Skip to main content

Stamkos und Kane mit Vorbildfunktion

von Bernd Roesch / NHL.com

Wie wichtig es ist, dass die Topstars einer Mannschaft gerade in den Playoffs ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, sah man wieder einmal in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Beispiel 1: Montreal, Bell Centre, 18:00 Uhr Ortszeit. Die Canadiens hatten das erste Aufeinandertreffen mit den Tampa Bay Lightning am Freitag knapp mit 1-2 in der zweiten Verlängerung verloren und standen vor heimischer Kulisse unter Zugzwang. Sie legten los wie die Feuerwehr und suchten eine schnelle Entscheidung. Zunächst sah es danach aus als würde ihr Plan auch aufgehen. Jeff Petry brachte die Hausherren nach noch nicht einmal acht Minuten in Front. Die Lightning ließen sich von dem Gegentreffer nicht aus der Ruhe bringen und profitierten am Ende von der übermotivierten Gangart der Gastgeber, die, wie sich noch herausstellen sollte, zu häufig auf der Strafbank Platz nehmen mussten.

Eine Achillesferse der Lightning war in den letzten Wochen ihr Überzahlspiel gewesen: Seit ihrem zweiten Spiel in der ersten Playoffrunde gegen Detroit hatten sie 25 Powerplays ohne zählbare Ausbeute verstreichen lassen. Auch ihr Teamkapitän Steven Stamkos war, aufgrund der für seine Verhältnisse magere Ausbeute von drei Vorlagen in acht Playoffpartien, etwas in die Kritik geraten. An diesem Abend sollte es sich zum Guten der Lightning wenden. Angeführt von Stamkos übernahm Tampa die Kontrolle über das Spiel, in dem ihnen gleich vier Powerplaytreffer gelingen sollten. Zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt, kurz vor der ersten Drittelpause, schoss Valtteri Filppula den glücklichen Ausgleich nachdem kurz zuvor bei Unterzahl Brian Flynn an Tampas Schlussmann Ben Bishop gescheitert war. Für das Führungstor zeichnete sich Stamkos selbst verantwortlich, ehe er zu zwei der folgenden drei Treffer seiner Lightning die Vorarbeit leistete.

Dem 25-jährigen Center war anzusehen, welche Last von seinen Schultern gefallen war nachdem er zuvor neun Spiele in Folge nicht mehr getroffen hatte. Dieses Tor war nicht nur für ihn persönlich, sondern für das gesamte Team ein enorm wichtiges. Die Lightning begannen an ihr Überzahlspiel zu glauben. Plötzlich lief die Scheibe wie am Schnürchen, wenn wieder einmal ein Canadien auf der Strafbank Platz nehmen musste. Stamkos sah das nach der Partie ähnlich und hofft, dass er auch in den anstehenden Aufgaben diese Form halten kann: "Man schießt ein Tor und obwohl sich nichts geändert hat, werden auf einmal die Beine leichter, man fühlt sich am Puck besser und alles läuft so wie man es sich wünscht. Es ist nicht einfach dieses Vertrauen in sich selbst zu bekommen und man kann es schnell wieder verlieren. Darum gilt es dieses Gefühl zu bewahren. Ich hoffe, dass ich das möglichst lange schaffe." Mitgerissen hat Stamkos auch seinen jungen Teamkollegen J.T. Brown, der sich mit dem Treffer zum 6-2 Endstand über sein erstes Playofftor in der NHL freuen konnte.

Beispiel 2: Chicago, United Center, 20:00 Uhr Ortszeit. Mit einer 1-0 Führung in der Serie gegen die Minnesota Wild im Rücken, sahen die Chicago Blackhawks zuversichtlich Spiel 2 entgegen. Die Partie verlief knapper als der Endstand von 4-1 vermuten lässt. 31 zu 30 lautete das Torschussverhältnis für die Gäste aus St. Paul, doch den entscheidenden Unterschied machten die Leistungsträger der Hausherren aus. Die Wild bekamen sie in keiner Phase des Spiels in den Griff: Patrick Kane schoss zwei Tore, darunter ein Empty Netter, Patrick Sharp brachte es auf ein Tor sowie eine Vorlage und auch Jonathan Toews ließ sich nicht lumpen, und versenkte die schwarze Hartgummischeibe hinter Devan Dubnyk im Tor.

Chicagos Coach Joel Quenneville hatte anschließend viel Lob für seine Stars übrig: "Immer wieder sind es unsere besten Spieler, die uns neue Kraft schenken. Sie geben den Weg vor und jeder im Kader wird dadurch besser und profitiert davon." Mit einem ‚Playoffgen‘ gesegnet ist vor allem Patrick Kane, der mit 26 Jahren schon 101 Playoffpartien für die Blackhawks bestritten und es dabei auf sagenhafte 42 Tore und 59 Vorlagen gebracht hat. Eine solche beeindruckende Ausbeute wurde nur möglich weil der torgefährliche Rechtsaußen, nach eigenem Bekunden, viel Freude daran hat in den Playoffs zu stehen: "Wenn du in die Liga kommst, hörst du so viel über die Playoffs. Es geht sehr intensiv zu, es ist das beste Eishockey, jedes Spiel geht hart auf hart. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich mit hervorragenden Mannschaftskameraden zusammenspielen darf, die mir zu vielen Chancen verhelfen. In den sieben Playoffjahren hier hatte und habe ich richtig viel Spaß." Für Patrick Sharp sind jene Kollegen, die sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln möchten, ein Baustein des Erfolgs: "Wir haben solche Spielertypen im Kader, das gibt uns Tiefe. In den diesjährigen Playoffs kamen schon viele verschiedene Stürmer (14) zu einem Einsatz, auch beide Torhüter. Tiefe ist ungemein wichtig."

Mehr anzeigen