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Erstes kleines Endspiel gewonnen

Nach dem Sieg gegen die New York Rangers dürfen die Islanders noch immer von den Playoffs träumen

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Es war das so dringend notwendig gewordene sportliche Wunder für die New York Islanders. Trotz einer bis zur 40. Minute eher mäßigen Vorstellung, die Coach Doug Weight zu einem ungewöhnlichen Wutinterview gegenüber den TV-Kollegen veranlasst hatte, als das Team aus Long Island im Stadtderby gegen die New York Rangers noch mit 1:2 zurücklag, drehten die als Außenseiter in das Spiel gegangenen Vorstädter das Spiel am Ende noch, und gewannen schlussendlich knapp mit 3:2 Toren in Manhattan.

"Wir spielen einfach ziemlich schlecht. Das Team wirkt irgendwie doch recht unzureichend eingestellt und macht aktuell auch einfach zu viele Fehler in den unterschiedlichen Zonen auf dem Eis" wetterte der Übungsleiter noch im Mitteldrittel gegenüber den Kollegen. 

Zumindest riss sich seine Truppe dann im Schlussabschnitt ganz offensichtlich noch einmal ordentlich zusammen, und die Gäste drehten das Spiel mit viel Glück und Geschick, konnten sich auch auf einen herausragend aufgelegten Thomas Greiss im Kasten in dieser Phase vollauf verlassen. 

Andrew Ladd gab sich nach dem Spiel entsprechend zufrieden: "Das war natürlich ein sehr wichtiger Sieg für uns. Das Powerplay hat uns heute sehr geholfen, keine Frage. Zwei Treffer haben wir in Überzahl erzielt. Irgendwie haben wir noch einen Weg gefunden heute."

Defensivspezialist Dennis Seidenberg bekam vom Trainerteam in dieser richtungsweisenden Partie eine schöpferische Pause verordnet, war diesmal somit gar nicht im Kader.

Die letzten Tage hatten für Verunsicherung im Umfeld des Teams aus Brooklyn gesorgt. Unnötige und in dieser Form wohl auch ziemlich unerwartete Niederlagen in den letzten Tagen hatten die sportliche Situation vor dem Derby deutlich verschlechtert, die ursprünglich einmal recht rosige Aussicht auf einen Playoff-Platz fast schon platzen lassen. 

Video: NYI@NYR: Greiss rettet gegen Vesey

So gab es in der Vorwoche bekanntlich ein besonders bitteres 4:8 gegen die nicht mehr im Playoff-Rennen befindlichen Carolina Hurricanes. Und auch in den Heimspielen gegen die Winnipeg Jets und die Columbus Blue Jackets gab es keine Siege zu feiern. Lediglich ein Zähler gegen das Team aus Ohio wanderte auf die Habenseite der Weight-Truppe. Zu wenig, wenn man noch unter die acht Erstplatzierten im Osten gelangen will.

So gesehen war die jüngste Partie gegen die Rangers am Abend dann schon fast ein echtes Endspiel für Greiss & Co.. Doch so wirkte das Team über weite Phasen des Spiels dann leider gar nicht, was den Trainer offenbar so erzürnte, dass er vor laufender Kamera seinen Unmut kundtat.

Und was auch immer Weight dann in der letzten Pause sagte oder mit seinem Team machte, es fruchtete offenbar. Deutlich engagierter gingen die 'Isles' das Schlussdrittel im MSG an. So kam es dann doch noch zu einem glücklichen, aber auch gar nicht so unverdienten Sieg beim Erzrivalen.

Dafür sah man nach dem Derby die Fragezeichen dann in den Augen der Blueshirts, die ihrerseits die immerhin schon siebte Heimpleite in Folge wegzustecken hatten. Torschütze Rick Nash wirkte entsprechend frustriert nach der Begegnung im MSG: "Ich habe dafür aktuell so auch keine Erklärung. Es läuft derzeit daheim einfach irgendwie nicht. Und natürlich sind die Heimspiele immer ein sehr entscheidender Faktor. Und nun haben wir davon nur noch drei um uns das Momentum irgendwie vor den Playoffs noch zurückzuholen."

