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Capitals müssen sich neu beweisen

31 in 31: Washington könnte vor einer schwierigen Saison stehen obwohl das Team weitgehend zusammen blieb

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Die NHL-Saison 2018/19 wirft langsam aber sicher ihre Schatten voraus. Vor dem Start der Trainingslager analysiert NHL.com/de ab 5. August die 31 Teams der Liga in 31 Tagen. Zu jeder Mannschaft gibt es in der Serie "31 in 31" zwei Berichte mit interessanten Fakten, Einschätzungen und Einblicken.

In dieser Folge: Washington Capitals

Titelverteidiger Washington Capitals hört sich ungewohnt an, ist aber in der Saison 2018/19 Realität. Erstmals in der NHL-Geschichte gewann die Mannschaft aus der US-amerikanischen Hauptstadt den Stanley Cup und ist jetzt auf der Mission diesen Triumph zu wiederholen.

Fast derselbe Kader wie im Vorjahr

Dabei gehen die Capitals mit dem annähernd selben Kader in das Rennen, denn von den Spielern, die im Stanley Cup Finale mitwirkten, schloss sich lediglich Stürmer Jay Beagle den Vancouver Canucks an. Backup-Torhüter Philipp Grubauer wurde zusätzlich an die Colorado Avalanche transferiert.

Die Verträge mit den Verteidigern John Carlson und Michal Kempny sowie den Stürmern Tom Wilson und Devante Smith-Pelly konnten verlängert werden. Zudem wurde Verteidiger Brooks Orpik über den Umweg Colorado zunächst abgegeben, aber anschließend zu günstigeren Konditionen wieder verpflichtet.

Video: NJD@WSH: Smith-Pelly und Niskanen kombinieren

Es zeigt eine gewisse mannschaftliche Geschlossenheit, wenn Spieler auf Geld verzichten, um weiter für die Capitals zu spielen. Das gilt sicher als eine große Stärke, die auch im Verlauf der Stanley Cup Playoffs im Frühjahr deutlich wurde und letztendlich ausschlaggebend für den Titelgewinn war.

Grubauer-Abgang hinterlässt eine Lücke

Der Rosenheimer Grubauer war zwar nur der Ersatztorhüter, doch als die Nummer 1 Braden Holtby in der abgelaufenen Saison mehr Schwächephasen hatte als gewohnt und am Ende mit einer Fangquote von 90,9 Prozent den schlechtesten Wert seiner Karriere verbuchte, war der Deutsche zur Stelle. Er war mit seinen starken Leistungen (92,3 Prozent Fangquote) besonders in der zweiten Saisonhälfte dafür verantwortlich, dass Washington als Erster die Metropolitan Division abschloss, was eine bessere Ausgangsposition für die Playoffs bedeutete.

Hinter Holtby klafft also eine Lücke, die entweder die bisherige Nummer 3 Pheonix Copley oder der 21-jährige Rookie Ilya Samsonov, der in der vergangenen Saison für Metallurg Magnitogorsk in der KHL (26 Spiele; 2,31 GAA; 92,6 Prozent) aktiv war, schließen sollen. Natürlich verfügen beide über eine gewisse Qualität, doch den Beweis, ob sie auf Dauer in der NHL bestehen können, haben sie noch nicht angetreten.

 

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Offensivstarker Carlson im Blickpunkt

Carlson war mit 68 Punkten (15 Tore, 53 Assists) in 82 Spielen der beste NHL-Verteidiger in der Saison 2017/18, nachdem er im Jahr zuvor nur 37 Punkte (neun Tore, 28 Assists) in 72 Spielen verbuchen konnte. Er weist damit den größten Punkte-Zuwachs aller Defensivleute aus.

In den Playoffs setzte er seine starke Performance fort und markierte 20 Punkte (fünf Tore, 15 Assists) in 24 Spielen. Es war der viertbeste Wert eines Verteidigers seit 2005/06. Der 28-jährige US-Amerikaner wurde mit einem neuen Acht-Jahres-Vertrag über insgesamt US$ 64 Millionen belohnt.

Die Capitals sehen Carlson als einen ihrer Eckpfeiler der Zukunft, doch dieser muss die gezeigten Leistungen erst einmal dauerhaft bestätigen.

Video: WSH@CBJ, Sp3: Carlson mit schönem PPG

Mehr Entlastung für Ovechkin nötig

Es war sein großer Traum, den er nun erreicht hat. Als Alex Ovechkin, der schon lange Zeit beste Torjäger der NHL, den Stanley Cup von NHL Commissioner Gary Bettman überreicht bekam, brachen bei ihm alle Dämme: Wie ein kleines Kind tanzte er, schrie er die Euphorie heraus und ließ seinen Tränen der Rührung freien Lauf. Mit 49 Toren in der regulären Saison und 15 Treffern in den Playoffs führte er erneut die Liga an und konnte diese Leistung erstmals mit dem ultimativen Ziel krönen.

