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Spieler im Fokus: Berra nutzte seine Chance

von Stefan Herget / NHL.com

Lange Zeit in der Vorbereitung war nicht sicher, dass Reto Berra zum jetzigen Zeitpunkt sich an dieser Stelle befinden würde. Der Zweikampf um den Platz hinter der Nummer 1 Semyon Varlamov bei der Colorado Avalanche zwischen ihm, dem 28-jährigen Schweizer, und dem 23-jährigen Calvin Pickard lief im Trainingscamp auf Hochtouren.

Erst kurz vor Saisonbeginn entschied sich Trainer Patrick Roy, bekannterweise selbst einer der besten Torhüter der NHL-Geschichte, Berra das Vertrauen zu schenken und Pickard ins Farmteam zu schicken. Er betonte dabei, dass die Entscheidung sehr eng gewesen sei.

Bereut hat Roy diesen Schritt bisher nicht, denn der gebürtige Bülacher aus dem Züricher Unterland hat in seinen ersten drei Auftritten überzeugt und Werbung in eigener Sache gemacht.

Am vergangenen Mittwoch bei der empfindlichen 2-6 Heimniederlage gegen die Boston Bruins im dritten Saisonspiel verließ Varlamov nach einem unglücklichen Abend mit fünf Gegentoren in der 36. Minute das Eis. Berra durfte erstmals in 2015-16 den Platz zwischen den Pfosten einnehmen.

Trotz noch über 24 Minuten Spielzeit musste er nur noch fünf Mal rettend eingreifen und hielt sich schadlos. Der sechste Gegentreffer fiel erst als der bekannt risikofreundliche Roy Berra für einen sechsten Feldspieler opferte, um den 2-5 Rückstand noch wett zu machen.

Immerhin folgte zwei Tage später beim schweren Auswärtsspiel bei den Anaheim Ducks ein Vertrauensbeweis, als Berra seine erste Bewährungschance von Anfang an bekam und diese nutzte. 3-0 hieß es am Ende für die Avalanche gegen die favorisierten Ducks, was bedeutete, dass es dem starken Sturm der Kalifornier nicht gelang, ihn zu überwinden.

Insgesamt 35 Torschüsse musste Berra am Ende abwehren. "Er war gut heute Abend. Er ist gut", fand Roy über seinen Schlussmann danach lobende Worte. "Im Trainingscamp spielte er gut. [Torhütertrainer] Francois [Allaire] sagte vor unser Abreise, dass er wirklich gut trainiert hätte und in guter Form wäre. Man wird belohnt, wenn dem so ist."

"Die größte Förderung von Selbstbewusstsein ist Erfolg zu haben, Siege zu verbuchen", sagte Berra nach der Begegnung. "Ich hatte mein erstes Spiel hier und ich habe einen Sieg hier in der Fremde. Es fühlt sich gut an."

Es war der zweite Shutout seiner NHL-Karriere nach dem Zu-Null in seinem letzten Einsatz in der abgelaufenen Saison am 9. April 2015 gegen die Winnipeg Jets. Aus diesem Grund schraubte Berra seine Auftritte ohne Gegentreffer saisonübergreifend auf insgesamt 189:24 Minuten.

"Mental war ich heute so ruhig und sah den Puck wirklich gut", sagte Berra. "Ich hatte keine Sorge einen Gegentreffer zu bekommen. Ich habe nur jeden Puck gestoppt." Zu Gute kam ihm, dass die Defensive von Colorado viele Schüsse blockte und auch bei Nachschüssen häufig präsent war.

Schon etwas überraschend war, dass Roy auch in der nächsten Partie bei den Los Angeles Kings Berra das Vertrauen schenkte und ihm den Vorzug vor Varlamov gab. Allerdings reichte es nicht für den erhofften nächsten Sieg. Colorado zog mit 1-2 den Kürzeren.

Berra überzeugte aber erneut auf ganzer Linie und hielt mit seinen insgesamt 38 Saves seine Mannschaft bis zum Schluss im Spiel. "Reto uns eine Chance gegeben zu gewinnen", sagte dementsprechend Stürmer Matt Duchene anschließend.

Die Shutout-Serie von Berra endete bereits in der 14. Minute, als ihm Marian Gaborik aus dem Handgelenk das Nachsehen gab. Trotzdem war Roy zufrieden mit dem, was er von seinem Schlussmann sah.

"Er war sehr gut", sagte er. "Er zeigte einige Schlüsselsaves in Schlüsselmomenten des Spiels. Aus irgendeinem Grund ist er wirklich gelassen vor seinem Tor und er hat sich unter Kontrolle. Alles sieht für ihn derzeit sehr leicht aus."

Gerade in den Schlussminuten war Berra mit einigen schönen Paraden präsent und wehrte alleine im dritten Drittel alle 14 Torschüsse auf ihn ab.

Die Avalanche spielen am Mittwoch gegen die Carolina Hurricanes. Roy wird am Dienstag nach dem Training bekannt geben, wer dann im Tor stehen wird. Vielleicht überrascht er mit einem weiteren Auftritt von Berra? Davon auszugehen ist aber nicht, doch die nächste Bewährungsprobe für den Schweizer wird kommen.

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