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Ein Blick auf extreme Serien in der Geschichte

Die erste Saisonhälfte hatte viele spektakuläre Überraschungen zu bieten, doch ligahistorisch war das nicht allzu ungewöhnlich

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

An jedem Montag der Spielzeit 2017/18 wird NHL.com/de an dieser Stelle nach Themen suchen, die etwas abseits des täglichen Spielgeschehens liegen und die Themen beleuchten, die den Puls der Liga im Hintergrund bestimmen. Sportliche Krisen, ein intensiverer Blick auf die aktuellsten Themen der NHL, grundsätzliche Entwicklungen welche die Diskussionen derzeit bestimmen. Wir sorgen dafür, dass nichts davon unbeachtet bleibt.

Heute beschäftigen wir uns hier einmal näher mit den kuriosesten Team-Serien der Ligageschichte.

Die Hälfte der laufenden Hauptrunde wurde bereits absolviert. Und es war in diesem Jahr bisher erneut eine Phase der Extreme. Der recht schwache Start der New York Rangers und der Montreal Canadiens in die Saison überraschte uns fast alle, dann kam jedoch zeitnah die ebenso plötzliche Trendwende für beide. Im Vorjahr erregten Teams mit ungewöhnlichen Phasen ebenfalls große Aufmerksamkeit, so blieben zum Beispiel die Columbus Blue Jackets einmal ungewöhnlich lange 16 Begegnungen ungeschlagen, bevor sie wieder einmal mit hängenden Köpfen vom Eis mussten.

Doch die größte sportliche Überraschung der letzten Zeit überhaupt sind sicherlich die Vegas Golden Knights, die als Spitzenreiter der Western Conference die Liga aufgemischt haben, so wie es ihnen als Expansion-Team der NHL wohl niemand zugetraut hätte.

Durch ihr jüngstes 2:1 über die New York Rangers am Sonntag grüßen die Golden Knights nach 41 Spielen mit einer stolzen Bilanz von 29-10-2 und 60 Zählern von ganz oben, führen gar mit drei Zählern Vorsprung und haben dabei noch zwei Spiele in der Hinterhand gegenüber dem Tabellenführer der Central Division, den Winnipeg Jets. Durch den Erfolg über die New Yorker baute das Franchise seine Heimserie zudem auf jetzt sieben Erfolge in Serie aus. 

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Diese Zwischenbilanz in einen kurzfristigen historischen Kontext gesehen bedeutet, dass Vegas beim Vergleich mit den Stanley Cup-Siegern der letzten Jahre besser abschneidet. Im Jahre 2017 konnten die Pittsburgh Penguins zu diesem Zeitpunkt 57 Zähler vorweisen. Im Jahre 2016 hatten die Penguins 45 Punkte, die Chicago Blackhawks 2015 deren 56 und die Los Angeles Kings 2014 54 Zähler auf der Habenseite. Die Knights brauchen sich also aktuell hinter den Champions der vergangenen Jahre nicht zu verstecken.

Erfolgs- und Misserfolgsserien der jüngsten Zeit liegen langfristig gesehen jedoch nicht mehr allzu häufig in der Spitzengruppe. Viele der kuriosesten Serien sind inzwischen doch schon einige Jahrzehnte her und zeugen damit von Zeiten, wo die Liga noch nicht so ausgeglichen war wie in den letzten Jahren.

Das Salary Cap-System scheint in dieser Beziehung seiner Aufgabe gerecht zu werden, sorgt offenbar mehr und mehr dafür, dass ein Fan sich eigentlich vor keinem NHL-Spiel auch nur halbwegs mehr sicher sein kann, wie denn wohl der spätere Sieger heißen wird.

Die fünf längsten Serien in Sachen Erfolg und Misserfolg in der NHL-Geschichte stammen nämlich dementsprechend allesamt aus den 1970er- und 1980-er Jahren und dürften vermutlich so rasch nicht mehr gebrochen werden, wobei die damals möglichen Unentschieden hilfreich waren, weil diese Spiele nicht wie heute in der Verlängerung oder dem Shootout so oder so entschieden wurden.

In der Saison 1979/80 blieben die Philadelphia Flyers für unglaubliche 35 Spiele ohne Niederlage. Ihre Serie endete erst am 7. Januar 1980 mit einer deftigen 1:7-Klatsche gegen die Minnesota North Stars. Es war eine Saison in der die 'Broad Street Bullies' insgesamt sieben Spieler mit mehr als 100 Strafminuten auf dem persönlichen Konto hatten, in der sie mit einer Bilanz von 48-12-20 das punktbeste Team der Vorrunde wurden und sie das Stanley Cup-Finale erst gegen die New York Islanders verlorengeben mussten. Ken Linseman (79 Punkte), Reggie Leach (50 Tore) und Torhüter Pete Peters (2.73 GAA) führten das Rekordteam der NHL in Sachen ungeschlagener Spiele in Folge an.