Ovechkin kam im Sommer 2017 deutlich sichtbar besser trainiert ins Trainingscamp, was sich auf seine Leistung positiv auswirkte. Inwiefern er trotz der vielen Feierlichkeiten und der Geburt seines ersten Sohnes am 18. August erneut Zeit zum ausgiebigen Training hatte, wird sich zeigen. Der russische Stürmer mit der Nummer 8, der am 17. September seinen 33. Geburtstag begeht, wird auch kommende Saison eine starke Physis benötigen.

Video: CBJ@WSH, Sp2: Ovechkin per Schlagschuss in Überzahl

Das Spiel der Capitals war zuletzt noch stärker auf ihren Kapitän ausgerichtet, der die meisten Torschüsse in der NHL produzierte (355), wobei sein Team in dieser Statistik nur am Tabellenende zu finden war (2378).

Reirden vom Assistenten zum Chef befördert

Washington wird darauf angewiesen sein, die Last im Sturm besser zu verteilen. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben, die der neue Trainer Todd Reirden angehen muss, der in der abgelaufenen Spielzeit als Assistent vor allem für die Verteidigung und das Powerplay zuständig war. Nach dem überraschenden Rückzug von Chef Barry Trotz nur elf Tage nach dem Stanley Cup Gewinn, wurde der 47-jährige Reirden, der 2005/06 als Spieler für die Düsseldorfer EG aktiv war, am 29. Juni zu dessen Nachfolger bestimmt.

Viele Spieler, darunter Ovechkin, hatten sich zuvor für die Beförderung ausgesprochen, was einen gewissen Vertrauensvorschuss der Mannschaft gegenüber Reirden bedeutet. Trotzdem wird die Wandlung vom Mann in der zweiten Reihe zu dem im Vordergrund, der notfalls auch unpopuläre Entscheidungen vertreten und verkaufen muss, kein leichter Schritt. Als erste Cheftrainerstation in der NHL den Titelverteidiger zu übernehmen, kann Freude und Bürde zugleich sein. Dass er die Spieler seit vier Jahren kennt, sollte ihm die übertragene Aufgabe erleichtern.

 

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Drei deutschsprachige Spieler im System

Die Capitals verfügen unter den kritischen Augen von Entwicklungs-Trainer Olaf Kölzig über einige verheißungsvolle Talente, denen aber die vorhandene Qualität im Kader schwer macht, den Sprung in der NHL zu schaffen. Darunter befinden sich mit den Schweizern Jonas Siegenthaler und Tobias Geisser sowie Maximilian Kammerer drei deutschsprachige Jungs.

Der 21-jährige Siegenthaler, der als Verteidiger bereits seit 2015 bei den Capitals unter Vertrag steht und in 2017/18 in der AHL beim Farmteam Hershey Bears seine erste volle Saison in Nordamerika absolvierte, verbuchte in 75 Spielen sechs Tore und sechs Assists zu zwölf Punkten. Es ist gut möglich, dass er in kommenden Saison eine Chance erhält, sich bei den Capitals zu präsentieren.

Auf ihre Bewährungschance warten, werden der 19-jährige Verteidiger Geisser und der 21-jährige Stürmer Kammerer müssen, die im Sommer jeweils Einstiegsverträge über drei Jahre abgeschlossen haben und neu in Nordamerika eintreffen. Sie werden sicher eine Eingewöhnungs- und Umstellungszeit benötigen.

Kurzfristig könnten Stürmer Shane Gersich und Verteidiger Lucas Johansen als Rookies in Erscheinung treten. Der 22-jährige Gersich wurde beim NHL Draft 2014 ausgewählt und durfte gehörte bereits in den Stanley Cup Playoffs zum Team. Er absolvierte sogar zwei Partien, die ihm helfen sollten, dass er auch 2018/19 den Einzug in den Kader schafft.

Der 20-jährige Johansen ist der jüngere Bruder von Nashvilles Ryan Johansen und wurde von den Capitals beim NHL Draft 2016 an insgesamt 28. Stelle ausgewählt. Er muss, ähnlich wie Siegenthaler, darauf hoffen, dass durch Ausfälle ein Platz in der Verteidigung frei wird, da alle sieben etatmäßigen Blueliner aus der Vorsaison nach Washington zurückkehren.

Gelingt die Titelverteidigung?

Natürlich ist das Potenzial vorhanden, nachdem die Capitals nahezu mit demselben Kader mit dem sie Champion wurden, in die kommende Saison starten werden. Doch Zweifel sind angebracht: Eine kurze Sommerpause konnten Titelverteidiger in der Vergangenheit selten gut kompensieren und die Feierlichkeiten fielen in Washington heftiger aus, als es anderswo der Fall war. So verraten es zumindest die sozialen Medien über Ovechkin.

Selbst der Einzug in die Playoffs ist keine Selbstverständlichkeit und muss erst einmal bewältigt werden.

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