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Sharks zwei Siege vom Cup Finale entfernt

von Nicholas Cotsonika / NHL.com



SAN JOSE --
Joe Thornton lehnte sich in seinen Stuhl zurück und dachte über folgende Frage nach: Ist das nun der Moment in seiner 18-jährigen NHL-Karriere, in der er dem Stanley Cup Finale am nächsten gekommen ist?

Zweimal hatte er mit den San Jose Sharks bereits das Finale um die Western Conference bestritten. 2010 bezogen sie in der Serie gegen die Chicago Blackhawks eine 0-4-Klatsche. Ein Jahr später verloren sie nach fünf Begegnungen gegen die Vancouver Canucks.

Auf einmal strahlte Thornton übers ganze Gesicht. Die weißen Zähne leuchteten inmitten seines buschigen graubraunen Vollbarts. "Ja, so nahe war ich wirklich noch nie dran", sagte er.

Die Sharks haben in den vergangenen Jahren sehr viel durchgemacht. Es gab hohe Erwartungen, bittere Enttäuschungen sowie viele Wechsel auf der Position des Mannschaftskapitäns und des Trainers. Nun stehen sie erneut im Conference Finale und sind nach überzeugenden Auftritten gegen die St. Louis Blues nur noch zwei Siege vom Einzug ins Finale um den Stanley Cup entfernt. Noch nie haben die Sharks seit Aufnahme des NHL-Spielbetriebs der Franchise in der Saison 1991-92 daran teilgenommen.

Wie gut waren die Sharks beim 3-0 in Spiel 3 am Donnerstag (Ortszeit) wirklich? So gut, dass die Fans im letzten Drittel die La-Ola-Welle zelebrierten. Sie, die so lange gelitten hatten, verspürten weder Angst noch Zweifel.

Die Sharks waren schon über weite Strecken von Spiel 1 das bessere Team gewesen, obwohl sie am Ende mit 1-2 verloren. Und sie dominierten auch die Spiele 2 und 3. Die Ergebnisse lauteten: 4-0 und 3-0. Goalie Martin Jones glänzte mit 48 Paraden und ist nun schon seit 150:45 Minuten ohne Gegentor. Das letzte kassierte er in der 30. Minute der ersten Partie.

Die Sharks übten in der Offensivzone mächtig Druck auf den Gegner aus. Sie ließen die Blues dabei oft alt aussehen. Sowohl die Top- als auch die Ergänzungsspieler der Sharks waren ihren Kontrahenten aus St. Louis überlegen.

"Puckbesitz, gute Raumaufteilung und klug vorgetragene Angriffe: Das ist unser Spiel", erläuterte Sharks-Stürmer Chris Tierney. "Wir setzen das einfach um, egal gegen welche Reihe es geht. Im Moment haben wir das nötige Selbstvertrauen."

Wenn die Sharks nicht in Scheibenbesitz sind, verstehen sie es, die Blues von der Gefahrenzone fernzuhalten und damit Schlussmann Jones das Leben leichter zu machen. Die Blues konnten nicht einmal dann ein Tor erzielen, als sie in Spiel 3 in den letzten fünfeinhalb Minuten den Goalie zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis nahmen. Den Blues gelangen in dieser Zeitspanne gerade einmal zwei Torschüsse. Acht Schüsse blockten die Sharks ab. Zu allem Überfluss aus Sicht der Blues handelte sich Alex Pietrangelo 45 Sekunden vor Schluss auch noch eine Zeitstrafe ein. Somit war die numerische Überlegenheit dahin.

"Ich denke, die Tiefe des Kaders ist unsere Stärke", führte Thornton weiter aus. "Die ist wirklich unglaublich dieses Jahr. Keiner von uns Stürmern muss 25, 26 Minuten auf dem Eis stehen. Alle kommen pro Einsatz so auf 17,18 Minuten. Außerdem haben wir mit Martin einen klasse Torwart. Wir lieben es, für ihn zu spielen."

San Jose hat eine Situation wie jetzt noch nicht erlebt. Dreimal standen die Sharks im Conference Finale – neben 2010 und 2011 auch 2004 gegen die Calgary Flames – und jedes Mal lagen sie in den Serien mit 0-2 zurück. Diesmal ist die Sachlage anders. Sie müssen nicht zurückschlagen, sondern liegen in Führung. Ohne Frage ein Verdienst des neuen Trainers Peter DeBoer und des von ihm um die Stützen Thornton, Patrick Marleau, Joe Pavelski, Logan Couture, Brent Burns und Marc-Edouard Vlasic geformten Teams.

"Ich denke oft mit Schrecken an die Conference Finals 2010 und 2011 zurück, in denen wir schnell hinten lagen. Da hat man das Gefühl, dass man sich aus einem Loch graben muss. Jedes Match wird zur Schlacht. Dieses Mal ist das anders. Jetzt kommen wir von vorne und sind voller Zuversicht", sagte Couture. Seiner Meinung nach wurden die Sharks die ganze Saison über unterschätzt. Ein Umstand, der ihnen durchaus entgegen kam.

Die mannschaftliche Geschlossenheit, die sich in diesem und dem Vorjahr herausgebildet hat, ist ein weiterer Erfolgsfaktor. "Wir hatten mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Das hat uns als Gruppe stärker zusammengebracht", sagte Couture dazu.

Mit dem Sieg in Spiel 3 haben die Sharks fraglos einen großen Schritt Richtung Stanley Cup Finale getan. "Aber es ist trotzdem noch ein langer Weg dorthin", warnte Kapitän Pavelski vor zu viel Übermut in der aktuellen Situation. Wie sein Teamkollege Thornton stand auch Pavelski bisher in keinem Stanley Cup Finale. "Man versucht nicht, darüber nachzudenken. Man konzentriert sich immer auf das nächste Spiel", so Couture.

Sollte in Spiel 4 der nächste Sieg gelingen, wären die Sharks um Pavelski, Thornton & Co. ihrem großen Traum erneut ein Stück näher gekommen als jemals zuvor.

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