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Spieler im Fokus: Ehrhoff in AHL gelandet

von Stefan Herget / NHL.com

Lange hatte Christian Ehrhoff im Sommer um einen neuen Vertrag gepokert. Ein Spitzenteam, mit der Chance den Stanley Cup zu gewinnen, sollte die neue Station sein. Deswegen schlug er unter anderem ein Angebot der Columbus Blue Jackets aus und unterschrieb schließlich für ein Jahr bei den Los Angeles Kings.

Doch es lief nicht wie erwartet, denn in dem mit guten Spielern gespickten Kader um den Starverteidiger Drew Doughty als Kopf, reduzierte sich die Eiszeit des 33-jährigen Deutschen stark.

Stand Ehrhoff am Anfang zumindest um die 20 Minuten auf dem Eis, waren es bald nur im Schnitt ca. 16 Minuten. Eine ungewohnte Erfahrung für ihn, der bei seinen Arbeitgebern zuvor, deutlich mehr Bedeutung hatte.

Bald fand sich Ehrhoff in der Rolle des siebten Verteidigers wieder, der auch mehrmals aus dem Kader gestrichen wurde, obwohl er nicht verletzt war. Eine Folge davon war, dass die Punktausbeute des eigentlich offensivstarken Blueliners stagnierte.

Fatal für ihn war zudem, dass er den schlechtesten, in der NHL sehr hoch eingeschätzten, Plus-Minus-Wert, also die Zahl, die letztendlich aussagt, ob man häufiger bei eigenen Toren oder Gegentoren am Eis stand, auf dem Konto hatte.

Am vergangenen Mittwoch schockte dann die Meldung Eishockey-Deutschland, dass die Kings Ehrhoff auf die Waiver-Liste gesetzt hatten, um ihn ins Farmteam abzugeben. Soll ein Spieler, der keinen Zwei-Wege-Vertrag hat, ins Farmteam geschickt werden, dann kommt er für 24 Stunden auf diese Liste und jedes andere Team kann ihn in dieser Zeit ablösefrei verpflichten.

Nur es schlug niemand zu, was kein gutes Anzeichen für die Zukunft von Ehrhoff in der NHL sein dürfte, dass er bis zur Trade Deadline am 29. Februar wechselt oder ihn jemand zum neuen Vertragsjahr verpflichtet.

Ehrhoff blieb nichts anderes übrig, als nach dem Spiel in Boston heim zu fliegen und am Freitag seinen Dienst bei den Ontario Reign in Kalifornien, ca. 90 Kilometer östlich von Los Angeles anzutreten, anstatt mit den Kings auf dem weiteren Auswärtstrip in New York zu sein.

"Das ist Teil des Business", sagte Ehrhoff gegenüber der Deutschen Presse Agentur. "Man ist nicht immer oben. Ich war bei den Kings in meiner Position festgefahren, konnte mein Spiel nicht mehr spielen."

Bundestrainer Marco Sturm, der deutsche NHL-Rekordhalter bei den absolvierten Spielen und erzielten Punkten, sowie DEB-Präsident Franz Reindl nahmen die Nachricht aus Übersee mit Bestürzung zur Kenntnis.

Ehrhoff war schließlich nach dem Rücktritt von Sturm und Jochen Hecht, zusammen mit Dennis Seidenberg von den Boston Bruins das Aushängeschild. Nach seinem Einzug mit den Vancouver Canucks in das Stanley Cup Finale 2011 unterschrieb der Verteidiger im darauf folgenden Sommer einen so gut dotierten Vertrag bei den Buffalo Sabres, dass er in der Saison 2011/12 sogar der bestbezahlte Defensivmann der gesamten Liga war.

Der tiefe Fall im sportlichen Bereich wird dadurch versüßt, dass Ehrhoff durch diesen Vertrag finanziell längst ausgesorgt hat. Doch der sportliche Ergeiz ist schließlich auch da. Das knappe Scheitern, 2011 nur einen Sieg vom Stanley Cup Gewinn entfernt gewesen zu sein, wiegt schwer. Er wollte dieses Missgeschick unbedingt korrigieren.

Nun muss Ehrhoff abwarten und in der AHL trotz Demotivation Leistung bringen, dass er eventuell doch für ein anderes Team bis Ende Februar attraktiv wird. Am Freitag und Samstag hatte er für die Reign die ersten beiden Einsätze, die er mit einer Vorlage abschloss.

"Ich kann jetzt nicht wählerisch sein", verdeutlicht Ehrhoff. "Ich bin froh, wenn ich zu einem Team komme, das mich möchte. Und wenn nicht, dann war es das vielleicht in der NHL."

Beim derzeitigen DEL-Schlusslicht Krefeld Pinguine hoffen sie sicher schon darauf, dass der verlorene Sohn zu seiner großen Liebe im Sommer zurückkehrt. Ausgeschlossen ist das nicht.

"Von der besten Liga der Welt Abschied nehmen zu müssen, das wünsche ich keinem", erzählt Sturm, der einen möglichen NHL-Rücktritt von Ehrhoff in seiner jetzigen Position mit einem lachenden Auge sehen könnte. Schließlich würde dieser dann für die Weltmeisterschaft im Mai und die Olympia-Qualifikation im September sicher zur Verfügung stehen.

Reindl hofft indes, dass Ehrhoff diese schwierige Phase seiner Karriere, die immerhin 854 NHL-Spiele umfasst, durchsteht und zurückkommen kann: "Er ist ein Top-Athlet und wird das schaffen." Aber es gibt Faktoren bei diesem Spiel, die dieser eben nicht beeinflussen kann.

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