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Vegas verabschiedet sich mit "stechendem Schmerz"

Golden Knights können jedoch erhobenen Hauptes in die Sommerpause gehen

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Die Vegas Golden Knights verabschiedeten sich irgendwie typisch für "Sin City" in die Sommerpause: Mit Entertainment pur und einem großen Knall. Beim 4:5 n.V. in Spiel 7 der Serie gegen die San Jose Sharks (3:4) wurde der Eishockey-Welt eines der spannendsten und unterhaltsamsten Spiele aller Zeiten vorgesetzt. Mit einem schmerzhaften Ende für die Truppe aus Nevada, die aber trotzdem in eine rosige Zukunft blicken darf.

50 Minuten lang sah Vegas wie der sichere Sieger aus. "Fleury hat unglaublich gehalten und wir haben 3:0 geführt. Die Führung war ein wenig glücklich, aber ihr habt gesehen, was danach passiert ist", blickte Trainer Gerard Gallant zurück und spielte auf die Matchstrafe gegen Cody Eakin an. Ein Knackpunkt in Spiel 7, denn fortan knipste San Jose vier Powerplay-Tore binnen 241 Sekunden. Plötzlich waren die Golden Knights mit 3:4 in Rückstand. "Die Strafe war eine Schande", haderte Gallant und trauerte dem sichergeglaubten Einzug ins Conference-Halbfinale nach: "Wir hätten in der nächsten Runde spielen müssen."

Seine Mannschaft riskierte noch einmal alles. Torwart Marc-Andre Fleury wurde für einen zusätzlichen Stürmer vom Eis genommen. In der Schlussminute gelang Vegas noch der Ausgleich. Für das Weiterkommen reichte das allerdings nicht. Spät in der ersten Verlängerung verpasste Barclay Goodrow den Golden Knights den Todesstoß (79.). 

Video: VGK@SJS, Sp7: Goodrow gewinnt Spiel 7 in OT

 "Letztes Jahr waren wir im Stanley-Cup-Finale und es war schmerzhaft, zu verlieren. Heute war es sogar noch schmerzhafter. Das hat wirklich wehgetan", gab Gallant einen Einblick in sein Innerstes. Auch Stürmer Max Pacioretty konnte das gerade Erlebte nicht verkraften: "Diese Niederlage wird ein stechender Schmerz sein. Wir dachten, dass wir gut genug gespielt hätten, um diese Serie zu gewinnen. Wir wissen, dass es in den Playoffs auf ein oder zwei Szenen ankommen kann. Dieses Aus wird nur schwer zu verdauen sein." 

Tatsächlich konnte sich die Truppe aus Nevada nur wenig vorwerfen lassen. Die Offensive lief heiß und erzielte mit 25 Treffern die meisten unter allen Playoff-Teilnehmern. Das Powerplay klickte mit 27,6 Prozent Erfolgsquote. Und auch auf das Penalty Killing war Verlass, bis zu Eakins Strafe und dem plötzlichen Momentum-Wechsel. Die Taktik war bis in die Haarspitzen verinnerlicht. Mit aggressivem Forechecking wurde der gegnerische Aufbau empfindlich gestört und Fehler erzwungen. Auch in der neutralen Zone agierte das Franchise aus "Sin City" meist clever und schlug dann zu. Hinzu kam eine eiskalte Chancenverwertung von 10,2 Prozent.

Überhaupt nichts vorwerfen lassen, konnte sich Vegas in Sachen Arbeitsethik: Die Golden Knights teilten mit Abstand die meisten Checks aus (326, 46,6 Hits pro Spiel) und blockten die meisten Schüsse (156, 22,3 Blocks pro Partie). So verwundert es nicht, dass sich das Erstrunden-Aus schmerzhaft anfühlt.

 

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Trotz der ersten Enttäuschung kann Vegas hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: Die Top-Reihe um Jonathan Marchessault, William Karlsson und Reilly Smith lieferte auch im zweiten gemeinsamen Jahr zuverlässig hab. Hinzu kam in den Playoffs eine ebenbürtige Reihe mit Pacioretty, Reilly Smith und Mark Stone, die zusammen 31 Scorerpunkte (13 Tore, 18 Assists) sammelte. Eine Bestätigung für die gute Teamchemie bei den Golden Knights, immerhin stießen Pacioretty und Stastny im Sommer und Stone erst kurz vor der Trade Deadline hinzu. Umso überraschender, dass diese Kombination derart gut harmonierte und produktiv agierte.

Mit besagten zwei Linien verfügen die Golden Knights über gleich zwei durchschlagskräftige Reihen und haben noch eine Menge Talent dahinter: Alex Tuch (22) ist schon jetzt ein kompletter Stürmer, William Carrier (24) ging den Sharks voll unter die Haut und mit Nikita Gusev (26) wurde der KHL-Top-Scorer (62 Spiele, 17 Tore, 65 Assists und 82 Scorerpunkte) unter Vertrag genommen. Der Russe steht ab Sommer genauso wieder zu Verfügung wie der so wichtige Center Erik Haula (28), der in den Playoffs verletzt nicht zum Einsatz kam (Knie-OP). 

Video: VGK@SJS, Sp7: Sharks, Golden Knights beim Shakehands

In der Defensive kommen die Leistungsträger Colin Miller (26), Shea Theodore (27), Nate Schmidt (27), Jon Merrill (27) und Brayden McNabb (28) erst noch ins beste Verteidiger-Alter. Mit Marc-Andre Fleury hat sich Vegas einen der besten Torhüter der Liga bereits bis 2022 gesichert.

An Qualität sollte es den Golden Knights in der Saison 2018/19 also nicht mangeln. Umso spannender wird sein, wie die Vertragsverhandlungen mit den auslaufenden Spielern Malcolm Subban (Tor), Deryk Engelland (Verteidigung), William Karlsson, Pierre-Edouard Bellemare, Tomas Nosek, Brandon Pirri, Ryan Carpenter und Gusev (alle Sturm) laufen. Immerhin gilt es, den Gehaltsspielraum einzuhalten, was General Manager George McPhee vor Herausforderungen stellen dürfte. Alles in allem würde es aber sehr überraschen, sollte das jüngste NHL-Franchise in seiner dritten Saison nicht auch in die Playoffs stürmen und für Unterhaltung sorgen.

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