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Seidenbergs Jahr findet gutes Ende

Der Verteidiger steckt viele Rückschläge weg und liefert starke Serie im Dezember ab

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

Für Dennis Seidenberg hat ein wechselvolles Jahr 2016 ein gutes Ende gefunden. In den letzten fünf Begegnungen stellte er einmal mehr unter Beweis, dass er bei den New York Islanders zu den Leistungsträgern und in der NHL längst noch nicht zum alten Eisen gehört. Drei Assists und ein Wert von +8 in der Plus/Minus-Statistik aus diesen Partien stehen für ihn zu Buche. Beim 6:2-Sieg gegen die Winnipeg Jets an Silvester stand er bei drei Treffern seines Teams auf dem Eis.

Vergessen waren in diesem Moment die Nackenschläge, die der 35-jährige Verteidiger im abgelaufenen Kalenderjahr einstecken musste. Dazu zählten schwere Verletzungen und vor allem das vorzeitige Ende bei den Boston Bruins.

Bei der Franchise aus Massachusetts hatte Seidenberg das bisher erfolgreichste Kapitel seiner NHL-Laufbahn aufgeschlagen. 2011 gewann er mit den Bruins den Stanley Cup. Zwei Jahre später stand die Mannschaft mit dem Deutschen erneut in der Finalserie, zog dort jedoch gegen die Chicago Blackhawks den Kürzeren. 2014 war Boston das erfolgreichste Team nach der Hauptrunde.

In der Saison 2015-16 konnten sowohl Seidenberg als auch die Bruins nicht mehr an diese Glanzzeiten anknüpfen. Der gebürtige Schwenninger fehlte wegen eines Bandscheibenvorfalls zu Beginn und einer Leistenverletzung zum Ende der Hauptrunde für einige Wochen. Weil Boston die Playoffs verpasste, war die Spielzeit für den Defensivspezialisten vorzeitig beendet.

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Ende Juni erhielt Seidenberg einen Anruf von Bostons General Manager Don Sweeney mit einer bitteren Nachricht. Die Klubverantwortlichen hatten entschieden, künftig auf die Dienste des Routiniers zu verzichten und ihn aus seinem noch bis Sommer 2018 laufenden Vertrag herauszukaufen. Die Aussage Sweeneys, wonach sich der Verein die Trennung nicht leicht gemacht habe, war in diesem Moment nur ein schwacher Trost. Nach sechs Jahren fühlte sich die Familie längst heimisch in Boston und wollte eigentlich nicht weg aus der Stadt.

Seidenberg kämpfte um seinen Verbleib in der nordamerikanischen Profiliga. Einen Wechsel nach Deutschland - der EHC München bekundete ernsthaftes Interesse - schloss er aus. Seine Zukunft liege in der NHL, betonte er nachdrücklich. Als Free Agent machte er sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

Bei der Olympia-Qualifikation mit der deutschen Nationalmannschaft und beim World Cup of Hockey im September rührte er kräftig die Werbetrommel in eigener Sache. Vor allem die gelungenen Darbietungen mit dem Team Europa in Toronto weckten das Interesse bei den zahlreich im Publikum vertretenen Prokuristen der NHL-Klubs. "Der World Cup hat mir sehr geholfen. Im Laufe des Turniers fragten acht Teams bei mir an", sagte Seidenberg der Presse. Dabei waren die Islanders nach seinen Worten jedoch der einzige Verein, der ihm gleich ein konkretes Angebot machte. Die anderen wollten erst das Ende des World Cup abwarten. Um Klarheit für sich und seine Familie zu haben, sagte er den Verantwortlichen aus New York zu und unterschrieb einen mit einer Million US-Dollar dotierten Vertrag bis Sommer 2017.

Islanders-Coach Jack Capuano freute sich über Seidenbergs Verpflichtung. "Er bringt Erfahrung, Führungsqualitäten und Tiefe in unsere Mannschaft", sagte der Übungsleiter. Als zusätzlichen Pluspunkt wertete er, dass Seidenberg hinten s auf der linken und auf der rechten Seite spielen kann.

Der Neuzugang erfüllte die hohen Erwartungen. Von Beginn an lieferte Seidenberg starke Auftritte ab. Ihn traf keine Schuld, dass die Mannschaft im ersten Saisonviertel nicht in Schwung kam und frühzeitig den Anschluss an die Playoff- und Wildcard-Plätze verlor.

Gerade als die Islanders besser Tritt gefasst hatten, folgte ein herber Rückschlag. Im Match gegen die Florida Panthers am 13. November wurde Seidenberg von einem Puck im Gesicht getroffen und zog sich einen Kieferbruch zu. Eine Zwangspause für den Rest des Monats war die Folge. Am 1. Dezember feierte der Hüne aus dem Schwarzwald beim 3:0 gegen die Washington Capitals sein Comeback. Er stand fast 20 Minuten auf dem Eis, blockte drei Schüsse und verzeichnete zwei Hits. Auch in der Folge knüpfte er nahtlos an die guten Leistungen vor der Verletzung an.

Nach 29 Einsätzen hat Seidenberg 13 Punkte (vier Tore, neun Vorlagen) auf seinem Konto. In der vereinsinternen Plus-Minus-Statistik liegt er mit +17 souverän auf Platz eins. In ihrem ersten Match des neuen Jahres treffen die Islanders am morgigen Freitag auswärts auf die Colorado Avalanche. Die Aussichten, dass Seidenberg dabei seine persönliche Erfolgsserie von Ende Dezember fortsetzt, stehen nicht schlecht.

 

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