Dorthin wollen es die 'Isles' erst noch schaffen. Doch da an diesem Abend auch die Toronto Maple Leafs gleichzeitig in Columbus siegten, bleibt der Rückstand auf das erste große Saisonziel zunächst einmal noch weiterhin bestehen. 

Die Boston Bruins belegen nun aktuell den zweiten Wildcard-Platz im Osten der Liga. Der möglicherweise am Ende entscheidende Nachteil aus Sicht der Islanders könnte jedoch schlussendlich sein, dass die Bruins aktuell nur noch zwei Auswärtspartien auszutragen haben, den Rest ihres Hauptrundenprogramms jedoch in der heimischen Halle, im TD Garden, austragen dürfen. 

Können die New Yorker also so den aktuellen Rückstand, bei rund 10 Spielen Restprogramm noch aufholen? Natürlich! Grundsätzlich schon. Man hat ja schon die tollsten Dinge im Sport miterleben dürfen bzw. müssen. 
Doch dann muss es jetzt bei Seidenberg und seinen Mitspielern endgültig einen echten Lauf geben. Die Einstellung muss einfach passen, wenn man die durch die unnötigen Heimpleiten zuletzt aufgerissene Lücke in der Tabelle noch erfolgreich schließen will. 

Aussetzer wie sie auch die beiden Deutschen im Team, wie sie Greiss und auch Seidenberg zum Beispiel zuletzt häufiger mal mit dabei hatten, die sollten minimiert, möglichst komplett ausgeschlossen werden.

Video: NYI@NYR: Kulemins Scheibe wird doppelt abgefälscht

Schwächere Auftritte, wie der beider Torhüter im Heimspiel gegen Carolina, als sie phasenweise höhnisches Gelächter und Buhrufe über sich ergehen lassen mussten, oder auch der unglücklich aussehende Ausrutscher von Verteidiger Dennis Seidenberg wenige Tage später gegen Columbus, der in einem Gegentor mündete, als der Verteidiger ausrutschte und mit seinem Schläger recht hilflos wirkend, nach dem Puck stocherte, die dürfen in den nächsten Tagen so einfach nicht mehr vorkommen. 

So gesehen könnte auch die schöpferische Pause für Seidenberg noch entscheidend werden. Wenn er sie denn entsprechend sinnvoll für sich nutzen konnte. Ob der Plan seines Übungsleiters diesbezüglich wirklich aufgeht, das vermag aktuell natürlich noch niemand wirklich zu beurteilen.
Der doppelte Punktgewinn gegen die Rangers kann jedenfalls ohne Zweifel dabei mithelfen das angeschlagene Selbstbewusstsein wieder etwas reparieren.

Und vielleicht fällt ja auch Coach Weight in den nächsten Spielen dann im Notfall wieder ein Geheimrezept ein, eines mit dem er auch im Schlussdrittel Gestern für neue Leidenschaft und Kampfeswillen bei seinem Team sorgte. 
Es wird vermutlich irgendwann in den nächsten neun Ligaspielen noch einmal vonnöten sein, denn schon das nächste Spiel in der besten Eishockeyliga der Welt wird die New Yorker beispielsweise am Donnerstag bereits zum Titelverteidiger nach Pittsburgh führen. 

Und auch wenn die Penguins bekanntlich ja bereits für die Playoffs qualifiziert sind, geschenkt wird dem Gästeteam dort garantiert auch nichts. Will man die Endrunde also noch aus eigener Kraft erreichen, dann bedarf es nun wohl noch einiger kleinerer sportlicher Wunder.

Der Anfang für eine Aufholjagd wurde am Mittwoch jedenfalls im MSG erfolgreich gemacht. Ob es aber schlussendlich dann wirklich noch zu mehr noch reichen kann für Greiss, Seindenberg und Co, das werden erst noch die nächsten Tage erweisen müssen

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