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Nicht zu sicher fühlen, heißt die Devise

Das Rennen um die Playoff-Plätze ist spannend wie selten, kurzfristiger Erfolg kann zu trügerischer Sicherheit führen.

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

NHL.com/de beleuchtet jeden Dienstag der regulären Saison 2019/20 aktuelle Trends in der Liga und Storylines. In dieser Ausgabe geht es um trügerischen kurzfristigen Erfolg in der NHL.

Eigentlich müssten die Fans der Calgary Flames gerade völlig aus dem Häuschen sein. Ihr Team hatte zu Beginn des neuen Jahres einen guten Lauf, der die Flames sogar bisweilen an die Spitze der Pacific Division katapultierte. Dem talentierten Team um Johnny Gaudreau winkt nicht nur die Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs, sondern dafür auch eine extrem gute Ausgangssituation. Doch der Schein trügt. Die Leistungsdichte in der NHL ist so hoch wie lange nicht. Die Liga ist dermaßen ausgeglichen, dass zum Wochenstart Calgary und die Arizona Coyotes mit je 55 Punkten an der Spitze der Pacific Division liegen. In Lauerstellung sind die Vancouver Canucks mit nur einem Zähler weniger. Die Vegas Golden Knights sind punktgleich dahinter.

Und die Edmonton Oilers mit den Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid? Die müssen im Moment zittern. "Nur" 53 Punkte haben die Oilers auf dem Konto. Das ist in dieser engen Liga derzeit gerade mal gut genug für den zweiten Wild Card-Platz in der Western Conference, trotz des wohl besten Sturmduos. 

Video: NYR@EDM: Draisaitl verwertet Puck im Powerplay

Die Oilers sind so etwas wie das Paradebeispiel dafür, was einer Mannschaft in der NHL dieser Tage passieren kann, wenn man sich eine Schwächephase erlaubt. Klar, Draisaitl und McDavid sorgen immer noch für ein spielerisches Highlight nach dem anderen. Aber dem Team nützt das nichts. Was den Oilers gerade fehlt, ist eine Siegesserie, wie sie die Flames zum Jahresstart hingelegt haben. Fünfmal in Serie verließen sie als Gewinner das Eis. Und das schlägt sich jetzt eben auch in der Tabelle nieder. 

Doch bei so einem engen Tabellenstand ist die Ruhe trügerisch. Buchstäblich mit jedem Spieltag kann es in der Pacific Division einen neuen Spitzenreiter geben. Wer sich auf dem Erfolg des vergangenen Abends ausruht und in Sicherheit wiegt, kann sich zwei Tage später außerhalb der Playoff-Plätze wiederfinden. Konstanz ist daher das Zauberwort. Wenn schon nicht zwei Punkte zu holen sind, dann doch wenigstens einer. Die Ausgeglichenheit in der NHL lässt die Definition von Erfolg verschwimmen. 

Die Gemengelage in der Liga führt aber auch dazu, dass Teams, die im Moment noch scheinbar deutlich außerhalb der Playoff-Ränge stehen, sich doch noch Hoffnungen darauf machen dürfen, im Frühjahr mitmischen zu dürfen, wenn die heiße Phase der Saison beginnt. Um einen solchen Kandidaten zu finden, schaut man am besten wieder in die Pacific Division. Die San Jose Sharks liegen quasi seit Beginn der Spielzeit 2019/20 außerhalb der Playoff-Plätze. Doch Vorsicht! Die Sharks haben einen exquisit bestückten Kader. Martin Jones ist einer der besten Torhüter in der Liga. Die Verteidigung ist mit Brent Burns und Erik Karlsson überdurchschnittlich besetzt. Und die Offensive mit dem Schweizer Timo Meier, Tomas Hertl, Logan Couture, Evander Kane und Kevin Labanc genügt ebenfalls höchsten Ansprüchen. Hinzu kommen noch die beiden Veteranen Joe Thornton und Patrick Marleau. Wenn die Sharks ihren Rhythmus finden, wird es unheimlich schwer, sie zu stoppen. 

