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Blues im Western Conference Finale

St. Louis braucht dringend Punkte von den Topstars aber ihr Defensivkorps liefert

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Autor

Es ist eine Geschichte, wie sie die Sportfans und vor allem jene in Nordamerika lieben. Ein Team steht abgeschlagen auf dem letzten Platz. Mental haben sich die Fans bereits auf die nächste Saison eingerichtet. Vielleicht klappt's ja dann wieder mit den Playoffs oder wenigstens mit ein paar Siegen mehr? Doch auf einmal läuft es. Ein Sieg folgt dem anderen. Und plötzlich steht die Mannschaft doch noch in der Endrunde. Muss noch nicht mal um einen Wildcard-Platz zittern, sondern wird Dritter der Division. Und ein paar Wochen später ist die Mannschaft sogar im Finale der Western Conference.

Doch klare und deutliche Erfolge sind in diesen Playoffs nicht die Sache der Blues. Sechs Spiele brauchten sie in der ersten Runde gegen die Winnipeg Jets. Gegen die Dallas Stars in Runde zwei war gar erst nach sieben Partien die Entscheidung gefallen. In beiden Serien wurde deutlich, dass man die Blues nicht abschreiben darf. 2:3 lagen sie nach Siegen gegen Dallas schon zurück. Spiel 6 fand in Dallas statt. Doch die Blues weigern sich beharrlich, aufzugeben. Das ist eine Eigenschaft, die dieses Team in dieser Phase der Saison besonders auszeichnet. St. Louis gewann Partie Nummer 6 und schließlich auch Nummer 7.

"Ich kann das Gefühl noch gar nicht beschreiben", sagte Robert Thomas nach Spiel 7 gegen Dallas. Er bereitete beide Tore der Gastgeber vor. Mit dem ersten Assist schrieb er sich als erster Teenager (19 Jahre, 309 Tage), der einen Punkt in einem siebten Spiel verbucht, in die Geschichtsbücher der St. Louis Blues ein. "Das ist irgendwie die Geschichte unserer Saison. Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, spielen wir am besten und finden einen Weg, uns da durchzukämpfen." Die Blues verbesserten ihre Bilanz für siebte Spiele in Playoffrunden auf neun Siege und acht Niederlagen.

Video: DAL@STL, Sp7: Maroons Tor in 2OT beschert Blues WCF

Auffällig ist die mentale Stärke der Mannschaft in knappen Partien. Drei der vier Siege gegen Dallas wurden mit nur einem Tor Unterschied eingefahren. Lediglich beim 4:1-Erfolg in Spiel 6 hatten die Blues mehr als ein Tor Vorsprung. So etwas setzt sich in einer Mannschaft fest. Weshalb sich auch der Gegner des Teams im Western Conference Finale auf einen heißen Tanz gefasst machen darf.

Dass die Blues weitergekommen sind, ist umso erstaunlicher, als dass ihre Topstars wie Ryan O'Reilly und Vladimir Tarasenko bislang deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben, was die Produktion in der Offensive angeht. Jaden Schwartz ist mit acht Treffern Toptorschütze der Blues. Mit einem Hattrick in Spiel 6 in der ersten Runde schoss er die Winnipeg Jets quasi im Alleingang in die Sommerferien. Dabei gelangen Schwartz in der regulären Saison gerade mal elf Tore in 69 Spielen.

Mit elf Scorerpunkten insgesamt führt er gemeinsam mit Verteidiger Alex Pietrangelo die interne Scorerwertung an. O'Reilly ist bislang eher als Vorbereiter (sieben Assists) denn als Torschütze (zwei) auffällig gewesen. Tarasenko hat bislang fünf Tore geschossen und kein einziges aufgelegt. Mit minus 5 haben die beiden zudem die schlechteste Bilanz aller Blues-Spieler, was die Plus-/Minus-Statistik anbelangt. Speziell von diesen beiden muss einfach im Conference Finale - egal, wie der Gegner heißt - mehr kommen, wollen die Blues eine reelle Chance auf den Einzug ins Stanley Cup-Finale haben.

