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Spieler im Fokus: Leon Draisaitl in der WHL

von Stefan Herget / NHL.com

Am 6. Januar kam die Nachricht, dass die Edmonton Oilers Leon Draisaitl, den sie im NHL Draft im Sommer zuvor an dritter Stelle gezogen und dann in ihr NHL-Team eingebaut hatten, zurück in die Juniorenliga schicken.

Nach 37 Spielen mit zwei Treffern und sieben Vorlagen war das Abenteuer NHL für den jungen deutschen Center erst einmal beendet. Ausgerechnet in seinem vorerst letzten Spiel an Silvester gegen die Calgary Flames gelangen ihm zwei Vorlagen. Sein erstes Mehr-Punkte-Spiel, doch der Abgang war wohl schon besiegelt.

Draisaitl hat Potenzial, das steht ohne Zweifel fest und es wäre ihm sicher einiges leichter gefallen, wäre das Team an sich erfolgreich gewesen. Doch wie in den Vorjahren blieben die Oilers trotz großen Talenten in der Mannschaft hinter den Erwartungen zurück und verloren meist Spiel um Spiel.

Keine guten Voraussetzungen für einen Neuling oder Rookie, wie sie in Amerika genannt werden, mit dem Strom erst einmal mitzuschwimmen. Für einen Leistungsträger oder Spieler, der andere mitreißt, fehlte ihm jedoch die nötige Erfahrung. Die Erkenntnis, dass in der NHL aufgrund der schnellen Spielweise ein anderer Wind weht als im Junioren-Eishockey, trug ihr übriges dazu bei.

Doch wie ergeht es ihm nun seitdem bei den Kelowna Rockets in der WHL? Draisaitl knüpft an seine überragenden Auftritte in der Vorsaison, wo er 105 Scorerpunkte in 64 Spielen sammeln konnte, an und erzielte gleich in seinen ersten drei Partien jeweils einen Treffer.

Nach 17 Scorerpunkten mit sieben Toren und zehn Assists in elf Spielen im Januar, folgten 20 Punkte bei sieben Toren und 13 Assists in 12 Spielen im Februar. Auch im März punktet er mit zwei Treffern und vier Vorlagen in bisher drei Begegnungen munter weiter.

So stehen für ihn mittlerweile 16 Tore und 27 Assists zu Buche, was 43 Punkte in 26 Spielen ergibt. Mit seinem daraus ergebenden Punkteschnitt von 1,65 pro Spiel liegt er im Topbereich der Liga und fast genauso hoch wie in der Saison 2013-14.

Anders als bei den Oilers in der NHL spielt Draisaitl aber in einer WHL-Spitzenmannschaft. Die Rockets führen die Western Conference souverän mit 105 Punkten an und sind so ein Mitfavorit auf den Titel für die in der letzten März Woche beginnenden Playoffs um den Ed Chynoweth Cup.

Draisaitl, der sehr bodenständig ist, hat seine Rolle sich neu für die NHL zu empfehlen angenommen und versucht durch Leistung zu überzeugen. Dass es ihm in Kelowna gefällt, bestätigte er kürzlich in einem Interview für die teameigene Website.

"Es ist unglaublich hier bisher", sagte er dort. "Eishockeyspiele zu gewinnen ist etwas ganz besonderes und darum geht es letztendlich. Aber die Leute hier sind toll und haben mich gut aufgenommen, wie alle neuen Jungs hier. Es macht sehr viel Spaß."

Die Reise könnte noch weit gehen, länger als bei Edmonton, deren Saison sicher Mitte April beendet sein dürfte. Insofern könnte ein langer Verbleib der Rockets in den Playoffs Draisaitl die sichere Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in Tschechien kosten.

Gedankengänge, die für ihn erst einmal zweitrangig sein dürften. Er wird es nehmen, wie es kommt und dann steht ein Sommer an, der sehr konträr zum Vorjahr verlaufen sollte. "Ich muss mal sehen, was diesen Sommer möglich ist", erzählt er auf die Frage, ob nach der Saison intensives Training für einen neuen Anlauf auf die NHL angesagt ist.

"Letzten Sommer war es verrückt mit den ganzen Dingen, die zu erledigen waren: Der Draft, der Combine, die Trainingscamps und das alles. Ich plane natürlich sehr intensiv zu trainieren, aber auch wieder etwas Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Dazu werde ich für eine gewisse Zeit nach Deutschland fliegen."

Der ersehnte Heimaturlaub, der im vergangenen Jahr dem Ziel in der NHL zu spielen zum Opfer gefallen war, wird also nun nachgeholt, um neue Kraft für die kommenden Aufgaben zu schöpfen.

Denn im September wird es im Trainingscamp der Oilers darum gehen, sich neu für den NHL-Kader zu empfehlen und auf sich aufmerksam zu machen. Die NHL-Karriere des Leon Draisaitl wird dann sicher eine Fortsetzung finden. Den Grundstein dafür legt er derzeit.

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