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Radulov hat hehre Ziele bei den Canadiens

Alexander Radulov äußerte sich am Montag bei einer Pressekonferenz der Canadiens ganz offen

von Bernd Roesch / Eishockey.com

Es ist gerade einmal ein gutes Jahr her, dass die Montreal Canadiens mit Alexander Semin einen russischen Stürmer verpflichteten der ihren Erwartungen nicht entsprechen konnte. Semin kam 2015/16 nur zu einem Tor sowie drei Assists in 15 Einsätzen und wurde schließlich auf die Waiverliste gesetzt. Da sich aber kein anderes NHL-Team für den 32-jährigen Linksaußen interessierte, löste er einvernehmlich mit den Canadiens seinen Vertrag auf und kehrte in seine russische Heimat zurück, wo er sich HK Metallurg Magnitogorsk anschloss.

Den umgekehrten Weg schlägt nun Alexander Radulov ein. Mit Radulov, der am 1. Juli einen Einjahresvertrag über US$ 5,75 Millionen unterschrieben hatte, holten sich die Frankokanadier wieder einen russischen Stürmer ins Boot, der in der NHL den Ruf hatte 'schwierig' zu sein. Doch Radulov ist seit seinen unrühmlichen Abgängen aus Nashville 2008, als er das dritte Jahr seines Einstiegsvertrages nicht erfüllte, und 2012, als er nach neun Saisonspielen und acht Playoffpartien von den Predators suspendiert wurde, nachdem er frühmorgens am Tag eines Playoffspiels in einer Bar gesehen wurde, reifer geworden.

Am vergangenen Montag stellte sich der 30-Jährige bei einer Pressekonferenz in Brossard, Quebec den Medienvertretern und bekundete, wie sehr er sich auf seine neue Aufgabe freue: "Das Gewesene lasse ich hinter mir. Was geschehen ist, ist geschehen. Es gibt keinen Grund zurückzuschauen."

Radulov kann aber mit Stolz auf seine gezeigten Leistungen in den vergangenen vier Spielzeiten bei ZSKA Moskau zurückblicken, wo er es in 181 Partien auf 78 Tore und 160 Vorlagen gebracht hatte. Mit insgesamt 492 Scorerpunkten belegt er sogar den zweiten Platz in der ewigen Scorerwertung der im Jahre 2008 gegründeten KHL. Der zweifache Weltmeister mit der russischen Nationalmannschaft (2008, 2009) glaubt nicht, dass er Anpassungsschwierigkeiten in der frankokanadischen Metropole haben könne. Als Juniorenspieler hat Radulov zwei Spielzeiten im französischsprechenden Teil Kanadas verbracht. Mit den Quebec Remparts (QMJHL) konnte er 2006 sogar den CHL Memorial Cup gewinnen. "[Montreal] ist etwas ganz Spezielles wegen euch, den Medien und den Fans. Sie alle möchten gewinnen, jeden Tag, jeden Abend und so bin auch ich. Ich hasse es zu verlieren."

Bei den Canadiens wird Radulov kommende Saison auf Shea Weber, seinem ehemaligen Teamkollegen aus alten Nashville-Zeiten, treffen und er freut sich auch darauf. "Es ist besser mit ihm als gegen ihn zu spielen", sagte er mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht und fügte hinzu: "Ein Teil dieser Mannschaft zu sein ist großartig. Montreal ist eine Eishockeystadt und sie möchten immer um den Cup mitspielen. Für mich ist es die Chance in der stärksten Liga zu spielen und dabei die Möglichkeit zu haben, den Cup zu gewinnen. Das ist mein Hauptanliegen."

Dem hehren Ziel möchte der torgefährliche Angreifer als Führungsspieler bei den Habs verfolgen. "Ich werde mein Bestes geben. Jede Minute auf dem und abseits des Eises arbeiten. Ich werde ein Leader sein und dem Team helfen. Meine Arbeitseinstellung hat sich [durch die Zeit bei ZSKA] geändert. Ich habe dort viel Eiszeit bekommen und ich habe versucht als gutes Beispiel voranzugehen."

Man nimmt ihm gerne ab, dass es sich nicht um leere Worte handelt. Radulov hat dazu auch gleich eine Begründung parat: "Ich habe nun Frau und Kind und gar nicht die Zeit irgendwo hinzugehen. Ich bin älter geworden und ich muss aufpassen, dass ich in Form bleibe. Jeden Tag muss ich 100 Prozent geben."

Video: Radulov on joining Canadiens

Radulov wird, wie in Moskau, auch bei den Canadiens das Trikot mit der Nummer 47 tragen und es ist durchaus vorstellbar, dass er kommende Spielzeit für Furore sorgen kann. Der Topscorer, in der KHL kam er auf einen Punkteschnitt von 1,26, wiegelt ab und sieht große Unterschiede zwischen den beiden Ligen: "Das ist hier etwas ganz anderes. Das Spiel ist schneller, man kommt aufgrund der kleineren Eisfläche zu mehr Torchancen. Wenn du im Prinzip an dem einen [Spieler] vorbeigekommen bist, dann hast du eine 100%ige. Es ist schon etwas ganz anderes hier."

Canadiens General Manager Marc Bergevin könnte mit der Verpflichtung des spielstarken, flinken Außenstürmers, der sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite eingesetzt werden kann und Verständnis dafür zeigte, dass er nur einen Einjahresvertrag erhalten habe, durchaus ein Glücksgriff gelungen sein. Lassen wir uns überraschen!

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