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Von den Jungen kommt zu wenig

Bei den Red Wings hängt Erfolg und Misserfolg von den erfahrenen Spielern, wie Zetterberg und Vanek ab.

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Der Saisonverlauf der Detroit Red Wings gleicht einer rasanten Achterbahnfahrt mit der Wolverine Wildcat im größten Freizeitpark des Bundestaats, in dem die Red Wings ihr zuhause haben, dem Michigan's Adventure, er ähnelt einem Auf und Ab, bei dem man stets gespannt darauf ist, was einem als nächstes erwartet. Die komplett aus Holz konstruierte Wildcat wurde 1988, ein Jahr bevor die Red Wings zum letzten Mal, in der Saison 1989/90, die Playoffs verpasst hatten, erbaut. Während der Wildcat in den folgenden Jahren andere Attraktionen, die den Besuchern mehr Nervenkitzel bieten sollen, zur Seite gestellt wurden, überstand die Begeisterung für die Red Wings nicht nur Jahrzehnte sondern Generationen.

25 Mal in Folge konnten sich die Red Wings zuletzt für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren, zogen dabei sechsmal ins Finale ein und gewannen viermal den Stanley Cup. Nähert sich diese Erfolgsserie, die längste aller Mannschaften in den vier Major League Sportarten der USA, nun dem Ende?

Nach vier Niederlagen in Folge befinden sich die Red Wings im unteren Tabellendrittel der Atlantic Division, als einzige Mannschaft der Eastern Conference weisen sie eine deutlich negative Heimbilanz aus, und selbst ein Wildcard-Platz ist gegenüber der starken, regelmäßig punkteten Konkurrenz aus der Metropolitan Division zurzeit nicht in Sicht.

Video: FLA@DET: Zetterbergs raffinierter Rückhandtreffer

Die Joe Louis Arena galt immer als eine Festung, die für den Gegner nur schwer einzunehmen war. Am Ende der Saison 1985/86 wiesen die Red Wings zum letzten Mal eine negative Heimbilanz aus, und es ist erst fünf Jahre her, dass sie mit 31 Heimsiegen in der Spielzeit 2011/12 eine Franchisebestmarke aufstellen konnten. Was ist davon geblieben?

Das Wohl und Wehe der Red Wings hängt stark von der Performance ihrer Ü30-Fraktion ab. Der Schwede Henrik Zetterberg, der im Oktober seinen 36. Geburtstag feiern konnte, führt immer noch die teaminterne Scorerwertung an, obwohl er seit dem 4-3 Shootout-Sieg über die Winnipeg Jets am 6. Dezember vier Partien lang nicht mehr punkten konnte. Linksaußen Thomas Vanek, 32, ist Detroits fünftbester Scorer, ungeachtet dessen, dass er nur 20 der bisherigen 31 Saisonspiele bestreiten konnte. Wie Zetterberg avancierte er zum Matchwinner beim letzten doppelten Punktgewinn der Red Wings. Vanek schoss den Ausgleichstreffer und tat es seinem Kapitän im anschließenden Penaltyschießen gleich, indem er Jets' Schlussmann Connor Hellebuyck im Shootout das Nachsehen gab.

Zetterberg freute sich nach der Begegnung in Winnipeg noch riesig, dass er seine Punkteserie auf fünf Spiele ausbauen konnte, und betonte, wie wichtig jeder gewonnene Zähler sei - doch seitdem sprang keiner mehr heraus. Mit seiner Reife von 949 NHL-Partien hat Zetterberg schon einige Male in seiner NHL-Karriere Höhen und Tiefen durchgemacht, doch noch nie standen während seiner Laufbahn die Red Wings so schlecht da wie in dieser Spielzeit. Jeder NHL-Profi hat es schon einmal erlebt hat, dass es sportlich nicht so gut läuft. Die Besten unter ihnen, zu denen zweifelslos Zetterberg und Vanek gehören, wissen aber auch, dass sie aus diesem Tal wieder herauskommen werden, und plötzlich Tore wie am Schnürchen fallen.

Gefordert sind bis dahin auch die jüngeren Spieler der Red Wings, von ihnen muss einfach mehr kommen. Mit Gustav Nyquist hat nur einer von Detroits fünf besten Scorern das 30. Lebensjahr noch nicht überschritten. Linksaußen Dylan Larkin ist der einzige Spieler im Kader der nach 2010 gedraftet wurde und bisher alle 31 Saisonspiele bestritten hat - er führt auch die Torschützenliste der Red Wings an.

"Wir müssen einfach mehr Schüsse aufs Tor bringen", sagte Red Wings Stürmer Nyquist. "Es ist nicht so, dass wir uns nicht bemühen würden, doch wir müssen definitiv mehr Torchancen kreieren."

Bei der Wolverine Wildcat durchfährt man erst einen Tunnel und dann geht es ab in die Höhe. Sollten die Red Wings Nyquists Ratschlag befolgen können, dann kriegen auch sie, wie die Fahrgäste im Vergnügungspark die nächste Kurve.

Für die Red Wings steht in der Nacht von Samstag auf Sonntag noch eine Heimpartie gegen die Anaheim Ducks auf dem Programm, bevor sie sich auf eine drei Spiele währende Auswärtstour begeben.

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