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Erinnerungen an spektakuläre Penaltyschießen

Es gab noch längere Shootouts in der NHL als die elf Runden zwischen den Devils und Bruins am Mittwoch

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Im Normalfall ist ein Penaltyschießen, der sogenannte Shootout im Englischen, nach drei Runden mit maximal sechs Schützen beendet. Allerdings findet er gelegentlich, bei Tor-Gleichstand, seine Fortsetzung bis die Entscheidung zu Gunsten einer Mannschaft gefallen ist.

Die NHL hat diese Form der Entscheidungsfindung, da sie keine Unentschieden mehr zulassen wollte, zu Beginn der Saison 2005/06, unter großen Diskussionen des Für und Widers eingeführt. Seitdem im Jahr 2015 vom 4-gegen-4-Format auf das 3-gegen-3-Format in der Verlängerung umgestellt wurde, gehen ohnehin weniger Spiele in den Shootout.

Dabei kann diese Art der Spielentscheidung durchaus spektakulär sein, wie die Partie der Boston Bruins bei den New Jersey Devils am Mittwoch unter Beweis stellte. Erst in der elften Runde des Penaltyschießens sorgte Rookie Verteidiger Charlie McAvoy für den 3:2-Sieg der Gäste im Prudential Center.

Video: McAvoy, Bruins setzten sich in der 11. SO-Runde durch

Für die Devils traf nur ihr erster Schütze Taylor Hall und in der zweiten Runde David Pastrnak für die Bruins. Alle weiteren Versuche scheiterten, da sie die Torleute Anton Khudobin und Corey Schneider abwehrten, weil sie daneben oder an den Pfosten gingen, bis McAvoy als insgesamt 22. zu seinem ersten Penalty überhaupt anlief und den Bruins einen Sieg bescherte.

Erinnerungen an die bisher längsten Shootouts in der Geschichte der NHL wurden wach. Am 17. Dezember 2014 duellierten sich die Florida Panthers und die Washington Capitals über sage und schreibe 20 Runden, ehe Nick Bjugstad im 40. Versuch den zweiten Punkt der Panthers zum 2:1 sicherstellte, indem er Capitals Torhüter Braden Holtby auf der rechten Seite bezwang.

Es war das sechste Tor von Florida im Shootout - was ebenfalls eine Bestmarke darstellte -das die ebenso passablen fünf Treffer von Washington übertrumpfte. Jussi Jokinen, Dave Bolland, Derek MacKenzie, Sean Bergenheim und Dylan Olsen waren für Florida neben Bjugstad erfolgreich gegen Holtby angetreten.

Am vorherigen Längen-Rekord waren ebenfalls die Capitals beteiligt. Sie unterlagen am 26. November 2005, kurz nach der Einführung des Shootouts, den New York Rangers in 15 Runden.

Der entscheidende Torschütze war in diesem Fall besonders frech: Marek Malik nahm den Puck zwischen die Beine, steckte den Schläger hindurch und schoss die Scheibe, hinter seinen Bewegungsapparaten, an dem verdutzten Capitals Torhüter Olaf Kolzig vorbei, ins rechte obere Toreck. 

"Es ist schwer zu glauben, dass sich die Leute heute immer noch daran erinnern und dieses Tor Revue passieren lassen", sagte Malik im vergangenen Jahr zum elften Jahrestag dieser Partie. "Das macht mich stolz und glücklich, wenn die Fans nach einer so langen Zeit noch daran denken. Denn wir versuchen Eishockey für die Fans zu spielen."

Video: Marek Malik schiebt den Puck spektakulär ein

Den Mannschaften und ihren Trainern ist durchaus bewusst, dass es im Shootout um wichtige Punkte geht, die am Ende der regulären Saison den Ausschlag geben können. Deswegen wird gerade in solchen langen Szenarien, wie oben geschildert, gut überlegt, wer auf das Eis geschickt wird. Alle Teams haben ihre Standardschützen, sind aber nicht unbedingt auf mehrere Runden eingestellt sind.

 

Rangers Trainer Tom Renney hatte 2005 mit der Wahl von Malik Glück, auch wenn der Coach betont, dass es eine rein spontane Entscheidung war: "Ich habe Jungs gesehen, die nur noch auf den Boden blickten, weil sie nicht schießen wollten und andere haben mich angestarrt und auf ihre Chance gewartet. Von Runde zu Runde wurde es schwieriger. Malik war vielleicht der Einzige, bei dem ich mir nicht sicher war (lacht), aber irgendetwas in mir sagte, nimm ihn."

Je länger es geht, desto schwieriger wird es, bestätigte genauso Devils Trainer John Hynes nach dem Spiel am Mittwoch. "Die Leute haben viele Meinungen über das Shootout, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen", betonte er. "Wir schicken nicht nur irgendjemand auf das Eis damit er dort steht. Wir haben fünf Schützen, von denen wir aus der Statistik wissen, dass sie bei Penaltys gut sind. Anschließend gehen wir unsere Liste, mit den Namen derer, die Erfahrung haben, die auch schon Erfolg hatten und wer eben nicht, durch."

Bei allem bleibt festzuhalten, dass sich das Verfahren, obwohl es zu weniger Shootouts durch mehr Entscheidungen in der Verlängerung kommt, mittlerweile in der NHL bewährt hat und für spektakuläre Momente sorgt, an die sich viele noch lange erinnern.

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