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Seidenberg: Ende nach über 900 Spielen

Dennis Seidenberg bleibt den New York Islanders auch nach dem Karriereende im Bereich Spielerentwicklung erhalten

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Nach 928 Partien in der NHL (reguläre Saison und Playoffs) war für Dennis Seidenberg Schluss. Der Deutsche beendete nun offiziell seine Profikarriere. Begonnen hat für Seidenberg alles in Villingen-Schwenningen. Hier wurde er am 18. Juli 1981 geboren, hier lernte er bei seinem Heimatklub Schwenninger ERC das Schlittschuhlaufen. Doch schnell war klar, dass Seidenberg zu Höherem berufen war. Im zarten Alter von 16 Jahren debütierte er im Kader der Schwenninger in der Zweiten Bundesliga. Das war in der Saison 1997/98. Zur Spielzeit 99/00 wechselte er dann zu den Adlern Mannheim. Zunächst spielte er dort bei den Jungadlern in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL). Doch bereits in dieser Spielzeit bekam Seidenberg seine ersten Einsätze in der Deutschen Eishockeyliga (DEL). 

Ab der Saison 2000/01 war er in der Verteidigung bei den Adlern gesetzt. In dieser Runde wurde er auch deutscher Meister mit den Adlern. Im Finale wurden die München Barons 3:1 bezwungen. Eine Saison schnürte Seidenberg danach noch die Schlittschuhe für das Team aus der Quadratestadt, doch Seidenberg hielt es nicht in Deutschland. Die NHL rief. 

 

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Die Philadelphia Flyers sicherten sich die Dienste des Verteidigers im Draft 2001. Seidenberg wurde in der sechsten Runde an insgesamt 172. Stelle gezogen. Sein Debüt in der besten Liga der Welt ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Sein erstes NHL-Spiel absolvierte er am 10. Oktober 2002 gegen die Edmonton Oilers. Sein erstes Tor in der NHL folgte wenige Wochen später - am 31. Oktober gegen die damals noch Phoenix Coyotes, passenderweise das Team, zu dem er von Philadelphia getradet wurde.

Das passierte am 20. Januar 2006. Bis dahin hatte er sich seine Einsätze hart erkämpfen müssen. Immer wieder ging es zum AHL-Farmteam der Flyers, damals die Philadelphia Phantoms. Mit diesen gewann er 2005 aber auch die Meisterschaft in der AHL, den Calder Cup. Gut 30 Einsätze standen in den ersten NHL-Jahren für Seidenberg jeweils zu Buche. Fest in einen NHL-Kader hatte er sich dann endgültig in seiner zweiten Saison bei den Carolina Hurricanes gespielt.

Am 8. Januar 2007 tauschten ihn die Coyotes für Kevyn Adams ein. In der Runde 08/09 machte er dann 70 Spiele für die Hurricanes, erzielte fünf Tore und hatte 25 Assists. Doch nach dieser Spielzeit war auch bei den Hurricanes Schluss. Die Florida Panthers verpflichteten ihn als Free Agent. Lange dauerte allerdings auch dieses Engagement nicht. Am 10. März 2010 schickten ihn die Panthers zu den Boston Bruins. Das sollte sich als Glücksfall für Seidenberg erweisen.

Denn im Trikot der Bruins erlebte er seine erfolgreichste Zeit in der NHL. Sechs Spielzeiten lang trug er danach das Trikot der Bruins. Der Höhepunkt kam 2011, als Seidenberg als zweiter Deutscher nach Uwe Krupp (1996, Colorado Avalanche) den Stanley Cup gewann. In dieser Runde hatte er auch mit sieben Toren und 32 Assists sein offensiv produktivstes Jahr. In den Playoffs kamen auf dem Weg zum ganz großen Triumph in 25 Spielen ein Tor und elf Assists dazu. In der Regel kam er bei den Bruins im ersten Verteidigerpärchen an der Seite des Slowaken Zdeno Chara zum Einsatz.

