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SJS-STL: Ein Playoffsieg ist immer gerecht

von Bernd Roesch / NHL.com

Kann Sport ungerecht sein? Kann es in einer Sportart, in der erzielte Punkte oder Tore über Sieg oder Niederlage entscheiden, einen Gewinner geben, der den Erfolg nicht verdient gehabt hätte? Diese Fragen stellen sich am Tag nach einer Niederlage manchmal Verantwortliche, jedoch noch häufiger die Anhänger unterlegener Mannschaften. Die Antwort darauf lautet selbstverständlich - nein. Es gibt keinen unverdienten Sieger, wenn die Partie korrekt, dem Regelwerk entsprechend, abgelaufen ist. Ein Sieg kann jedoch glücklich zustande gekommen sein - das ist wahr. Manchmal liegen eben nur Millimeter zwischen himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt.

Am Sonntag in Spiel 1 des Western Conference Finales zwischen den St. Louis Blues und den San Jose Sharks waren die Gäste aus Kalifornien über weite Strecken das spielerisch dominante Team gewesen, doch das Eis des Scottrade Centers durften am Ende die Blues mit 2-1 Toren als Sieger verlassen. Mit einem mehr oder weniger leistungsgerechten 1-1 Remis waren die Kontrahenten in das zweite Drittel gestartet, in dem sich die Sharks ein Torschussverhältnis von 16 zu 5 herausspielen konnten - Zählbares, in Form eines Tores, brachten jedoch nur die Hausherren in diesem Spielabschnitt zustande. Den knappen 2-1 Vorsprung retteten sie in der noch verbleibenden guten halben Stunde über die Zeit und liegen nun in der Best-of-7 Serie mit 1-0 in Front.

Richtig brenzlig wurde es für die Blues in den letzten 182 Sekunden der Partie, als sich die Sharks dazu entschieden hatten ihren Schlussmann Martin Jones zu Gunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis zu nehmen. San Jose kam in dieser Phase des Spiels zu vier weiteren Torschüssen und traf zusätzlich einmal das Quergestänge - da war er wieder dieser Millimeter. Vielleicht hatten die Blues in dieser Szene Glück, oder war es doch eher das Geschick und Reaktionsvermögen ihres Schlussmanns Brian Elliott, der den Puck 2 1/2 Minuten vor Spielende an die Latte lenken konnte?

Trainer stellen sich nach einer Playoffpartie erst gar nicht die Frage, ob der Spielausgang dem Spielgeschehen gerecht wurde. Sie sind darauf fokussiert, das Gesehene zu analysieren und daraus ihre Rückschlüsse auf die anstehenden Aufgaben zu ziehen.

Blues Coach Ken Hitchcock war trotz des Sieges nicht damit einverstanden, wie sich seine Mannschaft in der heißen Schlussphase präsentiert hat: "Das kann doch nicht dein Ernst sein. Wir haben den Puck nicht mehr rausbekommen. Wir haben kein Bully gewonnen und ihn nicht rausgebracht. Das müssen wir regulieren, denn wir waren in diesem Punkt nicht gut genug. Wir hatten die Chance Zweikämpfe zu gewinnen, haben sie aber verloren. Das muss deutlich besser werden."

Hitchcock ist aber auch nicht entgangen, wie stark seine Jungs zuvor im Penalty Killing aufgetreten waren. Die letzten Spielminuten außen vor gelassen, standen die Blues dreimal für zwei Minuten mit einem Mann weniger auf dem Eis, und das gegen einen Gegner, der in seinen zwölf Playoffauftritten zuvor 31,0% seiner Powerplays mit einem Treffer abschließen konnte. Die Blues ließen nur fünf Torschüsse in den insgesamt sechs Minuten, die sie in Unterzahl waren, zu.

Das Lob ihres Trainers war ihnen damit gewiss: "Unsere Special Teams waren herausragend. Unser Powerplay war exzellent [David Backes hatte nach einer Viertelstunde bei Überzahl das 1-0 markiert] und unser Penalty Killing war noch besser. Darum haben wir gewonnen."

Es wurde nicht über Glück oder Pech philosophiert, wie in der einen oder anderen Sports Bar im Santa Clara County oder in Greater St. Louis, geschweige denn über Gerechtigkeit gesprochen - auch nicht von den Unterlegenen.

"Es war nicht gut, wie wir es umgesetzt haben. Man muss schon zugeben, dass sie uns das Leben schwer gemacht haben", analysierte Sharks Trainer Peter DeBoer das Gesehene ohne dabei zu vergessen nach vorne zu blicken, "Solche Abende haben wir in den Playoffs schon öfter gesehen und wir sind immer wieder zurückgekommen."

San Jose Verteidiger Brent Burns, der im Powerplay seiner Sharks insgesamt 5:43 Minuten Eiszeit bekommen hatte, sah nicht nur das Negative: "Wir haben kein Tor geschossen, doch wir hatten unsere Chancen. Wir müssen nun hier und da an den Schrauben drehen. Im ersten Spiel [einer Serie] siehst du erst einmal was die andere Mannschaft so macht, wie sie auftritt. Dann kommt es zu Korrekturen. Wir werden Veränderungen vornehmen, doch der Gegner hat auch das Recht dazu."

Und am Ende von Spiel 2, das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 2:00 Uhr MESZ erneut in St. Louis stattfinden wird, wird wieder ein gerechter Sieger feststehen, der sich, aus welchen Gründen auch immer, den Erfolg verdient hat, sich mit Recht darüber freuen darf, aber auch die noch auf ihn wartenden Aufgaben nicht vergessen wird - denn auch der Verlierer wird die Zeit bis zum dritten Aufeinandertreffen nicht mit Lamentieren verschwenden.

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