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Spieler im Fokus: Berra sammelte Pluspunkte

von Stefan Herget / NHL.com

Schaut man auf die Facebook-Seite von Reto Berra steht er in seinem Profilfoto vor dem Saddledome in Calgary. Symbolisch betrachtet könnte man meinen der Schweizer Torhüter ist immer noch nicht an seiner Wirkungsstätte seit dem Frühjahr 2014 in Denver angekommen und verharrt an der alten.

Doch das wäre wohl etwas zu weit hergeholt, ihm so etwas zu unterstellen. Trotzdem sah es lange in dieser Saison danach aus, die „Liebe“ zwischen der Colorado Avalanche und Berra würde trotz der Vertragsunterzeichnung im vergangenen Sommer mit einer Laufzeit bis 2017 keine lange werden.

Berra war im Dezember und Januar am Tiefpunkt angelangt, als er als etatmäßige Nummer 2 trotz einer Verletzung von Stammtorhüter Semyon Varlamov nicht zum Zuge kam. Das Trainerteam der Avalanche um Torhüterlegende Patrick Roy gab dem 22 Jahre jungen Calvin Pickard den Vorzug und dem 28-jährigen Berra blieb nur die Zuschauerrolle.

Im Januar nach der Rückkehr von Varlamov folgte schließlich sogar die Zurückstufung zum Farmteam in die AHL und Pickard saß in der NHL hinter der Bande. Nicht wenige stimmten schon den Abgesang auf Berra an und in den Schweizer Medien wurde sogar über die Rückkehr des Schlussmannes in die Heimat spekuliert. Fakt war aber, dass er in seinen Einsätzen nicht überzeugt hatte, aber Pickard das Vertrauen der Trainer rechtfertigte.

Aber Totgesagte leben länger, so heißt ein allgemein bekannter Spruch, der in dieser Saison auch auf Berra zutrifft. Allen Spekulationen zum Trotz möchte Colorado weiter an den Diensten des Eidgenossen festhalten.

So sind die Signale zu deuten, die zuletzt vom Trainerteam ausgingen. Nachdem klar war, dass die Qualifikation für die Playoffs in diesem Jahr verpasst wird, erhielt Berra wieder einige Spielpraxis, um sich zu beweisen und er nutzte diese Gelegenheit.

Am 25. März im Spiel der Avs gegen die Edmonton Oilers musste Varlamov nach drei Gegentoren bei sieben Torschüssen innerhalb der ersten zehn Minuten bereits das Tor für Berra räumen. Und dieser zeigte sich von seiner besten Seite, hielt 26 der 27 auf ihn abgegebenen Torschüsse.

Zur Belohnung durfte Berra einen Tag später auswärts bei den Vancouver Canucks von Beginn an zwischen die Pfosten. Überraschend gewann Colorado auch dank einer überzeugenden Vorstellung von ihm mit 33 Rettungstaten die Begegnung mit 4-1. Einzig sein Landsmann Yannick Weber konnte ihn während einer Überzahlsituation überwinden.

Zum ersten Mal seit Ende November durfte Berra schließlich Anfang April zwei Partien in Folge von Beginn an absolvieren. Zwar war er beim Spiel gegen die San Jose Sharks am 1. April, das 5-1 verloren ging, weniger glücklos, aber mit den gezeigten 25 Saves tat er sein möglichstes. Das vierte und fünfte Gegentor fiel zudem, als Roy Berra herausgenommen hatte.

Besser lief es dagegen zwei Tage später. Mit 15 Saves in den letzten 20 Minuten und 35 insgesamt legte Berra die Grundlage zu einem weiteren nicht erwarteten Sieg mit nur einem Gegentor gegen die starke Offensive der Anaheim Ducks.

Durch diese Auftritte hat Berra seine Chancen, dass es für ihn eine weitere Zukunft in Colorado gibt, wieder deutlich verbessert. Dies unterstrich ebenso Roy mit seiner Aussage nach dem Spiel gegenüber der versammelten Presse.

„Also wirklich, er hat zuletzt sehr gut gespielt”, sagte der Trainer. „Das ist genau der Mann, den wir verpflichtet haben. Ich glaube, es zahlt sich langsam aus für uns. Er spielt sehr gutes Eishockey…Ich bin sehr glücklich mit seiner Spielweise und ich bin froh, dass man manchmal dafür belohnt wird, wenn man hart arbeitet und das ist genau das, was gerade passiert.“

Berra selbst gab sich bescheiden. „Jedes Mal wenn ich spiele, ist es eine Ehre für mich und ich versuche alles zu geben, was ich habe“, betonte er nach seinem 18. Saisoneinsatz. „Es war ein weiteres gutes Spiel, so wie die letzten beiden Spiele, aber heute habe ich einen weiteren Sieg gefeiert.“

Es war nicht nur ein Sieg für die Tabelle und Statistik, sondern für ihn auch persönlich ein wichtiger Schritt. Das Leistungsniveau in der NHL ist so dicht, dass jemand schell auf dem Abstellgleis landet, selbst wenn er über großes Talent verfügt. Beispiele gibt es zu genügend.

Nachdem Colorado die Playoffs verpasst, dürfte Berra gute Möglichkeiten haben, bei der Weltmeisterschaft Anfang Mai in Tschechien für die Schweiz weitere Argumente für sich zu sammeln.

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