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Spieler im Fokus: Michael Raffl im Interview

von Martin Stichauner / NHL.com

Michael Raffl überzeugte auch 2014 die Eishockeyexperten in seinem Heimatland und wiederholte seinen Sieg bei der vom Magazin "Powerplay" durchgeführten Wahl zu Österreichs Eishockey-Spieler des Jahres 2014 aus dem Vorjahr. Mit 31 Punkten konnte der 26-jährige Stürmer, vor seinem Freund Michael Grabner von den New York Islanders (22 Punkte) und seinem Bruder, Thomas Raffl vom EC Red Bull Salzburg (20 Punkte), die Wahl für sich entscheiden.

Unter allen österreichischen Eishockeyspielern, die im vergangenen Jahr weltweit eingesetzt wurden und für diese Abstimmung in Frage kamen, konnte sich wenig überraschend ein Spieler aus der National Hockey Liga durchsetzen. Das "Powerplay" ist ein offizielles Fachmagazin des österreichischen Eishockeyverbandes ÖEHV.

Martin Stichauner und Patrick Kristler trafen den österreichischen NHL-Export aus Villach für ein NHL.com/de Exklusivinterview in Philadelphia, Pennsylvania.

NHL.com/de: "Michael, erst einmal herzliche Gratulation! Du konntest die von "Powerplay" durchgeführte Wahl unter österreichischen Vereinen, Trainern und Journalisten zum Eishockey-Spieler des Jahres 2014 neuerlich für dich entscheiden."

Raffl: "Über so eine Auszeichnung freut man sich natürlich, das motiviert einen noch zusätzlich. Ich freue mich, dass meine sportliche Leistung hier in Nordamerika auch zu Hause in Österreich Anklang findet. Dadurch merkt man, dass ich auf dem richtigen Weg bin."

NHL.com/de: "Du hast im November beim Spiel gegen die Edmonton Oilers einen Schuss geblockt und musstest aufgrund einer Verletzung für sechs Wochen pausieren. Dem nicht genug kam heuer noch eine Lungenentzündung dazu. Wie mühsam war es für Dich, während dieser Zeit nicht für die Flyers spielen zu können?"

Raffl: "Damals als ich den Schuss geblockt habe, hatte ich einen richtig guten Lauf, habe viele Tore erzielt. So etwas wirft dich zwar in diesem Moment einen Schritt zurück, aber ich bin ein Typ, der dann noch härter arbeitet und zwei Schritte nach vor macht. Aus diesem Grund habe ich die Verletzung bzw. die Krankheit recht gut überstanden. Eishockey ist ein Vollkontaktsport, da kann es eben zu Verletzungen kommen."

NHL.com/de: "Du spielst jetzt bereits die zweite Saison mit den Philadelphia Flyers. Hast Du Dich mittlerweile schon an den Gedanken gewöhnt, ein fixer Bestandteil der Mannschaft zu sein?"

Raffl: "Natürlich lebt man sich ein und ist froh immer im Line-Up zu stehen. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist und deshalb arbeite ich jeden Tag hart, um den Anforderungen zu gerecht zu werden. Ich freue mich einfach, dass ich ein Teil dieser großartigen Organisation sein kann."

NHL.com/de: "In der vergangenen Saison konntest Du in 68 Spielen neun Treffer erzielen. Heuer sind es trotz langer Verletzungspause schon 20 Tore bei deutlich weniger Spielen! Hast Du speziell daran gearbeitet oder läuft es in der zweiten Saison einfach besser für dich?"

Raffl: "Für mich persönlich läuft es ganz gut zurzeit. Es liegt vielleicht auch daran, dass ich mich besser akklimatisiert habe. Ich weiß jetzt in der zweiten Saison, wie es hier läuft. Speziell daran gearbeitet habe ich nicht, manchmal braucht man im Eishockey auch das Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die wenigen Chancen, die man in einem Spiel bekommt, muss man nutzen."

NHL.com/de: "Die Flyers rangieren in der Eastern Conference derzeit auf Platz 11 und liegen damit 12 Punkte hinter dem Achtplatzierten, den Boston Bruins! Für die Flyers ist der Playoff-Zug damit bereits abgefahren?"