44 Tore und 207 Vorlagen in der regulären Saison zeigen, dass Seidenberg nicht wegen seiner außergewöhnlichen offensiven Fähigkeiten auf dem Eis stand. Was seine Coaches und auch seine Mitspieler an ihm schätzten war seine gewissenhafte Arbeit in der Defensive. Das zeigte sich zum Beispiel auch in einer Umfrage des Fachmagazins The Hockey News, in der er bei der Wahl zum besten Schussblocker auf Rang drei hinter Dan Girardi (New York Rangers) und Greg Zanon (Minnesota Wild) landete. 

Bis Juni 2016 blieb er den Bruins treu. Diese kauften ihn jedoch dann aus seinem Vertrag heraus. Die letzte Station in der NHL sollten die New York Islanders sein. Bis Ende der Saison 2017/18 blieb er dort. Danach fand er jedoch kein neues Team mehr. Seidenberg hielt sich zwar weiterhin bei den Islanders fit und bekam gegen Ende der vergangenen Saison noch mal einen Vertrag, zum Einsatz kam er aber nicht mehr. "Das zeigt, wie sehr er das Spiel liebt, wie sehr es ihn kümmert und wie viel ihm das Team bedeutet. Einfach dabei zu sein, zu trainieren und all diese Dinge zu machen, sagt viel über seinen Charakter aus", sagte Islanders-Kapitän Anders Lee. 

Selbstverständlich war Seidenberg auch immer wieder bei der deutschen Nationalmannschaft aktiv. Nachdem er erstmals bei der U18-WM 1999 das Trikot mit dem Bundesadler getragen hatte, folgten zwei B-Weltmeisterschaften bei der U20, fünf Teilnahmen bei A-Weltmeisterschaften und drei bei Olympischen Spielen. 2004 spielte er für Deutschland beim World Cup of Hockey. Auch 2016 war er bei diesem Turnier im Einsatz, allerdings für das Team Europa, mit dem er Rang zwei belegte. Bei der Weltmeisterschaft wurde Seidenberg als bester Verteidiger ausgezeichnet. 

"Nachdem ich 15 Jahre lang in der NHL meinen Traum gelebt habe, in der NHL zu spielen, habe ich nun entschieden, dass es für mich Zeit ist, von dem Spiel zurückzutreten, das ich liebe. Es war keine einfache Entscheidung, aber ich weiß, es ist die richtige", erklärte Seidenberg seine Entscheidung. Es sei nichts aufregender gewesen, als 2011 den Stanley Cup in die Höhe zu stemmen. 

Auch seine Teamkollegen zollten ihm zum Karriereende Respekt. "Er ist einer, der extrem hart an seinem Spiel gearbeitet hat. Er hatte eine wunderbare Karriere. Er war eine großartige Persönlichkeit in der Umkleidekabine und hat viel Erfahrung mitgebracht. Er war in der Lage, einigen unserer jüngeren Verteidiger zu zeigen, worauf es ankommt", meinte Lee. 

Video: Seidenberg Schlagschuss gleicht das Spiel aus

Sieben Jahre lang hat Seidenberg mit Johnny Boychuk zusammengespielt - bei den Bruins und bei den Islanders. "Er ist ein guter Freund. Es war immer gut, ihn zu sehen, mit ihm zu trainieren, zu spielen oder mit ihm zum Mittagessen zu gehen, einfach alles. Er wird immer ein guter Freund und Teamkollege sein."

Auch wenn er nicht mehr auf dem Eis stand, so spielte Seidenberg doch eine zentrale Rolle für die Islanders. Bei ihm und seiner Frau Rebecca kam Matthew Barzal in seiner Rookie-Saison unter. "Er ist wie ein Mentor für mich, einfach die Art und Weise, wie er klar kommt und trainiert. Man sieht, in welcher Form er ist. Er ist ein Ironman. Er und seine Familie haben viel für mich getan", sagte Barzal. In dieser Saison ist Noah Dobson, die Verteidigerhoffnung der Islanders, bei Seidenberg untergekommen. Und auch in der Zukunft müssen die Islanders nicht auf Seidenbergs Dienste verzichten. Er wird bei der Franchise im Bereich Spielerentwicklung tätig sein. 

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