 

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Da kommt der Faktor Zeit ins Spiel. Denn die läuft den Sharks womöglich davon. Sieben Punkte haben sie Rückstand auf die Edmonton Oilers. Und die sollten sie möglichst rasch aufholen. Denn am 24. Februar ist in der NHL Trade Deadline. Bis dahin hätten die Verantwortlichen aller Teams gerne Klarheit, wohin die Reise in dieser Saison geht. Die General Manager der Teams, die auf der Kippe stehen, müssen sich entscheiden: Riskiere ich etwas und hole noch einen Spieler, der uns womöglich noch in die Playoffs führt? Mache ich gar nichts und warte einfach ab? Oder erkläre ich die Saison quasi für beendet und tausche meine besten Spieler ein, zum Beispiel für Draftpicks und starte den Wiederaufbau des Teams? 

Der Salary Cap setzt dem natürlich Grenzen. Die Teams aus den wirtschaftlich potenteren Standorten können schon lange nicht mehr zur Trade Deadline einfach nach Belieben das Geld raushauen. Aber darf man sich die Gelegenheit entgehen lassen, einen Superstar zu bekommen? Die Arizona Coyotes haben diese Frage schon beantwortet und sich weit vor Ende Februar die Dienste von Taylor Hall gesichert und damit auch schon früh ein Zeichen in Richtung Konkurrenz geschickt: Mit uns ist in dieser Saison zu rechnen. Wir haben viel vor.

Das hatten auch wie schon erwähnt die Sharks. Ob sie zur Trade Deadline Käufer oder Verkäufer sind? Damit könnte das Schicksal von Thornton und Marleau verknüpft sein. Denn sollte in Sachen Playoffs nichts mehr gehen in Nord-Kalifornien, suchen die beiden Veteranen vielleicht bei einem anderen Team ihr Glück? Gerade relativ junge Teams könnten da genau hinschauen. Aber eine Chance auf den Stanley Cup sollten sie schon haben. Suchen sich die beiden in ihrer vielleicht letzten Saison im Zweifel auf der Zielgeraden neue Arbeitgeber auf der Jagd nach dem ultimativen Preis?

Doch nicht nur in der Pacific Division ist der Kampf um die Playoff-Plätze in vollem Gange. In der Metropolitan Division hatten die Washington Capitals vor dem 2:0-Sieg gegen die Carolina Hurricanes am Montag zwei Spiele in Folge verloren. Die Pittsburgh Penguins haben dreimal nacheinander gewonnen. Und schon sind Dominik Kahun und die Penguins nur noch sechs Punkte hinter den Capitals im Kampf um die Tabellenführung in der Division. Die New York Islanders sind ihrerseits nur drei Zähler hinter den Penguins in Lauerstellung. Und dahinter sind weitere drei Mannschaften, die Hurricanes, Philadelphia Flyers und Columbus Blue Jackets, lediglich eine kleine Siegesserie davon entfernt, den Islanders auf die Pelle zu rücken. 

In der Atlantic Division haben sich die Boston Bruins etwas abgesetzt. Die Tampa Bay Lightning, Toronto Maple Leafs und Florida Panthers streiten sich dahinter um die nächsten beiden sicheren Playoff-Ränge. In der Central Division ist Titelverteidiger St. Louis Blues dem Rest etwas enteilt. Doch den Zweiten, die Dallas Stars, und den Letzten, die Chicago Blackhawks, trennen lediglich zehn Punkte. 

Natürlich gibt es Mannschaften, die schon an die nächste Saison denken. Die Detroit Red Wings, Ottawa Senators, Anaheim Ducks und Los Angeles Kings können schon für die kommende Runde planen. Aber womöglich greifen sie doch in irgendeiner Form in das Rennen um den Cup ein? Der Name Tyler Toffoli fällt immer wieder, wenn es darum geht, dass sich potenzielle Playoff-Teams das letzte fehlende Puzzleteil holen, um den Stanley Cup zu gewinnen. Doch die Los Angeles Kings werden im Fall des Falls für den Flügelstürmer einen entsprechenden Gegenwert aufrufen. 

Freuen dürfen sich die Fans. Der Kampf um die Plätze in der K.o.-Runde bleibt wohl spannend bis zum letzten Spieltag am 4. April, wenn außer Columbus 30 der 31 Mannschaften im Einsatz sein werden.

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