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Spieler im Fokus: Hiller muss sich steigern

von Stefan Herget / NHL.com

„Fliegenfänger“ hatte Jonas Hiller etwas despektierlich, aber natürlich lustig gemeint, beim Benefizspiel von Team Roman Josi gegen Team Mark Streit im vergangenen August in Bern auf seinem Trikot als Name stehen.

Dabei war der Schweizer Torhüter das Aushängeschild der Nation auf dieser Position in den zurückliegenden Jahren. Seit seinem NHL-Debüt im Jahr 2007, als er als nicht gedrafteter Spieler bei der NHL Premiere in London vor überwiegend europäischen Eishockeyfans erstmals auflaufen durfte, war der heute 33-jährige Hiller ein Garant für gute Leistungen.

Sieben Jahre stand er bei den Anaheim Ducks zwischen den Pfosten und erarbeitete sich schon früh den Status als deren Nummer 1 Torhüter. Im Sommer 2014 erfolgte die Vertragsunterschrift für zwei Jahre bei den Calgary Flames, als sein Kontrakt in Kalifornien ausgelaufen war.

Über seine mittlerweile fast neunjährige Laufbahn hinweg lag Hillers Fangquote stets jenseits der 91 Prozent. Der Gegentrefferschnitt pro Spiel war nie schlechter als 2,73. 193 Siege stehen in 392 Spielen der regulären Saison zu Buche, sowie 23 Shutouts.

In seinen 33 Playoffspielen liegt seine Fangquote im Schnitt bei 93 Prozent und der Gegentrefferschnitt bei 2,35.

Doch diese Saison ist alles anders. Durch eine längere Verletzung und Gerangel um die Torhüterposition stehen bisher lediglich 14 Spiele auf seiner Habenseite. Die Fangquote liegt bei mäßigen 88,2 Prozent und der Gegentorschnitt bei 3,16.

NHL.com/de hat Hiller in einem Interview am Telefon nach dem gestrigen Training einige Fragen zu seiner Situation gestellt:

Wie war die All-Star Pause für Dich?

„Ich habe mich gefreut, weil es in der langen Saison mit den vielen Spielen eine willkommene Abwechslung war. Ich hatte endlich etwas mehr Zeit für meine kleine Tochter und die Frau. Es tat gut ein paar Tage weg vom Eishockey zu sein.“

Wenige Saisoneinsätze durch Verletzung und deine schlechsten Werte seit Karrierebeginn. Du kannst derzeit kaum zufrieden sein?

„Die Verletzung kam etwas unglücklich, weil es gerade davor hier ein bisschen drunter und drüber ging mit den Torhütern. Dann war ich einen guten Monat weg und als ich wieder fit war, war wieder alles anders mit den Torhütern. Ich habe dann nicht so viel gespielt, wie ich mir das gewünscht habe. Gleichzeitig kann ich aber auch nicht zufrieden sein, wie ich gespielt habe, wenn ich im Einsatz war. Ich hoffe, dass ich weiter die Chance bekomme mich zu zeigen. Bisher war es bei mir meist so, dass ich in der zweiten Hälfte einen Weg gefunden habe, besser zu spielen und ich hoffe das wird jetzt wieder der Fall sein.“

Kam von daher die Pause zur rechten Zeit, um sich neu zu sammeln?

„Es wäre mir von dem Standpunkt lieber gewesen, wenn es gleich weiter gegangen wäre, denn die letzten drei Spiele, die ich vor der Pause hatte, hatte ich das Gefühl, dass ich wirklich gut gespielt habe und hätte mir von daher gewünscht, dass ich daran gleich anknüpfen kann. Ich mache mir allerdings darüber nicht so viele Gedanken und muss es nehmen, wie es kommt. Also kann es nur heißen, nach vorne zu schauen und meine Chancen zu nutzen.“

Belastet Dich auch die Situation, dass Dein Vertrag ausläuft?

„Am Ende versuche ich gut zu spielen, egal, ob mein Vertrag ausläuft oder nicht. Klar ist da noch etwas mehr, was vielleicht im Hinterkopf ist. Gleichzeitig bin ich an einem Punkt in meiner Karriere, wo ich eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen kann, weil ich nicht mehr auf einen neuen Vertrag angewiesen bin. Natürlich will ich weiter in der NHL spielen und noch einmal einen Vertrag unterschreiben, aber ich muss einfach nur gut spielen. Egal, ob ich einen Vertrag brauche oder nicht.“

In Deiner Statistik fällt auf, dass du bisher acht Tore im 1. Drittel, 14 Tore im 2. Drittel und 19 Tore im 3. Drittel kassiert hast. Gibt es dafür eine Erklärung?

„Keine Ahnung, was ich davon halten soll. Wenn du es nicht gesagt hättest, dann hätte ich es nicht einmal gewusst. Ich hatte eher das Gefühl, dass wir das Problem hatten, am Anfang Tore zu kassieren und dann Rückständen hinterher gelaufen sind, die wir nicht mehr drehen konnten. Ich wurde zwei Mal im letzten Drittel eingewechselt und habe da noch Tore gekriegt und wenn die dazu zählen, dann liegt es wohl daran, dass die Statistik etwas unglücklich aussieht.“

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