Raffl: "Es ist nicht einfach, wenn du weißt, dass du die Playoffs nicht mehr erreichen kannst. Trotzdem muss man weiterhin in jedem Spiel alles geben, die Fans und Medien hier erwarten das. Den Erfolgsdruck hat man in der NHL immer, es reichen ein paar schlechte Spiele und schon kann man sich auf der Scratch-List wiederfinden. Wir haben heuer über 40 Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren. Das soll keine Ausrede sein, aber daran sieht man, dass es doch möglich gewesen wäre. In der nächsten Saison müssen wir einfach mehr von diesen engen Spielen gewinnen. Wir haben gegen die starken Teams regelmäßig gepunktet, gegen die vermeintlich schwächeren Gegner zu viele Federn gelassen."

NHL.com/de: "Wenn Du jetzt Bilanz ziehst, bist Du mit deiner persönlichen Entwicklung in der bisherigen Saison zufrieden?"

Raffl: "Ich habe zwar die 20-Tore-Marke geknackt, aber wenn man nicht in die Playoffs kommt, kann man nicht zufrieden sein. Zu mir persönlich kann ich sagen, dass ich mich sehr wohl weiterentwickelt habe, doch es ist immer noch Luft nach oben."

NHL.com /de: "Was kannst Du in der nächste Saison besser machen?"

Raffl: "Meine Entwicklung ist noch nicht am Ende. Im Eishockeysport hilft nur tägliches Training und das persönliche Ziel, mit jeden Tag besser zu werden."

NHL.com/de: "Für die österreichische Nationalmannschaft startet in den kommenden Tagen der Countdown für die Vorbereitung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft in Prag, Tschechien. Können sie mit Dir rechnen, da die Philadelphia Flyers die diesjährigen Playoffs nicht erreichen konnten?"

Raffl: "Für sein eigenes Land zu spielen erfüllt einen mit Stolz. Ich werde zur Verfügung stehen und hoffe dass wir dort für die eine oder andere Überraschung sorgen können."

NHL.com/de: "Dein Bruder Thomas steht derzeit in der österreichischen Erste Bank Liga mit den Red Bulls Salzburg im Finale und trifft dort auf den Sieger der Serie Linz vs. Wien. Im Viertelfinale konnte er sich mit seiner Mannschaft gegen deinen ehemaligen Verein, dem EC Villacher SV in der Serie mit 4:1 behaupten und im Halbfinale folgte der Sweep gegen den KAC. Hast Du die Spiele mitverfolgt?"

Raffl: "Soweit es die Zeit bei mir zulässt verfolge ich die Spiele über den ServusTV/laola1-Stream oder aber auch via Stream von Radio Kärnten. Ich informiere mich laufend über den aktuellen Stand in der heimischen Liga, nicht zuletzt deshalb, weil mein Bruder und auch viele gute Freunde von mir dort spielen."

NHL.com/de: "Philadelphia wird umgangssprachlich auch "City of Brotherly Love" genannt. Hat Dich dein Bruder denn schon einmal besucht in den USA? Steht ihr in regelmäßigem Kontakt zueinander?"

Raffl: "Mein Bruder war letztes Jahr mit zwei weiteren Freunden zur Playoffzeit hier. Mein Vater kommt regelmäßig und sieht sich die Spiele vor Ort an. Über die neuen Medien bin ich selbstverständlich täglich in Kontakt mit der Heimat."

NHL.com/de: "Es soll Teamkollegen geben, die behaupten Du wärst nicht romantisch. Wie kommt das?"

Raffl: (lacht) Ja, das war die Geschichte zum Valentinstag. Wir sind eine junge Truppe und der Schmäh läuft in der Kabine. Das gehört einfach dazu, es gibt immer wieder lustige Videos auf flyers.tv zu sehen."

NHL.com/de: "Die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt also?"

Raffl: "Ja absolut. Es ist wichtig, wenn sich die Spieler nicht nur am Eis, sondern auch abseits der Eisfläche gut verstehen."

NHL.com/de: "Gibt es einen Geheimtipp für Besucher der Stadt Philadelphia?"

Raffl: "Philadelphia ist eine großartige Stadt, ich lebe sehr gerne hier. Man sollte man auf jeden Fall die "Rocky-Steps" hochlaufen und die Rocky-Statue ansehen. Kulinarisch sollte man sich ein Philly-Cheese-Steak nicht entgehen lassen."

5 Kurzfragen an Michael Raffl:

Unangenehmster Gegenspieler: Shea Weber von den Nashville Predators

Bier oder Wein : Bier

Lieblingsvideospiel: FIFA 15

Was magst du überhaupt nicht: den Wecker in der Früh

Bester Torhüter in der NHL: Carey Price von den Montreal Canadiens

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