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Schlimme Nachrichten erschüttern die Liga

Bei Bryan Bickell von den Carolina Hurricanes wurde nun Multiple Sklerose diagnostiziert

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Uns allen ist Sport wichtig im Leben. Er bietet uns Unterhaltung, Spannung, Freude und hin und wieder auch bittere Enttäuschung und Frustration. Dass Sport aber auch sehr schnell ganz klar in den Hintergrund rücken kann, die Frage nach Sieg und Niederlage im nächsten Spiel plötzlich ziemlich unwichtig und fast schon völlig belanglos erscheinen kann, das beweist aktuell eine Meldung aus der NHL, welche die Gewichtung im Leben mal wieder kräftig neu einnordet.

Bei Bryan Bickell von den Carolina Hurricanes wurde nämlich nun die aktuell noch immer unheilbare Nervenkrankheit 'Multiple Sklerose' festgestellt. Der 30-Jährige hofft jedoch, dass er seine Karriere trotzdem fortsetzen kann.

Flügelstürmer Bickel, im Jahre 1986 im kanadischen Ort Orono in Ontario geboren, verbrachte bis zum Sommer 2016 insgesamt neun Jahre in der Organisation der Chicago Blackhawks, mit denen er insgesamt drei Mal (2010, 2015, 2015) den Stanley Cup gewann.

Er begann seine Karriere als Eishockeyspieler ursprünglich in der kanadischen Top-Juniorenliga Ontario Hockey League, in der er von 2002 bis 2006 für die Ottawa 67's und Windsor Spitfires auf dem Eis stand.
Im NHL Entry Draft des Jahres 2004 wurde er dann in der zweiten Runde als insgesamt 41. Spieler insgesamt von den Blackhawks gezogen. Sein NHL-Debüt feierte er in der Spielzeit 2006-07. Seinen endgültigen Durchbruch in der besten Eishockeyliga der Welt schaffte er In der Saison 2010-11.

Bis zum Jahresbeginn 2016 lief es dort für ihn dann vergleichsweise ordentlich. Er war fester Bestandteil eines der Spitzenteams der Liga, konnte mit der Meisterschaft 2015 seinen bereits dritten Cuptriumph realisieren.

Im Januar 2016 platzierten ihn die Blackhawks dann aber auf die Waiver-Liste, schickten ihn, da ihn kein anderes Team von dort verpflichtete, zurück in das Farmteam der Organisation. Sein vergleichsweise üppiges Gehalt war wohl einer der Gründe, warum ihn seinerzeit kein anderes Team verpflichten wollte.

Schon damals war Coach Quenneville mit seinen gezeigten Leistungen nicht mehr einverstanden. Eine bittere Enttäuschung für einen Aktiven, der in den Stanley Cup Playoffs 2013 neun Tore und 17 Punkte beigesteuert hatte, was zu seinem neuen Vierjahresvertrag führte, welcher mit 16 Millionen US$ dotiert war.

Im Nachhinein erscheint diese sportlich enttäuschende Zeit für den Kanadier in einem anderen Licht.
Die Degradierung bei seiner 'Stammfranchise' in Illinois führte ihn dann im Juni 2016 samt Teuvo Teravainen zu den Carolina Hurricanes , die im Gegenzug ein Zweitrunden-Wahlrecht für den NHL Entry Draft 2016 sowie ein Drittrunden-Wahlrecht für den NHL Entry Draft 2017 nach Chicago schickten.

Vor einigen Tagen verspürte er nun plötzlich einen unangenehmen Schmerz in der Schulter, wenn er auf dem Eis einen Schuss abfeuerte. Er dachte sich nichts Dramatisches dabei, erwartete, dass dieser Schmerz nur von kurzfristiger Natur wäre, sich nach ein paar Tagen wieder legen würde. Doch dem war dann leider nicht so.

"Es war zuerst nur etwas taub. Ich dachte an einen eingeklemmten Nerv" sagte er gegenüber der Zeitung 'Chicago Tribune'.

