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Russland baut Rekordweltmeister aus

von Stefan Herget / NHL.com

Die 78. IIHF-Weltmeisterschaft 2014 in weißrussischen Minsk ist Geschichte. Am heutigen Finaltag fand das Turnier am Nachmittag mit dem Spiel um Bronze und am Abend mit dem Finale um den Titel einen würdigen Abschluss.

Schweden – Tschechien 3-0 (2-0/0-0/1-0)

Die Schweden haben durch Tore von Joakim Lindstrom, Simon Hjalmarsson und Mikael Backlund Tschechien Tschechien mit 3-0 besiegt und die Bronzemedaille bei der Eishockey-Weltmeisterschaft gewonnen.

„Wir sind hierher gekommen, um Gold zu gewinnen“, sagte Lindstrom der Canadien Press. „Das war unser Ziel. Aber der Wettbewerb ist sehr, sehr hart und alles in allem war es ein wirklich gutes Turnier für uns.“ Die 1-3 Niederlage gegen Russland im Halbfinale am Samstag hatte den Weg ins Finale versperrt.

„Es fühlt sich so an wie ein erfolgreiches Turnier, obwohl wir das Halbfinale verloren haben“, sagte Schwedens Stürmer Oscar Moller auf der IIHF Website. „Wir kehren mit Medaillen heim und sind sehr glücklich darüber.“

Der schwedische Schlussmann Anders Nilsson, der bei den New York Islanders unter Vertrag steht, stoppte alle 29 Torschüsse auf ihn und fügte den Tschechen so die zweite Shutout Niederlage in Folge zu. Am Samstag im Halbfinale waren sie den Finnen ebenfalls mit 0-3 unterlegen.

„Er war phänomenal, nicht nur heute, sondern das ganze Turnier“, sagte Lindstrom. „Vom ersten Spiel an war er das Rückgrat dieses Eishockeyteams.“

Lindstrom selbst eröffnete den Torreigen in der 5. Spielminute, als sein für Moller vorgesehener Querpass vom gegnerischen Verteidiger Petr Zamorsky unglücklich an seinem Torhüter Alexander Salak vorbei ins eigene Tor abgefälscht wurde.

Die Tschechen hatten schon bald die Chance zum Ausgleich. Als sie in Überzahl waren kam Jaromir Jagr im Nachfassen nach einem Schuss von Jakub Klepis an den Puck, verfehlte aber das Ziel. Dafür erhöhten die Skandinavier mitten in der Drangphase der Gegner auf 2-0. Hjalmarsson vollendete in der 16. Minute mit einer Direktabnahme gegen den chancenlosen Salak eine schöne Kombination über Matthias Ekholm und Nicklas Danielsson.

Im Mittelabschnitt versuchten die Tschechen alles, aber entweder Nilsson oder der Pfosten standen einem Torerfolg im Weg. Aber auch die Schweden trafen ein Mal Metall. Als die Intensität der Osteuropäer nachließ, erhielt Backlund einen Rückhandpass von Verteidiger Erik Gustafsson und überwand in der 49. Minute Salak zur endgültigen Entscheidung.

Jagr verkündete nach der Partie, dass dies seine letzte Partie für das Nationalteam war. Der 42-Jährige aus Kladno wird zwar in der kommenden Saison 2014-15 für die New Jersey Devils noch einmal in der NHL angreifen, doch bei der kommenden Weltmeisterschaft, die in der tschechischen Hauptstadt Prag und Ostrava stattfindet, wird er nicht mehr spielen.

Die Schweden gewannen bei der WM zum 17. Mal Bronze und zum 45. Mal eine Medaille und konnten damit zu den Rekordmedaillengewinnern Tschechien und Kanada im ewigen Medaillenspiegel bis auf einmal Edelmetall aufschließen.

