Skip to main content

Viele Unsicherheiten in Montreal

31 in 31: Montreal startet zwar keinen Neuaufbau, hat aber den Reset-Knopf gedrückt und hofft, dass die Maßnahmen greifen

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Autor

Die NHL-Saison 2018/19 wirft langsam aber sicher ihre Schatten voraus. Vor dem Start der Trainingslager analysiert NHL.com/de ab 5. August die 31 Teams der Liga in 31 Tagen. Zu jeder Mannschaft gibt es in der Serie "31 in 31" zwei Berichte mit interessanten Fakten, Einschätzungen und Einblicken.

In dieser Folge: Montreal Canadiens

Die vergangene Saison der Montreal Canadiens war für den Rekordmeister mehr als enttäuschend. Das Ziel Playoff-Teilnahme wurde weit verfehlt und die Frankokanadier landeten mit einer Bilanz von 29-40-13 auf dem fünftletzten Rang der gesamten Liga. Eine Art Neuanfang war in Montreal notwendig und GM Marc Bergevin reagierte. Der radikale Einschnitt blieb aus, doch dieser war aufgrund der guten und entwicklungsfähigen Talente auch nicht zu erwarten.

Video: MTL@CBJ: Drouin täuscht an und trifft bei Konter

Der Schlüssel zum Erfolg für die Canadiens liegt darin, dass sich die Leistungsträger weiterentwickeln oder zu alter Stärke zurückfinden. Neuzugang Max Domi und Top-Center Jonathan Drouin sind mit jeweils 23 Jahren noch am Anfang ihrer besten Profijahre und sollten den Habs in der kommenden Spielzeit Auftrieb geben. Im Tor blickt ganz Montreal auf den Ausnahme-Schlussmann Carey Price und seine Leistung. Nach Jahren mit Verletzungen und daraus resultierenden Formkrisen hoffen alle Verantwortlichen und Fans auf eine Steigerung von Price. Ebenso wünschen sich die Sympathisanten des Franchise mit langer Historie eine schnelle Genesung des Verteidiger-Superstars Shea Weber, der nach einer Knie-OP bis Jahresende fehlen wird. Weber zu ersetzen kann den Habs nur im Kollektiv gelingen. Jeder in der Mannschaft muss hierzu über sich hinauswachsen um die Defensive zu stabilisieren und Price eine Chance zu geben seine Top-Leistung abzurufen.

In Sachen Nachwuchs sind die Canadiens mit Offensivkräften im Alter von Anfang bis Mitte 20 gut ausgestattet. Die bereits erwähnten Domi und Drouin stellen hierbei die Speerspitze, doch auch Brendan Gallagher (26), Charles Hudon (24) und Artturi Lehkonen (23) sind in einem Alter, in dem jedes Jahr mit Verbesserungen zu rechnen ist. Coach Claude Julien freut sich auf Domi, den Neuzugang von den Arizona Coyotes: "Er hat noch Potential und er ist ein Junge, der aufgeregt ist in Montreal zu sein. Er wollte in einer Eishockey-Hochburg spielen und hat viel Charakter und Grit in seiner Spielweise. Wir wollen, dass unsere Fans ein Team sehen, dass jede Nacht hart kämpft und es soll spannend sein, ihm zuzuschauen. Max ist genau dieser Typ Spieler, der jederzeit alles gibt, deshalb sind wir froh ihn an Bord zu haben."

 

[Ähnliches: Canadiens holen Domi um wieder anzugreifen]

 

Ein Blick auf die hinter Domi, Drouin und Co. wartende Generation lässt besonders drei Prospects in den Fokus rücken. Der Nummer 3 Pick des diesjährigen Drafts, Jesperi Kotkaniemi, schaut nach eigenen Angaben "von Tag zu Tag" und lässt sich überraschen, ob er schon in dieser Spielzeit den Sprung in das Lineup der Habs schafft. Der 18-Jährige dürfte für die Zukunft der Canadiens ein wichtiger Baustein sein, doch in der kommenden Saison ist ein weiteres Jahr bei Assat, in der finnischen Liiga, wahrscheinlicher. Die Habs können sich dank des Fundaments an jungen Stürmern erlauben, den talentierten Finnen langsam an die NHL heranzuführen.

Anders stellt sich die Sachlage bei Verteidiger Noah Juulsen dar. Der mittlerweile 21 Jahre alte, 2015 an 26. Stelle gedraftete zwei-Wege-Defender muss mithelfen den Ausfall Webers zu kompensieren. Besonders seine Qualitäten als Leader, die er in der AHL nachweisen konnte, machen den Frankokanadiern Hoffnung auf einen guten Start des Blueliners.

Video: MTL@VGK: Scherbak mit einem tollen Trick zum Tor

Offensiv erhoffen sich Bergevin und Julien bei Nikita Scherbak den nächsten Schritt. Der 22-jährige Angreifer konnte in der AHL letzte Saison im Schnitt 1,15 Punkte pro Spiel erzielen und wurde durch diese Leistung in das NHL-Aufgebot berufen. Eine Klasse höher wollte sich der Erfolg bisher nicht einstellen, doch die Kreativität Scherbaks könnte den Canadiens diese Saison weiterhelfen.

Im heimischen Bell Centre fuhr Montreal letzte Spielzeit mehr Punkte ein, als in der Fremde (45 zu 26). Diese Stärke in der eigenen Halle muss weiter ausgebaut werden und in der Fremde sollten die Habs künftig etwas mehr Zähler einfahren, um eine Chance auf die Schlussrunde zu haben. Zählen können die frankophonen Kanadier hierbei auf ihre Stürmer, die ihr bestes Eishockeyalter noch vor sich haben. Drouin, Domi und die anderen Youngster dürften einen weiteren Schritt gemacht haben und so den Canadiens im Kampf um den Einzug in die Stanley Cup Playoffs von Nutzen sein.

 

[Lies noch mehr 31 in 31 Saison-Vorschauen von NHL.com/de]

 

Die Schattenseiten der letztjährigen Canadiens sind groß. Keiner ihrer Mannschaftsteile lieferte die erwartete Leistung und so standen schlussendlich 209 geschossenen Toren 264 Gegentreffer gegenüber. Die drittschlechteste Tordifferenz der Liga spricht Bände. Hier gibt es deutlichen Verbesserungsbedarf. Viel wird von der Entwicklung ihrer jungen Akteure abhängen und von dem was jene im besten Eishockeyalter abrufen können.

Die Playoffs sollten für Montreal das Ziel sein, aber bis dahin gilt es viele Stolpersteine gekonnt zu überspringen. Price muss an die Form seiner besten Jahre anknüpfen und wieder Spiele für seine Farben gewinnen. Weber muss schnell fit werden und seine Top-Leistung abliefern können. Jeff Petry muss bis zu Webers Rückkehr die Defensive stabilisieren und anführen. Drouin und Domi müssen die Produktion der Habs vor dem gegnerischen Tor in die Höhe schrauben und ihre Teamkameraden mitreisen. Die Spielzeit wird für alle, die es mit Montreal halten spannend und der Ausgang bleibt aufgrund der vielen Unsicherheiten absolut offen.

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.