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Jeder Angreifer hat seine Schokoladenseite

Im modernen Eishockey sollte jeder Stürmer die Position einnehmen, auf der er dem Team am meisten hilft

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Er kommt über links, zieht ab und trifft. Er kommt über rechts und hämmert nach einer Körpertäuschung den Puck ins Tor. Er leitet über die Mitte den Angriff ein, spielt vielleicht Doppelpass oder lässt gleich zwei Mann stehen und die schwarze Hartgummischeibe zappelt im Netz. Welchen Posten Alex Ovechkin, der momentan erfolgreichste NHL-Torschütze mit 28 Treffern, bei einem unterklassigen Team auch einnehmen würde, mit seinen überragenden technischen Fähigkeiten wäre er allen Gegnern und Mitspielern so weit überlegen, dass er überall eingesetzt werden und seiner Mannschaft zu einem Sieg verhelfen könnte.

Etwas anders gestaltet sich die Ausgangssituation, sobald auch die Teamkollegen und Kontrahenten auf einem ähnlich hohen spielerischen Niveau agieren. Bei einer solchen Leistungsdichte, wie sie in der NHL vorherrscht, kann die richtige Wahl der Position entscheidend für Sieg oder Niederlage sein. Jeder Spieler hat ein bevorzugtes Betätigungsfeld auf dem Eis. Nun obliegt es den Trainern festzustellen, ob dieses einhergeht mit ihrer Vorstellung, wie er ihrer Mannschaft maximal dienlich sein könnte.

Auch die Schlägerhaltung des Aktiven spielt bei der Wahl keine geringe Rolle. In der laufenden Saison kamen insgesamt 530 Stürmer zum Einsatz, von ihnen schießen 62,8 Prozent links und 37,2 Prozent rechts. Überproportional groß ist der Anteil der Rechtsschützen (71,3 Prozent) bei den Rechtsaußen und der Linksschützen (87,8 Prozent) bei jenen Stürmern, die meist von der linken Außenbahn kommen. Ovechkin ist nur einer von 19 Linksaußen in der Liga, die ihren Schläger rechts halten - ein Ausnahmeathlet eben, in jeder Beziehung. Zu diesem illustren Kreis gehören auch ein Filip Forsberg von den Nashville Predators und der Österreicher Thomas Vanek von den Vancouver Canucks.

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Annähernd die Hälfte der NHL-Stürmer (46,2 Prozent) sind ausgewiesene Center. Ein Teil von ihnen ist schon rein rechnerisch dazu verdammt eine Außenposition einzunehmen. Wer würde es nicht einem Claude Giroux, einem John Tavares oder einem Steven Stamkos zutrauen, auch als Flügelstürmer Akzente setzen zu können? Als Spielführer und Gestalter sind sie aber den Philadelphia Flyers, New York Islanders und Tampa Bay Lightning wesentlich dienlicher. Es sind selten die ganz großen Namen, die flexibel sein müssen, sondern eher die nachrückende Generation. Ein Leon Draisaitl spielte lange Zeit an der Seite von Connor McDavid und machte dabei eine ebenso gute Figur wie als Center im zweiten oder dritten Sturm der Edmonton Oilers.

 

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Im modernen Eishockey muss jeder Spieler jede Position einnehmen können. Zum einen zwingen Verletzungen, Sperren oder Formtiefs einen Headcoach dazu, Veränderungen im Kader vorzunehmen, zum anderen möchte er durch Umstellungen versuchen, dass ein Ruck durch seine Mannschaft geht, sollte sie zuletzt weniger erfolgreich aufgetreten sein. Wohl jenem Coach, der nicht Persönlichkeiten in seinem Kader weiß, die einen anderen Posten einnehmen können, sondern auch gewillt sind diesen auszufüllen, obwohl sie sich dann nicht von ihrer vermeintlichen Schokoladenseite zeigen können.

Video: BOS@MTL: Galchenyuk bei Überzahl zu seinem 100.

Montreal Canadiens Topscorer Alex Galchenyuk agiert als Linksaußen, obwohl er sich selbst als Center sieht. Er machte in der Vergangenheit keinen Hehl daraus, dass er mit dieser Entscheidung von Cheftrainer Claude Julien nicht einverstanden war. Galchenyuks Torausbeute ging von 30 Treffern in 82 Spielen der Saison 2015/16 auf elf in der aktuellen Spielzeit zurück. Julien begründete seine Entscheidung mit dem mangelhaften Defensivverhalten des 23-jährigen US-Amerikaners.

Es gibt sie aber auch, jene begnadeten Eishockeyspieler, die immer ihr ganzes Können abrufen, egal wohin sie der Trainer stellt. Evgeni Malkin ist ein solcher. Ob als Center in der zweiten Reihe oder als kongenialer Partner seines Teamkapitäns Sidney Crosby im ersten Sturm, der 31-Jährige hat während der zwölf Jahre in Pittsburgh stets bewiesen, dass er nichts an Qualität verliert und immer sein Bestes gibt, unabhängig davon, was von ihm gefordert wird.

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