Russland – Finnland 5–2 (1-1/2-1/2-0)

Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaft standen sich in einem Finale die Nachbarn Finnland und Russland gegenüber und es wurde ein hochklassiges Match mit viel Einsatz, Kampf und Leidenschaft. Russland wiederholte mit einem letztendlich verdienten 5-2 Sieg seinen Triumph von 2012, als sie ohne Turnierniederlage Weltmeister wurden. Davor hatte es dieses Phänomen 25 Jahre lang nicht gegeben. Die Finnen waren zum neunten Mal in ihrer Geschichte im Finale und verloren zum siebten Mal. Angesichts einer verpatzten Vorrunde, sollten sie jedoch mit Silber insgesamt durchaus zufrieden sein.

Die Begegnung begann sehr intensiv und die beiden Hauptschiedsrichter Lars Brüggemann aus Deutschland und sein Kollege hatten von der ersten Minute an Schwerstarbeit zu verrichten. Bereits bei den ersten Unterbrechungen teilten die Akteure beider Mannschaften einige „Zärtlichkeiten“ aus. Durch das Aussprechen der ersten Strafzeiten brachten die Unparteiischen etwas Ruhe herein.

Beide NHL erprobte Torhüter Pekka Rinne und Sergei Bobrovski zeigten von Beginn an, dass sie zu den Besten ihres Faches gehören. In der 11. Minute war Rinne allerdings gegen den Schuss von Sergei Shirokov ins lange Eck machtlos. Die Russen waren in Überzahl, weil Miikka Salomaki zuvor etwas umstritten auf die Strafbank musste. Wer dachte, die Finnen würden sich auf die Defensive konzentrieren, sah sich getäuscht, denn sie erspielten sich gute Möglichkeiten und drei Sekunden vor der ersten Pause belohnten sie sich mit dem Ausgleich. Iior Pakarinen wurde von Jori Lehtera schön frei gespielt und tunnelte Bobrovsky.

Die Spielqualität und –intensität ließ nach dem Wechsel nicht nach. Die Russen hatten mehr Anteile, doch in Führung gingen die Finnen. Nach einer Hinausstellung gegen Danis Zaripov traf Olli Palola in der folgenden Überzahl zum 2-1. Russland zeigte sich allerdings nicht lange geschockt und Alex Ovechkin markierte nur 43 Sekunden später freistehend vor Rinne nach schönem Zuspiel von Vadim Shipachyov den erneuten Gleichstand. Die Skandinavier blieben unter Druck, nur kurz unterbrochen durch ein weiteres Powerplay, wo sie sich aber durch zwei Strafzeiten gegen sie plötzlich in doppelter Unterzahl wiederfanden. Yevgeni Malkin nutzte diese Chance eiskalt zur Führung und so ging es auch zum zweiten Mal in die Kabine.

Russland blieb das überlegene Team, doch die Finnen steckten zu keiner Zeit auf. Allerdings trafen die Osteuropäer auch bei der fünften Überzahl mit ihrem dritten Powerplaytor. Diese Effektivität machte den Unterschied. Zaripov erhöhte den Spielstand auf 4-2. Und während Russland bei numerischen Überlegenheiten konsequent war, konnte Finnland diese Möglichkeiten nicht nutzen. Nur kurz nach Zaripovs Treffer hatten die Blauen beste Einschusschancen im Powerplay, scheiterten aber an Bobrovsky und dem Pfosten. Trotzdem muss den Finnen hoch angerechnet werden, dass sie alles versuchten zurück zu kommen. Die Russen sahen sich jetzt einige Zeit in ihrem Drittel eingeschnürt und kamen nur gelegentlich zu Kontern. Die Defensive stand jedoch sehr gut, so dass es schwer war richtige Akzente zu setzen. Für die Entscheidung sorgte dann eine weitere Überzahl. Lehtera musste raus und Viktor Tikhonov, Enkel der russischen Trainerlegende Viktor, setzte in der 56. Minute den Schlusspunkt.

Russland baut seine Stellung als Rekord-Weltmeister mit dem 27. Gold der Geschichte weiter aus.

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