Den entgegengesetzten Rekord halten die Winnipeg Jets. In der Spielzeit 1980/81 blieb das Franchise schier unglaubliche 30 Spiele hintereinander ohne einen einzigen Sieg. Bis heute ein einsamer NHL-Rekord. Kein Wunder also, dass das Team auch in Sachen Siege in dieser Hauptrunde am Ende im Frühjahr ganz hinten rangierte und in diesem Jahr lediglich insgesamt neun Spiele gewinnen konnte. Mit 24 Zählern Abstand zum Vorletzten belegte der Klub mit 9-57-14 den letzten Platz, nachdem die Truppe ein Jahr zuvor immerhin noch 20 Spiele gewinnen konnte.

Auf Rang drei in der Hitliste der längsten Erfolgs- und Misserfolgsserien der inzwischen 100-jährigen Ligageschichte rangiert mit Rekordmeister Montreal Canadiens ein Team, das Statistikfreunde in diesen Rubriken mit ziemlicher Sicherheit weit vorne erwartet haben, denn schließlich hatte Montreal in den 1970er-Jahren eine sehr dominante Phase und konnte hier sechs Stanley Cup-Titel, davon immerhin deren vier in Serie, feiern. Mit 28 ungeschlagenen Spielen hintereinander liegen die Canadiens der Spielzeit 1977/78 in dieser Wertung lediglich hinter den bereits zuvor erwähnten Flyers. Keine wirkliche Zauberei für eine Auswahl, die in diesen Jahren die Liga dominierte, gleich drei Art Ross-Trophäen, zwei Hart-, zwei Masterton-, fünf Vezina-, eine Calder, vier Conn Smythe-Trophäen, eine Norris-, zwei Selke-, drei Pearson- und eine Jack Adams-Trophäe erringen konnte. Montreal beendete die Hauptrunde mit einer Statistik von 59-10-11 und einer Tordifferenz von +176. Dominanzen, wie sie heutzutage sehr ungewöhnlich erscheinen.

Den zweiten Rang in Sachen Sieglos-Serien belegen übrigens die Kansas City Scouts des Jahres 1975/76. Damals konnte das Team 27 NHL-Spiele nicht als Sieger beenden. Zwei Jahre nach dieser Schmach siedelte das Team nach Colorado um und wurde dort zu den Rockies. Heute firmiert das Franchise übrigens unter dem Namen New Jersey Devils.

Die derzeit ambitioniert auftretenden Washington Capitals belegen in Sachen Erfolglosigkeit seit Jahrzehnten ebenfalls schon einen echten Spitzenplatz. In der Saison 1975/76 blieb das Team stolze 25 Spiele ohne Sieg. Mit einer Bilanz von 11-59-10 und einer Tordifferenz von -160 rangierte der Klub seinerzeit ganz hinten in der Liga. Zudem schrieb das Team mit lediglich sechs Heimsiegen über die komplette Runde Negativgeschichte in der NHL. Ihr Top-Stürmer Nelson Pyatt kam auf 26 Tore und 49 Punkte, 76 Zähler hinter Top-Scorer Guy Lafleur, der die Liga damals anführte.

Es ist festzuhalten, dass die genannten Top 5 allesamt aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren stammen. Erst die Siegesserie der Penguins auf Rang sechs ist zumindest etwas moderneren Datums. 

17 Siege in Folge, die Serie also an der die Blue Jackets im Vorjahr knapp scheiterten, konnten die seinerzeit noch von Legende Scotty Bowman trainierten Pens vor inzwischen auch schon 25 Jahren bejubeln. Mit Spielern wie Mario Lemieux (69 Tore, 160 Punkte in 60 Spielen), Ron Francis, Kevin Stevens, Rick Tocchet oder Larry Murphy im Kader verwundert das allerdings nicht wirklich.

So beeindruckend diverse Erfolgs- und Misserfolgsserien der verschiedenen Franchises in dieser Saison also tatsächlich waren, im historischen Kontext betrachtet scheinen sich diese statistischen Extreme in der NHL zuletzt eher verringert zu haben und die Ausgeglichenheit in der Liga scheint deutlich größer geworden zu sein. Und, seien wir mal ehrlich, das freut uns Zuschauer doch auch.

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