"Als Spitzensportler kennt man ja seinen Körper. Und als es nicht wieder weg ging, da dachte ich mir schon, dass es nichts Harmloses ist. Das war so definitiv nicht normal."
Diverse ärztliche Untersuchungen schlossen sich an. Nun das bittere Ergebnis: Multiple Sklerose! Ein echter Hammer!

Von einer Sekunde zur Anderen hatte sich damit dann sein komplettes Leben verändert. Nichts war danach mehr so wie es vorher war.

Das NHL-Spiel seiner Hurricanes gegen die Philadelphia Flyers am 30. Oktober soll jedoch nicht sein letztes gewesen sein, wenn es nach ihm geht.

"Ich bin mir noch nicht sicher. Mir ist klar, dass meine nächsten Schritte entscheidend sein werden. Ich wünsche mir, dass ich noch einmal auf das Eis zurückkehren kann und meinen Teamkameraden helfen kann."
Und er wendet sich bei Twitter auch an die Fans: "Das ist alles noch sehr frisch für mich. Aber diese ganze Unterstützung welche uns aktuell zu Teil wird, der macht es meiner Familie und mir einfacher."
"Man bekommt Angst, dass es das Ende dieser wunderschönen Zeit in meinem Leben gewesen sein könnte, für die ich so viel investiert habe. Aber manchmal gibt es Ereignisse im Leben die einen ganz neuen Weg einschlagen lassen."

Es sind so viele Erinnerungen an die Eishockeywelt, die Bickell den Gedanken an das Ende dieses Lebensabschnitts schwer vorstellbar machen. Und auch viele seiner aktuellen und ehemaligen Teamkameraden und Trainer hat sein Schicksal in diesen Tagen tief bewegt.

Sein derzeitiger Trainer Bill Peters lobt seine Bedeutung für das Team der 'Canes': "Er ist ein toller Typ. Jeder ist gerne mit ihm zusammen. Eine tolle Persönlichkeit. Sehr wichtig für unsere Truppe."

Auch sein ehemaliges Team aus Chicago schickte viele gute Wünsche: "Wir denken alle an Bryan und seine Familie. Er hat so viele Spuren in unseren Herzen hinterlassen aus seiner Zeit hier. Wir werden ihm bei seinem Kampf gegen diese schlimme Krankheit beistehen können so gut wir können."

Sein ehemaliger Coach Joel Quenneville sagte dann gestern auf das Thema angesprochen über Bickell: "Das ist natürlich eine ganz bittere Nachricht. Er hat nun eine sehr schwere Zeit vor sich. Wir wünschen ihm nur das Beste."

Bickel hingegen gibt sich fast etwas erleichtert, dass er nun Klarheit über seine sportlich zuletzt enttäuschende Zeit hat: "Seit den Play-offs 2015 habe ich versucht herauszubekommen, was mit meinem Körper los ist."

Nun weiß er es. Doch plötzlich ist das Ergebnis der letzten Nacht für ihn längst nicht mehr das wichtigste im Leben.

Der Kanadier ist übrigens bereits der zweite NHL-Profi, der diese Diagnose in den vergangenen Jahren erhalten hat. Bei Torhüter Josh Harding wurde diese Erkrankung Ende 2012 festgestellt, er spielte dann noch bis zum Ende der Saison 2014-15 in der NHL.

Insgesamt leiden aktuell über 2,5 Millionen Menschen an der Nerven-Krankheit, die nicht geheilt, deren Verlauf nur aufgehalten und abgemildert werden kann.

Nachrichten wie diese machen jedermann einmal wieder sehr drastisch deutlich, dass es weitaus wichtigeres im Leben gibt als die Frage von Sieg und Niederlage in einem Eishockeyspiel oder in einem sonstigen sportlichen Wettstreit.
 
Alles Gute, Bryan Bickel! Hoffentlich sehen wir Dich schon bald auf dem Eis in der NHL wieder…

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