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Rückblick auf Draft 2000: Heatley an 2.Stelle

von Stefan Herget / NHL.com

Der 24. Juni 2000: Wissen Sie noch, was Sie da gemacht oder erlebt haben? Bei der Fußball-Europameisterschaft in Belgien und Holland standen an diesem Samstag zwei Viertelfinalpartien auf dem Programm, Papst Johannes Paul II. war in Tirol zu Besuch.

Und in der NHL war genau 14 Tage nach der Krönung der New Jersey Devils zum neuen Stanley Cup Sieger Entry Draft Day. Ein Tag, der das Leben der jungen Eishockeyspieler komplett verändert.

So auch das von Daniel James, genannt Dany Heatley. Die Besonderheit des damals 19- und heute 34-jährigen Kanadiers ist, dass er in Deutschland geboren wurde. Genau genommen in Freiburg im Breisgau, wo sein kanadischer Vater Murray Heatley damals für den dortigen EHC als Profi aktiv war und mit seiner deutschen Frau Karin lebte. Im Freiburger Eisstadion lernte der kleine Dany das Schlittschuh laufen.

Im Jahr 1986, als der Vater seine aktive Karriere beendete und Dany fünf Jahre alt war, kehrte die Familie nach Kanada zurück und siedelte sich in Calgary an. Heatley nutzte seine Gene und spielte selbst begeistert Eishockey. Im Juniorenbereich war er in der Alberta Midget Hockey League (AMHL) für die Calgary Buffaloes im Einsatz und gewann dort in der Saison 1997-98 mit 91 Punkten in 36 Spielen die Harry Allen Memorial Trophy für den besten Scorer. Beim folgenden Air Canada Cup wurde er mit den Buffaloes Dritter und war trotzdem Topscorer und wertvollster Spieler des Turniers.

Seine Auszeichnungen setzen sich fort. Für die Calgary Canucks in der Alberta Junior Hockey League (AJHL) holte er in der darauf folgenden Saison 126 Punkte in 60 Spielen und wurde Spieler des Jahres.

Diese Leistungen machten ihn attraktiv für mehr und er schloss sich den University of Wisconsins Badgers an. Er wurde dort bei der Western Collegiate Hockey Association (WCHA) ins All-Star Team berufen und Rookie des Jahres.

Dann kam der 24. Juni 2000, also genau vor 15 Jahren: NHL Entry Draft, ausgerechnet in Calgary, wo Heatley jahrelang aufwuchs, sollte seine große Stunde schlagen. Nach Torhüter Rick DiPietro, der von den New York Islanders an erster Stelle gedraftet wurde, gingen seine Rechte bereits an zweiter Position an die Atlanta Thrashers.

Diese nahmen ihn im Sommer 2001 nach einer weiteren Saison mit der Universitätsmannschaft unter Vertrag und Heatley begann seine erfolgversprechende NHL-Karriere. Zusammen mit dem Russen Ilya Kovalchuk, den die Thrashers 2001 noch gezogen hatten, stellte er das neue Stürmer-Traumpaar von Atlanta. So holte er 2002 die Calder Trophy als der beste Neuling der NHL mit 67 Punkten in 82 Spielen. Diese Leistung toppte er 2002-03 mit 89 Punkten in 77 Spielen.

Es schien sich eine große Karriere anzubahnen, die im September 2003 abseits vom Eis einen harten Einschnitt erhielt. Mit seinem Ferrari verursachte Heatley mit überhöhter Geschwindigkeit einen Verkehrsunfall, bei dem sein Mitinsasse, Teamkollege Dan Snyder, ums Leben kam. Er selbst verletzte sich schwer, so dass er mehrere Monate pausieren musste.

Weiterhin musste er sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten, das ihn schließlich auch auf positiver Fürbitte der Familie von Snyder nur zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilte. Das Gefängnis blieb ihm so erspart, doch die psychische Belastung dieses Unfalls war enorm. Das führte dazu, dass Heatley im Sommer 2004 um einen Trade bat, der schließlich mit den Ottawa Senators über die Bühne ging.

Dort feierte er an der Seite von Daniel Alfredsson und Jason Spezza seine größten Erfolge, indem er zwei Mal in Folge (2005-06 und 2006-07) jeweils 50 Tore erzielte und mit über 100 Punkten die Saison abschloss. Krönung war 2007 der Einzug in das Stanley Cup Finale, wo die Senators allerdings den Anaheim Ducks unterlagen.

Trotz der Verlängerung seines Vertrages um sechs Jahre in 2007, bat Heatley bereits ein Jahr später um einen Trade, weil er mit dem neuen Trainer Cory Clouston nicht zurecht kam, der ihn deutlich in seiner Verantwortung einschränkte. Die Edmonton Oilers waren interessiert und schlossen mit den Senators einen Deal, aber Heatley lehnte ab dorthin zu gehen, womit er weiteres Öl ins Feuer goss. So landete er bei den San Jose Sharks.

Nach 82 Punkten in 82 Spielen der Spielzeit 2009-10 und 64 Punkten in 80 Spielen 2010-11 wurde er weiter zu den Minnesota Wild transferiert. Die Leistungen gingen, auch bedingt durch immer weniger Eiszeiten zurück. In der vergangenen Saison stand er bei den Ducks für ein Jahr unter Vertrag, kam aber nur zu sechs Einsätzen in der NHL und wurde ins Farmteam zu den Norfolk Admirals in die AHL geschickt, ehe er zu den Florida Panthers abgegeben wurde, die ihn in der AHL bei den San Antonio Rampage einsetzten.

Ob der nun 34-jährige Kanadier eine weitere Chance in der NHL erhält, steht in den Sternen. Er wird am 1. Juli erneut zum unrestricted Free Agent. Bei seinem Namen streiten sich sicherlich die Geister, denn neben seinem unbestrittenen Talent hat er sich mit einigen Aktionen keine Freunde gemacht.

Doch egal, ob die Karriere ihre Fortsetzung findet, sind einige Fakten klar fixiert. Seine 791 Punkte in seiner Laufbahn machen ihn zum erfolgreichsten Spieler aus dem Draft 2000 in dieser Kategorie und zum Besten in Deutschland geborenen sowieso. Mit den 372 Toren liegt er nur zwei Treffer hinter Marian Gaborik, der ebenfalls 2000 an dritter Stelle von den Minnesota Wild gedraftet wurde.

Weiterhin stehen für ihn mit Team Kanada sechs Weltmeisterschaftsteilnahmen mit zwei Titelgewinnen und zwei Olympische Spielen mit Gold in 2010 zu Buche. 2004 gewann er mit Kanada den World Cup of Hockey.

Auch wenn die Heimat seiner Mutter und deren Vorfahren, sowie sein Geburtsland und seine zweite Staatsbürgerschaft für ihn nie im Vordergrund stand und er sich im Juniorenalter bei einer Anfrage des DEB bewusst dagegen entschied, für Deutschland aufzulaufen, so berechtigen diese Erfolge heute, 15 Jahre nach seinem Draft, ihn als den erfolgreichsten NHL-Spieler, der in Deutschland geboren wurde, zu würdigen, ohne die Leistungen eines in Deutschland aufgewachsenen Marco Sturm zu schmälern, der in seiner NHL-Karriere zwischen 1997 und 2012 immerhin 487 Scorerpunkte in 938 NHL-Spielen holte und etliche Male für die deutsche Nationalmannschaft aktiv war.

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