete er vor. Auch in den folgenden Partien zählte er zu den Aktivposten in Vancouvers Offensive.

 

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Beim Auswärtsspiel am 24. Oktober gegen die Vegas Golden Knights geschah dann das Unheil: Nach einem heftigen Zusammenprall mit einem gegnerischen Spieler blieb Bärtschi benommen liegen. Er rappelte sich auf, setzte sich auf die Bande und fasste sich an die Schläfe. Bereits zu diesem Zeitpunkt dürfte der geahnt haben, dass etwas nicht stimmte. Zweimal kehrte der Canucks-Stürmer kurz aufs Eis zurück, bevor er endgültig aufgab. Nach eingehender Untersuchung stand die Diagnose fest: Gehirnerschütterung. Es folgte eine Pause von über zwei Monaten.

"Das war eine harte Zeit. Anfangs fühlte ich mich überhaupt nicht gut. Ich hatte Kopfschmerzen und Probleme mit dem Nacken und dem Rücken. Erst nach zwei, drei Wochen ging es mir langsam besser", sagte Bärtschi im Gespräch mit NHL.com/de. "Mir war aber von vornherein klar, dass es eine Weile dauern kann. Das ist bei Gehirnerschütterungen einfach so. Ich wollte auf jeden Fall sichergehen, dass ich hundertprozentig fit bin. Deswegen war es wichtig, nichts zu überstürzen und mir die Ruhe zu gönnen, die ich gebraucht habe", fügte er hinzu.

Video: ARI@VAN: Baertschi umspielt Verteidiger und trifft

Es war nicht das erste Mal in seiner Laufbahn, dass ihn eine schwere Verletzung außer Gefecht setzte. In der zurückliegenden Saison laborierte Bärtschi an einem Kieferbruch, die Runde davor machte ihm eine Blessur an der Schulter mächtig Ärger. Wie bei all den Rückschlägen in der Vergangenheit, ließ er sich auch diesmal nicht entmutigen. "Wichtig ist, dass man in diesen Situationen mental stark bleibt. Enorm geholfen hat mir zudem wie immer die Unterstützung durch meine Familie", betonte er.

Mitte Dezember stieg Bärtschi wieder ins Training ein. "Es hat ein wenig gedauert, bis ich meinen Rhythmus gefunden hatte. Das ist auch völlig normal nach einer langen Pause. Aber mit jeder Einheit lief es besser. Ich habe versucht, das Tempo hochzuhalten und auf ein gutes Niveau zu kommen", beschrieb er die Vorbereitung auf das langersehnte Comeback.

 

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Nachdem er die letzten Härtetests erfolgreich bestanden hatte, kehrte er am 29. Dezember in der Partie bei den Calgary Flames erstmals wieder unter Wettbewerbsbedingungen aufs Eis zurück. Beim Auftritt im Scotiabank Saddledome machte Bärtschi da weiter, wo er vor seinem Ausfall aufgehört hatte. In der fünften Spielminute leitete er im Powerplay den Führungstreffer von Brock Boeser ein. Am Ende zwangen die Canucks ihren kanadischen Rivalen mit 3:2 nach Verlängerung in die Knie und schenkten ihrem Teamkollegen bei dessen Rückkehr einen Sieg. "Ich fand es toll, der Mannschaft gleich mit einem Assist helfen zu können", sagte er über seinem gelungenen Einstieg.

Noch besser lief es für den Linksaußen am 2. Januar im Duell mit den Ottawa Senators, als er mit einem Tor und einer Vorlage gleich zwei Scorerpunkte verbuchte. Mit seinem Doppelpack gegen die Arizona Coyotes am 10. Januar stellte Bärtschi endgültig unter Beweis, dass er wieder ganz der Alte ist. "Mit meinen Leistungen bin ich wirklich sehr zufrieden. Ich fühle mich gut und bin schnell auf den Beinen. Jetzt muss ich einfach so weitermachen und mein Bestes geben", lautete sein Fazit nach den ersten beiden Wochen seit dem Comeback.

Video: ARI@VAN: Bärtschi schießt sein zweites Tor im Spiel

Bei seinem Klub hat sich Bärtschi längst zu einem wichtigen Faktor in der Offensive gemausert. Seit seinem Wechsel von den Flames im März 2015 bestritt er 210 Einsätze in der regulären Saison für die Canucks und erzielte 105 Scorerpunkte. In den drei vollen Spielzeiten, die er in Vancouver vorzuweisen hat, verzeichnete er nie weniger als 28 Scorerpunkte. Ohne die langwierigen Verletzungen wäre die Bilanz mit Sicherheit noch eindrucksvoller ausgefallen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Bärtschi sich nichts sehnlicher wünscht, als in Zukunft gesund zu bleiben. "Das ist mein oberstes Ziel. Ich werde sicher ein paar Extraschichten im Kraftraum einlegen, um so fit wie möglich zu bleiben. Natürlich kann im Eishockey immer mal etwas passieren. Aber wenn man auf seinen Körper achtet, schützt das schon ein Stück weit vor Verletzungen."

Für die verbleibenden Begegnungen in der Hauptrunde hat sich der Schweizer viel vorgenommen. Die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs über eine der zwei Wildcards in der Western Conference sieht er als durchaus realistische Option an. "Im Januar haben wir noch einige Heimspiele. Da müssen wir so viele Punkte wie möglich sammeln. Wenn uns das gelingt, liegen wir sicherlich gut im Rennen", zeigte sich Bärtschi überzeugt.

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