 

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Stattdessen sind Akteure in den Vordergrund getreten, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hatte. Schwartz zum Beispiel. Oder Pat Maroon. Er schoss die Blues in der Serie gegen Dallas in Spiel 3 spät zum Sieg und markierte auch in Spiel 7 den entscheidenden Treffer in der zweiten Verlängerung.

In die Bresche gesprungen ist auch die Verteidigung. Neben Pietrangelos elf Scorerpunkten sind auch die sieben von Colton Parayko nicht zu verachten. Jay Bouwmeester (fünf Assists) und Vince Dunn (ein Tor, vier Assists) haben jeweils fünf Scorerpunkte verbucht.

Unterm Strich haben die Blues-Verteidiger schon 31 Scorerpunkte gesammelt. Ein Wert, der nur noch von den San Jose Sharks übertroffen wird. Dort hat die Defensive bereits für 33 Scorerpunkte gesorgt. Nur die beiden Sharks-Defender Erik Karlsson und Brent Burns stehen mit jeweils zwölf Scorerpunkten besser da als Pietrangelo.

Die eigentliche Sensation ist bei St. Louis im Tor. Jordan Binnington wurde im Januar ins kalte Wasser geworfen und steht seitdem als Sinnbild für den Aufschwung der Mannschaft. Der 25-Jährige lässt sich nicht verunsichern und auch in heiklen Situationen bewahrt er die Ruhe. Zum Beispiel in der zweiten Verlängerung von Spiel 7 gegen die Stars, als er kurz vor Maroons entscheidendem Treffer einen Bauerntrick von Stars-Kapitän Jamie Benn klasse entschärfte. Binnington gibt den Blues bislang immer eine reelle Chance, die Spiele zu gewinnen.

 Video: DAL@STL, Sp7: Binnington vereitelt Benns Bauerntrick

Eine Ausnahme war das 3:6 in der ersten Runde gegen die Winnipeg Jets, als sich der Rookie ein paar Schnitzer erlaubte. Aber das waren dann auch die einzigen Fehler, die man ihm ankreiden kann. Binnington profitiert davon, dass seine Vorderleute sehr gewissenhaft aufräumen, wenige Schüsse zulassen und viele Versuche des Gegners blocken. Warum die Blues immer einen Weg zum Sieg finden? Nun, das wusste Binnington nach Spiel 7 gegen Dallas auch nicht so genau. "Wir haben ein starkes Team und glauben an uns. Wir sind diszipliniert und ruhig. Das zahlt sich für uns aus."

Für die Blues geht es nun im Finale der Western Conference weiter. Gegner sind dort entweder die San Jose Sharks, Zweiter der Pacific Division, oder die Colorado Avalanche, die sich im Schlussspurt der regulären Saison die zweite Wildcard gesichert haben. Im Duell mit den Sharks müssten die Blues zuerst auswärts antreten. Alleine aus diesem Grund werden einige Spieler sicherlich den Sharks ganz besonders die Daumen drücken. Denn die Leistungen auf fremdem Eis waren bei den Blues in den bisherigen Playoffpartien wesentlich besser als im heimischen Enterprise Center. Fünf Siege und eine Niederlage gab es bislang in der Fremde für die Blues. Zu Hause stehen dagegen drei Siege und vier Niederlagen in den Ergebnislisten. Gegen Colorado hätte St. Louis zunächst Heimrecht.

 

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Doch die Blues machen zurzeit nicht den Eindruck, als ob sie irgendwas aus der Ruhe bringen kann. Keine Statistik, keine Wahrscheinlichkeiten. Sie ziehen einfach ihr Ding durch. Und dann ist da ja noch das Selbstvertrauen, das die Spieler haben müssen. Erst die Aufholjagd in der regulären Saison, dann die Comebacks in den Playoffs. Mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass man die Fähigkeit hat, immer wieder zurückzukommen - egal ob in einzelnen Spielen wie gegen Winnipeg oder in der Serie wie gegen Dallas - sind die Blues auch im Finale der Western Conference ein ernst zu nehmender Gegner. Egal, wer auf der anderen Seite des Eises steht.

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