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Sparsam und erfolgreich

von Bernd Roesch / NHL.com

Um sportlich erfolgreich zu sein braucht man gute Spieler, gute Spieler kosten aber eine Menge Geld und dieses steht dem General Manager eines NHL-Teams nur begrenzt zur Verfügung. Er hat nicht nur die Einnahmenseite zu betrachten, sondern erschwerend kommt hinzu, dass er auch auf den Salary Cap Rücksicht nehmen muss. Die Gehaltsobergrenze eines jeden Teams beträgt für die kommende Saison US$ 71,4 Millionen. Die beiden Stanley Cup Finalisten der vergangenen Saison, die Tampa Bay Lightning und die Chicago Blackhawks, liegen genauso über dem Salary Cap wie die Detroit Red Wings. Nur wenig Luft nach oben und damit kaum noch Handlungsspielraum haben die Philadelphia Flyers und die San Jose Sharks, also zwei Mannschaften, die trotz eines teuren Kaders im Frühjahr sogar den Playoffeinzug verpasst hatten.

Ein Beispiel, dass man auch sportlichen Erfolg feiern kann ohne das maximal mögliche an Spielergehältern auszugeben, waren in den letzten Jahren vor allem die Anaheim Ducks. Seit 2005 verpassten die Ducks nur zweimal die Playoffs (2010, 2012). Die Kalifornier belegten, punktgleich mit den St. Louis Blues, in der Saison 2014/15 den ersten Platz in der Western Conference und mussten sich in den anschließenden Stanley Cup Playoffs erst im Conference Finale den Blackhawks geschlagen geben. Obwohl Ducks General Manager Bob Murray für die anstehende Saison bereits 22 Spieler unter Vertrag hat, haben seine Ducks in der Summe den drittniedrigsten Etat für Spielergehälter. Laut war-on-ice.com gibt Anaheim bisher durchschnittlich US$ 2.509.886,- pro Spieler aus. Als einziges Team der Liga zahlen nur die Buffalo Sabres im Schnitt marginal weniger (US$ 2.434.459,-), und wie allseits bekannt befinden sich die Sabres, der Tabellenletzte aus der vergangenen Saison, im Neuaufbau.

Wie schaffen das nur die Ducks? Betrachtet man das Gehaltsgefüge ihres Kaders im Detail stellt man fest, dass kein anderes NHL-Team so wenig Geld für seine Torhüter ausgibt wie die Ducks. Anton Khudobin und Frederik Andersen erhalten kommende Saison zusammen US$ 3,4 Millionen. Es gibt in der Liga 31 Torhüter die mehr verdienen werden als Khudobin und sogar 45 mit einem höheren Einkommen als Andersen.

Anaheims Großverdiener sind ihre zwei Superstars Corey Perry (US$ 8,625 Mill.) und Ryan Getzlaf (US$ 8,250 Mill.), die mit ihrem jeweiligen Salär unter den Top 10 in der NHL stehen. Auch Center Ryan Kesler schlägt noch mit US$ 5 Millionen zu Buche, doch dann klafft auch schon eine Lücke zu Andrew Cogliano (US$ 3 Millionen). Ducks Chefcoach Bruce Boudreau schafft es, zusammen mit seinem Trainergespann, immer wieder junge Spieler, die teilweise noch über einen Entry Level Kontrakt verfügen, in die Mannschaft zu integrieren. Center Rickard Rakell (US$ 894.167) gelang 2015/16 der Durchbruch. Der 22-Jährige brachte es auf neun Tore und 22 Assists in 71 Spielen. Auch der junge tschechische Linksaußen Jiri Sekac (US$ 925.000,-), der am 24. Februar aus Montreal kam, fand sich umgehend in Anaheim zurecht. Zwei Tore und fünf Assists betrug die Ausbeute des 23-jährigen Rookie in 19 Saisonpartien für die Ducks. Erneut eine ganz starke Saison bestritt Verteidiger Hampus Lindholm, dessen Grundgehalt in der kommenden Saison US$ 894.167,- beträgt. Der 21 Jahre alte Schwede entwickelte sich zu einer festen, unverzichtbaren Größe in der Defensive der Ducks und das nicht nur wegen seiner 34 Punkte (7 Tore, 27 Assists) in 78 Partien. Mit einem +/-Wert von +25 lag Lindholm teamintern ganz vorne.

Anaheims offensivstärkster Verteidiger war im vergangenen Jahr Sami Vatanen (US$ 1.262.500,-) mit 12 Toren und 25 Vorlagen in 67 Spielen. Kein einziger Blueliner der Ducks wird nächste Saison mehr als US$ 4,6 Millionen erhalten. Spitzenverdiener ist ihr Neuzugang aus Vancouver, Kevin Bieksa, gefolgt von Cam Fowler (US$ 4 Millionen).

Sicherlich wird das Management der Anaheim Ducks bis zum Saisonstart noch etwas Geld in die Hand nehmen müssen. Mit zwei Restricted Free Agents stehen sie noch in Vertragsverhandlungen. Anaheims viertbester Scorer war in der abgelaufenen Saison Jakob Silfverberg mit 13 Treffern und 26 Assists. Die Dienste des schwedischen Flügelstürmers, der vergangene Spielzeit noch für US$ 850.000,- auf Punktejagd gegangen war, dürften bei weitem nicht mehr so günstig zu bekommen sein. Auch Silfverbergs Landsmann Carl Hagelin, er verdiente zuletzt bei den New York Rangers US$ 2,250 Millionen, wird noch auf der Gehaltsliste der Ducks auftauchen. Trotzdem können die Südkalifornier, was ihre Finanzen betrifft, ganz entspannt der Saison 2015/16 entgegen sehen.

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