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Spannung bis zum Schluss

von Bernd Roesch / NHL.com

Koffer packen für die Sommerferien oder beim Saisonhöhepunkt dabei sein? Zehn Mannschaften stellen sich diese Frage eine gute Woche vor Beginn der Stanley Cup Playoffs. Die New York Islanders benötigen aus ihren drei Partien nur noch einen Zähler, um sich als fünftes Team für die Playoffs in der Eastern Conference zu qualifizieren. Eng geht es zwischen den punktgleichen Boston Bruins, Detroit Red Wings und Pittsburgh Penguins sowie den Ottawa Senators zu, die sich um die verbleibenden drei Tickets streiten. Die Senators vergaben am Sonntagabend die Riesenchance bis auf einen Zähler an das Trio aufzuschließen: Sie verloren beim Tabellenvorletzten Toronto nach Penaltyschießen mit 2-3. Ottawas Schlussmann Andrew Hammond sprach anschließend davon, dass sie nun ihre gesamte Energie in die ausstehenden drei Spiele, "allesamt Pflichtsiege", stecken müssen.

Ihre Hoffnungen auf eine Playoffteilnahme begraben mussten die Florida Panthers nach den zwei Heimpleiten am Wochenende gegen die Tampa Bay Lightning (0-4) und Montreal Canadiens (1-4). Ein persönliches Erfolgserlebnis feierte Floridas Altstar Jaromir Jagr: Der 43-Jährige steuerte dem 6-1 Heimtriumph seiner Panthers ein Tor und eine Vorlage bei und belegt in der ewigen Scorerliste der NHL mit 1798 Scorerpunkten (721 Tore, 1077 Assists) den vierten Platz zusammen mit Ron Francis (549 Tore, 1249 Assists). Jagr erzielte seit seinem Wechsel von den New Jersey Devils zu den Panthers in 16 Partien beeindruckende fünf Tore und neun Assists.

Die Tampa Bay Lightning sicherten sich bereits am Montag, durch einen 5-3 Auswärtserfolg bei den Canadiens, zum achten Mal in ihrer Teamhistorie einen Playoffplatz. Gleichzeitig stellten sie mit ihrem 47. Saisonsieg eine neue Franchisebestmarke auf. Die Lightning entschieden in der laufenden Saison alle fünf Begegnungen gegen den frankokanadischen Divisionsrivalen für sich. Die Canadiens unterlagen vor über 30 Jahren zum letzten Mal einem Ligakonkurrenten in jedem Saisonaufeinandertreffen, wenn sie mindestens fünf Mal gegen ihn angetreten waren (1983/84 geg. Buffalo 8-0-0).

Am Sonntagabend durften sich auch die Washington Capitals über ihre Playoffteilnahme freuen. Sie bezwangen die Red Wings in der Joe Louis Arena von Detroit mit 2-1 Toren und sprangen damit auf Platz 2 in der Metropolitan Division. Evgeny Kuznetsov und Mike Green sorgten für die Treffer der Gäste zur letztendlich vorentscheidenden 2-0 Führung. Washingtons Topstar Alexander Ovechkin gelang in dieser Partie kein Tor. Er hatte schon Anfang und Mitte der Woche die Blicke auf sich gelenkt: Am Dienstag, beim 4-2 Heimsieg über die Hurricanes, schoss er sein 50. Saisontor, zwei Tage später gegen die Canadiens (5-4 SO) folgten seine Saisontreffer 51 und 52. Ovechkin überholte mit mittlerweile 474 Toren für die Capitals den bisherigen Franchiserekordhalter Peter Bondra (472 Tore). Auch Ovechkins Teamkollege Braden Holtby steht kurz davor sich in die Franchisegeschichtsbücher einzutragen. Dem 25-jährigen Schlussmann fehlen noch zwei Erfolge um die Bestmarke von 41 Siegen des deutschen Torwarts Olaf Kolzig aus der Saison 1999/00 zu knacken.

Nicht weniger spannend gestaltet sich der Saisonendspurt in der Western Conference. Es ist noch vakant, wer die verbleibenden vier Playoffplätze einnehmen wird. Die Vancouver Canucks (95 Pkt.), Calgary Flames (93), Minnesota Wild (96), Los Angeles Kings (92) und Winnipeg Jets (92) erheben Anspruch darauf, wobei die drei Letztgenannten noch ein Spiel mehr in der Hinterhand haben. Der Dreikampf um die Führung in der Central Division spitzt sich zwischen den St. Louis Blues (105), Nashville Predators (104) und Chicago Blackhawks (102) zu. Die Blues sorgten für die unterhaltsamste, und torreichste, Begegnung der vergangenen Woche. Am Freitag lieferten sie sich einen offenen Schlagabtausch mit den Dallas Stars. In der kuriosen Partie schafften es beide Mannschaften einen 2-Tore Rückstand aufzuholen und in eine 2-Tore Führung zu verwandeln. Anfang des zweiten Drittels gingen die Blues mit 3-1 in Front, dann zogen die Hausherren mit vier Treffern auf 5-3 davon, ehe St. Louis weitere viermal zum 7-5 Endstand zuschlug. Vier der insgesamt 13 Tore fielen innerhalb von 49 Sekunden - NHL-Rekord! Jaden Schwartz steuerte dem Auswärtserfolg der Blues seinen zweiten Saisonhattrick bei.

Am gleichen Abend konnte auch ein Spieler der Blackhawks für Furore sorgen: Die Blackhawks lagen beim Tabellenletzten der Liga, den Buffalo Sabres, mit 2-3 hinten, als noch 103 Sekunden auf der Uhr standen. Dann fasste sich Jonathan Toews ein Herz, schlug innerhalb von 47 Sekunden doppelt zu, und Chicago feierte seinen vierten Sieg in Folge. In der Geschichte der NHL ist es vor Toews erst vier Spielern geglückt mit zwei Toren in den letzten zwei Minuten der regulären Spielzeit eine Partie noch zu drehen: Bruins Vic Stasiuk am 21. März 1959, Rangers Anders Hedberg am 26. Oktober 1980, Canadiens Vincent Damphousse am 6. Januar 1997 und Kings Vladimir Tsyplakov am 20. Januar 1998.

Und wie schlugen sich die Jungen?

Flames Stürmer Sean Monahan erzielte am Donnerstag den Ehrentreffer in der Partie gegen die Blues (1-4). Er knackte damit als jüngster Spieler in der Geschichte der Flames die 30-Tore Marke in einer Saison. Noch keine 21 Jahre alt, schafften das vor ihm nur Kevin LaVallee (32 in 1981/82) und Dan Quinn (30 in 1985/86).

Predators Stürmer Filip Forsberg lieferte sich mit Flames Johnny Gaudreau einen spannenden Fernkampf in der Rookie-Scorerwertung. Gaudreau (22-39-61) legte mit einem Tor und zwei Assists gegen Dallas und St. Louis Anfang der Woche vor und Forsberg (24-37-61) schloss am Samstag mit einem Tor und einer Vorlage auf. Über ihren ersten NHL-Treffer jubeln durften Bruins Zach Trotman sowie die beiden Devils Stefan Mattea und Reid Boucher.

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