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Frischling zwischen den Pfosten

Spencer Martin überzeugte bei NHL-Debüt für Avalanche und empfahl sich für zukünftige Aufgaben

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Einer der undankbarsten Jobs dieser Tage in der NHL ist sicherlich der zwischen den Pfosten bei den Colorado Avalanche. Das nach Punkten (28) mit Abstand schlechteste Team der Liga zählt in der laufenden Saison nicht zu den begehrtesten Adressen für Torhüter. Mit lediglich 13 Siegen nach 44 Saisonspielen und insgesamt 148 Gegentore stehen die Chancen, sich bei den Avalanche in das Rampenlicht zu spielen vergleichsweise dürftig.

Mit dem 21-jährigen Spencer Martin durfte am Samstag beim Gastspiel in San Jose mit ein absoluter NHL-Frischling für die Avalanche debütieren. Weil Semyon Varlamov wegen einer verschleppten Erkältung über das All-Star-Wochenende pausieren wird, erhielt Martin den Ruf aus der American Hockey League. Um es vorweg zu nehmen, er machte seine Sache gegen die Stanleycup-Finalisten des vergangenen Jahres hervorragend und sicherte seinem Team, das sich mit 3-2 in der Overtime geschlagen geben musste, mit 27 Saves den ersten Punkt seit dem 6. Januar.

Gleichwohl rückte das Endergebnis für den am 8. Juni 1995 in Oakville, Ontario geborenen Keeper in den Hintergrund.

"Das war bis jetzt das größte Spiel meines Lebens. Ich werde es nie vergessen", erklärte Martin nach der Niederlage. "Ich bin sehr jung und überglücklich, gespielt zu haben. So eine Möglichkeit mit erst 21 zu bekommen ist großartig. Ich muss sagen, dass es sich wie eine sehr lange Zeit anfühlte, die ich davon träumte, in der NHL zu spielen."

Frischling Martin strahlte in seiner NHL-Premiere eine verblüffende Ruhe aus und blockte im Eröffnungsdrittel acht, im Mittelabschnitt zehn und im Schlussdrittel sieben Schüsse. Auch in der Overtime verkörperte er den nötigen Rückhalt für sein in den letzten Monaten regelrecht gebeuteltes Team. 3:44 Minuten vor Ablauf der Verlängerung stoppte er erst einen platzierten Schuss von Logan Couture mit der Fanghand, doch der unglückliche Abpraller landete direkt vor der Kelle von Verteidiger David Schlemko. Dass dieser nicht lange fackelte und Martin in der entscheidenden Phase des Spiels das Nachsehen gab, wollte jedoch auch Headcoach Jared Bednar seinem Schützling nicht anlasten.  

"Ich finde Spencer Martin im Tor großartig für uns. Er wirkte das ganze Spiel über ruhig und cool", lobte Bednar seinen Debütanten.

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Liganeuling seine Sache im Tor derart gut macht, wie Martin. Kaum ein Keeper schaffte es in der Saison 2016-17 bei seinem ersten Start von Beginn an, einen Sieg zu landen. Einzig Anthony Stolarz von den Philadelphia Flyers vollbrachte bislang dieses Kunststück. Am 27. November steuerte er Heimsieg gegen die Calgary Flames 32 Saves bei. Lediglich drei Gegentore ließ er beim 5-3 durchrutschen.

Häufig halten die ganz jungen Keeper dem Druck nicht stand und brechen aufgrund von Nervosität ein. Martin vollbrachte es, den Druck in Spaß umzuwandeln und ließ sich auch vom ersten Gegentor nach 5:36 Minuten durch Joel Ward nicht aus der Ruhe bringen.

"Das war der größte Kick meines Lebens", erklärte Martin. "Die ersten Minuten waren hart, aber dann habe ich mich eingewöhnt."

Ob sich Martin schon im Rückspiel gegen San Jose am Montag weiter an die Liga gewöhnen darf, wollten die Trainer noch nicht preisgeben. Ob nun Martin erneut den Vorzug vor Calvin Pickard erhalten wird, ist noch nicht endgültig geklärt. Fest steht jedenfalls für die Verantwortlichen, dass sie in naher Zukunft beiden vermehrt Eiszeit geben wollen.

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