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Endlich Viertelfinale

Charakterstarke Schweizer holen 3-0 Rückstand gegen Dänemark auf und stehen in der Runde der letzten Acht

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Mit einem Kraftakt gegen Dänemark machte die Schweiz bei der Juniorenweltmeisterschaft 2017 in Kanada den ersten Finalrundeneinzug seit 2014 perfekt. Die dänische Mannschaft hatte zuvor schon die Tschechische Republik und Titelverteidiger Finnland bezwungen.

Die Schweizer trafen bereits in den letzten beiden Ausgaben des Turniers auf die dänische Vertretung. Beide Male mussten sie eine bittere Pille schlucken. 2015 unterlagen sie den nördlichen Nachbarn von Deutschland mit 3-4, im Jahr 2016 zogen sie mit 2-1 den Kürzeren.
Am Freitag warfen die Schweizer alles was sie hatten in die Waagschale. Auch von einem frühen 3-0 Rückstand ließen sie sich nicht aus der Bahn bringen.

"Das erste Drittel war Müll", fand Jonas Siegenthaler klare Worte. "Das zweite Drittel haben wir gut angefangen. Wir haben Tore geschossen und sind zurück in das Spiel gekommen. Wir mussten einfach Schießen und den Abprallern nachgehen. Am Ende stand es 4-4 und wir hatten in der Overtime weitere erstklassige Einschussmöglichkeiten. Ihr Torhüter war klasse und sie sind in der Defensive sehr gut gewesen. Am Ende haben wir im Shootout gewonnen."

Bis dahin gaben die Schweizer bis aufs letzte Körnchen alles. Sie rannten unermüdlich auf das von Kasper Krog gehütete dänische Tor an. Krog, der im zweiten Gruppenspiel schier unüberwindbar wirkte, sah sich gegen die Schweiz 53 Torschüssen ausgesetzt. Vier Tore kassierte er in der regulären Spielzeit, einen weiteren Treffer musste er im Penaltyschießen hinnehmen.

"Es war ein richtig wildes Spiel", fasste Krog die Partie zusammen. "Wir wollten gewinnen und den zweiten Gruppenplatz sichern."

Video: WJC Vorrunde: Schweiz triumphiert nach SO

Nicht um den zweiten, sondern um den vierten Gruppenplatz ging es bei den Schweizern, die ohne Kapitän Calvin Thürauf, dafür mit der doppelten Position Engagement und Siegeswillen antraten. Schnörkellos und kräfteraubend aber dennoch effektiv agierten die Schweizer.

"Wir müssen keine schönen Tore oder so schießen", erklärte der zweifache Vorlagengeber Jonas Siegenthaler. "Ich bin mir sicher, dass wir Stolz auf uns sein können. Wir sind jeden Abend rausgekommen und haben uns dem Wettkampf gestellt."

Und wie sie sich dem Wettkampf gestellt hatten. Headcoach Christian Wohlwend stellte sein Team hervorragend ein. Die Marschrute "Alles oder Nichts" sollte sich als die Richtige erweisen. Das mussten auch die Dänen einsehen.

"Wir konnten uns gar nicht an unseren Gameplan halten. Wir haben ihnen zu viele Chancen gelassen, die sie nicht bekommen sollten, weil sie ein richtig gutes Team sind", erzählte Dänen-Keeper Krog. "Sie wissen wie man Tore schießt."

Für den anvisierte Finalrundeneinzug war der Erfolg immens wichtig. Im abschließenden Gruppenspiel treffen die Eidgenossen auf Finnland. Während es bei den Schweizern noch um wichtige Punkte für die Ausgangsposition für den weiteren Turnierverlauf geht, können enttäuschte Finnen nur noch Wunden lecken. Abgesehen von einer historischen Marke -- noch nie zuvor musste ein amtierender Champion den Weg in die Relegationsrunde gehen -- boten die Finnen bislang kaum erwähnenswertes.

Die Auftritte der hochgehandelten Truppe wurmten den finnischen Funktionären sogar so sehr, dass sie sich spontan und mit sofortiger Wirkung von ihrem Headcoach trennten. Anstelle von Jukko Rautakorpi, der seit Beginn der laufenden Spielzeit im Amt war, wird schon am 31. Dezember gegen die Schweiz Jussi Ahokas an der Bande stehen.

Ahokas war zwar eigentlich erst ab der Saison 2017-18 als U20 Coach eingeplant, doch die Verantwortlichen Rissen kurz vor Knapp die Reisleine. Der 36-jährige Hoffnungsträger führte im Frühling 2016 die finnische U18-Auswahl in Grand Forks, USA zur World Championship Goldmedaille. Nun soll er die U20-Vertretung vor dem sportlichen Abstieg retten.

Es liegt nicht in der Hand der Eidgenossen, diesen zu besiegeln, aber mit einem Sieg könnten sie sich vom vierten Tabellenplatz sogar auf den zweiten Rang schieben. Damit wären die denkbar unangenehmsten Viertelfinalaufgaben abgewendet. Sowohl die US-Auswahl als auch das kanadische Dreamteam spielen in einer anderen Gewichtsklasse. Beide Teams blieben bisher ungeschlagen. Die Kanadier zeigten kein Mitleid mit ihren Kontrahenten und schossen in drei Spielen sage und schreibe 20 Tore.

 

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