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Spieler im Fokus: Mark Streit im Interview

von Stefan Herget / NHL.com

Mark Streit gehört in der Schweiz zu den sportlichen Aushängeschildern und ist fast so populär wie der Tennisspieler Roger Federer. Der 37-jährige Berner war der erste Feldspieler aus der Alpenrepublik, der sich in der NHL etabliert hat, obwohl er erst im Alter von 27 Jahren sein Debüt in Nordamerika gab.

Er zählt heute bei seinem derzeitigen Arbeitgeber Philadelphia Flyers mit seinen bereits absolvierten 679 NHL-Spielen mit den Montreal Canadiens, New York Islanders und den Flyers und dabei gesammelten 396 Punkten zu den Stars.

In New York wurde ihm die für einen Europäer seltene Ehre zuteil, zum Kapitän ernannt zu werden und er war damit der erste Mitteleuropäer, der dieses Amt bekleiden durfte.

NHL.com/de traf den Verteidiger während des Sommertrainings und kurz vor seiner Abreise nach Philadelphia am 10. September in seiner Schweizer Heimat zum Interview.

Der Sommer ist fast vorüber. Vorfreude oder Wehmut?

Sicherlich Vorfreude. Es ist immer schön nach einer harten und langen Saison nach Hause zu gehen. Die Familie und die Freundin, alle wieder zu sehen, ein wenig abzuschalten und die Batterien wieder aufzuladen. Aber wenn wir mit der intensiven Vorbereitung anfangen dann kribbelt es schon wieder. Wir sind nun seit vier Wochen auf dem Eis und haben die Möglichkeit mit dem SC Bern zu trainieren und dann kommt man so langsam in Form und damit steigt die Vorfreude auf das Camp und den Saisonstart.

Welche Ansätze hast du im Sommer gefunden, dich zu verbessern?

Ich denke als Profi-Sportler muss man sich immer verbessern wollen. Ich denke, wenn ich nicht diese Mentalität und Einstellung hätte, dann würde ich nicht mehr spielen. Das ist für mich eine Grundvoraussetzung meine Leistung zu steigern, um mein Bestes zu geben. Es geht aber weniger um konkrete Dinge, sondern eher allgemein gesehen.

Wo lagen die Schwerpunkte deines Trainings?

Das wichtigste im Sommer ist, dass du dich erholen und in Ruhe trainieren kannst, also gesund bleibst. Es sollte ein Aufbau- und kein Abnutzungstraining sein. An seiner Schuss- und Lauftechnik kann man immer arbeiten. Das tun wir auch. Aber ich habe in den letzten zehn Jahren immer sehr breit trainiert und das hat sich glaube ich ausgezahlt. Wichtiger sind die Videoanalyse der Spiele während der Saison und die Vorbereitung auf die Matches, um Kleinigkeiten zu verbessern.

Du trainierst im Sommer mit Roman Josi und Yannick Weber zusammen. Wie kam es dazu?

Ich habe früher immer alleine trainiert, weil es nicht viele Schweizer NHL-Spieler gab. Seit einigen Jahren hat sich das geändert. Weil Roman und Yannick auch von Bern sind, da hat sich das so ergeben. Wir wohnen sehr nah beieinander. Es hat zu Beginn wunderbar geklappt und war für alle eine große Hilfe. Man kann sich gegenseitig anspornen und unterstützen. Deswegen sind wir dabei geblieben und mittlerweile sehr gut miteinander befreundet.

Wie ist es für Dich als „alten Hasen“ mit den deutlich jüngeren Spielern zu trainieren?

Ich denke es ist gut. Wir können voneinander nur profitieren. Ich ziehe seit Jahren mein Programm durch. Die Jungs sehen bei mir, dass wenn man intensiv und seriös trainiert, man sehr lange spielen kann. Das ist sicher für Roman und Yannick gut und ich kann wiederum von der Jugendlichkeit, Euphorie und Motivation der zwei profitieren. Es gibt immer wieder Tage, wo der eine etwas besser drauf ist, als der andere und da kann man sich gegenseitig pushen.

Was muss bei den Flyers kommende Saison besser laufen?

Wenn man die Playoffs verpasst, dann muss man das ganze Jahr analysieren, um herauszufinden was man besser machen kann. Die letzten beiden Jahre seit ich dort bin, haben wir einen schlechten Start hingelegt. Im ersten Jahr konnten wir es korrigieren und kamen in die Playoffs, doch 2015 hat es nicht mehr geklappt. Das muss besser laufen und wir haben das Potenzial in der Mannschaft und alle Zutaten, um erfolgreich zu sein. Der zweite Faktor ist die Konstanz, die uns gefehlt hat, weil wir vor allem auswärts zu schwach gespielt haben.

Was kannst Du dazu beitragen, dass es besser wird?

Du kannst als einzelner Spieler noch so gut spielen, wenn die Mannschaft nicht intakt ist, dann läuft es nicht. Unser Ziel ist die Qualifikation für die Playoffs. Und darum müssen wir vom ersten Spiel an kämpfen. Der gute Start ist einfach unglaublich wichtig.

Wer wird der nächste Schweizer Stanley Cup Gewinner?

Puhh, da müssen so viele Faktoren mitspielen. Von daher ist es schwer zu sagen. Wer hatte vergangene Saison schon mit Nashville gerechnet und dann marschieren sie durch die reguläre Saison, aber in den Playoffs war Endstation. Aber Favoriten sind weiter die Blackhawks und die L.A. Kings haben eine tolle Mannschaft. Der Konkurrenzkampf ist riesig und es ist eine lange Saison in der viel passieren kann. Von daher ist es schwer zu sagen, wer und vor allem wann.

Wie siehst Du Deine gemachte Entwicklung in der NHL als Spätstarter, der mit 27 Jahren sein erstes NHL-Spiel bestritt?

Als ich damals nach Montreal kam, war ich unglaublich überrascht über das Tempo der Spiele und das ganze Drumherum in der NHL. Da hätte ich mir nie erträumen wollen, dass ich über zehn Jahre dort spielen werde. Aber es steckt viel harte Arbeit und Entbehrungen dahinter. Natürlich bin ich Montreal sehr dankbar, dass sie mir diese Chance gegeben haben und ich hatte drei schöne Jahre dort. In New York konnte ich mich weiter entwickeln zu einem sehr guten Verteidiger und jetzt in Philadelphia will ich das weiterführen.

Was können wir von Streit in Zukunft noch erwarten?

Ich bin ein Typ der hungrig ist und nur sehr schwer zufrieden zu stellen ist. Ich möchte immer Topleistung bringen und mit der Mannschaft Erfolg haben. Ich bin sehr stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Ich fühle mich immer noch sehr fit und habe gut trainiert, so dass die neue Saison kommen kann. Ich bin überzeugt, dass ich noch einiges im Tank habe.

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