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Strategen und Siegergene

von Bernd Roesch / NHL.com

Mit den Chicago Blackhawks und den Los Angeles Kings treffen im Western Conference Finale zwei Mannschaften aufeinander, die in den vergangenen fünf Jahren in den Playoffs ungemein präsent waren und es noch sind, nachdem sie zuvor in den Niederungen der der Western Conference gewesen waren. Die Blackhawks lagen ab Ende der 90er Jahre fast eine Dekade am Boden, beendeten jede reguläre Spielzeit im Tabellenkeller und verpassten regelmäßig die Playoffs, mit einer Ausnahme in der Saison 2001/02. Nachdem Joel Quenneville im Oktober 2008 als Headcoach die Verantwortung für die sportlichen Geschicke bei dem Traditionsteam übernommen hatte und die Aufbauarbeit, welche sein Vorgänger im Traineramt, Denis Savard, zweifellos seit der Saison 2005/06 geleistet hatte, fortsetzen konnte, wendete sich für die Blackhawks vieles zum Guten. Noch im gleichen Jahr zogen die Hawks in das Conference Finale ein, wo sie sich ihrem Erzfeind aus Detroit geschlagen geben mussten. Im darauffolgenden Frühjahr brachten sie nach 49 Jahren erstmals wieder den Cup nach Chicago. Drei Jahre später konnten sie den Titelgewinn wiederholen und sind nun dicht daran diesen auch verteidigen zu können. In den Jahren 1997 und 1998 waren die Detroit Red Wings der letzte Titelträger dem das gelungen ist. Sollte Quenneville das schaffen, dann kann man durchaus davon sprechen, dass er in der Windy City eine Dynastie aufgebaut hat, die an alte Zeiten erinnert, wie jene Anfang der 60er Jahre, als die Hawks von 1961 bis 1965 dreimal im Stanley Cup Finale gestanden waren.

Quenneville ist mit seiner Erfahrung, zunächst bis 1996 als Assistent bei den Avalanche und anschließend als Headcoach bei den Blues und danach erneut bei den Avalanche, ein Stratege und Taktiker par excellence. Zu sehen war das auch vorgestern beim ersten Aufeinandertreffen mit den Kaliforniern im heimischen United Center. Im Vergleich zum Vorjahr, als beide Mannschaften ebenfalls im Conference Finale des Westens aufeinandergetroffen waren und welches die Blackhawks relativ klar in fünf Spielen für sich entschieden hatten, sind die Kings deutlich unberechenbarer geworden. Ihr Kader ist in der Tiefe stärker und es ist nicht mehr nur ihre erste Sturmformation um Anze Kopitar die Gefahr ausstrahlt. So entschied sich Quenneville dazu seine Topverteidiger Duncan Keith und Brent Seabrook hauptsächlich gegen die dritte und zweite Sturmreihe der Kings aufs Eis zu schicken. Den Part die Kopitar-Reihe in Schach zu halten übernahmen Hjalmarsson sowie Oduya. Verstärkung bekamen sie von ihrer ersten Sturmformation um Jonathan Toews, die, wann immer es möglich war, gegen die erste Reihe der Kalifornier aufs Eis geschickt wurde und dabei viel Defensivarbeit verrichten musste. Quennevilles Konzept ging in Spiel 1 auf! Weder Kopitar noch Marian Gaborik konnten sich entscheidend durchsetzen. Gefährlicher erwies sich jedoch die zweite Sturmformation um Center Jeff Carter, die sich auch für das zwischenzeitliche Ausgleichstor durch Tyler Toffoli verantwortlich zeichnete. Kurz zuvor hatte Toews den vermeintlichen Treffer zur 2-0 Führung der Hausherren erzielt, welcher jedoch wegen Torwatbehinderung nicht gegeben wurde. Selbst von zwei solchen Rückschlägen ließen sich die Blackhawks nach einer kurzen Phase, in der sie die Kontrolle über das Spiel verloren hatten, nicht aus dem Konzept bringen. Sie blieben ihrer defensiven Linie treu, blockten so viele Schüsse wie nur möglich und behielten am Ende, Dank den Treffern von Keith und Toews, mit 3-1 die Oberhand.

Ausruhen kann sich Chicago darauf aber nicht und Quenneville wird die richtigen mahnenden Worte finden, dass sich im Kader kein Übermut breit macht. Auf der Gegenseite steht mit Darryl Sutter ein Lehrmeister hinter der Bande, den man ebenso zu den Besten seines Fachs zählen darf. Schon mehrmals hat Sutter bewiesen, dass er in den Playoffs Teams die er betreut zu Höchstleistungen führen kann.

Erinnert sei nur an das Jahr 2012, in dem die Kings als achtplatzierte gerade noch die Playoffs geschafft hatten und dann auf ihrem Weg zum Stanley Cup Gewinn nicht mehr zu stoppen waren oder an das Jahr 2004, in dem den Calgary Flames mit Sutter als Trainer ebenfalls als achte im Westen in das Stanley Cup Finale eingezogen waren. Möglich wurde das nur, da Sutter ebenfalls blitzschnell auf veränderte Gegebenheiten reagiert. In diesem Jahr bekamen dies schon die Anaheim Ducks am eigenen Leib zu spüren nachdem sie in der zweiten Runde nach drei Siegen in Folge mit 3-2 in Führung gegangen waren und auch die San Jose Sharks, die in der Runde zuvor sogar einen 3-0 Vorsprung gegen die Kings noch aus der Hand gegeben hatten.

Gespannt sein kann man auf jeden Fall welche Tricks die beiden Strategiemeister für Spiel 2 heute Nacht aus dem Hut zaubern und ihren Protagonisten mit auf das Eis geben werden.

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