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Erfolgsrezept, Kadertiefe und Ausgewogenheit

Das Team als Star und eine Balance zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Jung und Erfahren sind der Schlüssel

von Christian Göbel @DocGoebel / NHL.com/de Freier Autor

NHL.com/de beleuchtet jeden Dienstag der regulären Saison 2019/20 aktuelle Trends in der Liga und Storylines. In dieser Ausgabe geht es um die Rezepte für Erfolg die in der NHL funktioniert haben und für die Teams in dieser Saison als Blaupause dienen.

Das ultimative Ziel jeder Franchise ist der Gewinn des Stanley Cup. Für den ultimativen Erfolg müssen viele kleine Puzzlestücke ineinandergreifen. Nur eines der 31 Teams kann am Ende die Trophäe in die Höhe recken und wird in den kommenden Jahren als eine der Blaupausen für Erfolg dienen. Der Weg zum Sieg hat sich über die Jahre gewandelt. Von Offensive über Härte, hin zu einer ausgewogenen Mannschaft mit viel Geschwindigkeit und starker Defensive. Doch was sind die Erfolgsfaktoren, die derzeit zum Titelgewinn führen?

Kadertiefe als Erfolgsfaktor

Während NHL-Teams in der Vergangenheit häufig besonders in der Offensive von einer oder zwei Top-Formationen abhängig waren, zeigt sich immer mehr die Entwicklung zu bis in die vierte Reihe stark besetzten Kadern. Zwar trägt die Sturmreihe mit den besten Akteuren noch immer die Hauptlast an Toren und Assists, doch durch weitere schlagkräftige Formationen kann sich der Gegner nicht auf eine Reihe konzentrieren und diese ausschalten. Mit vier funktionierenden Trios im Angriff können Teams ihr Tempo konstant hochhalten und so den Kontrahenten dauerhaft unter Druck setzen. 

Der amtierende Champion, die St. Louis Blues, haben es in der vergangenen Saison vorgemacht. 15 Spieler des Titelträgers erzielten 20 oder mehr Punkte. Die Stürmer der ersten beiden Formationen hatten jeweils mindestens 36 Zähler gesammelt. Auch die Washington Capitals, die sich 2018 den Titel sichern konnten, hatten in den ersten beiden Formationen keinen Spieler mit weniger als 35 Punkten. Erst beim Blick auf die Pittsburgh Penguins 2015/16 zeigt sich ein Team, dass nicht alle Top-Sechs-Angreifer über die 35-Punkte-Marke bringen konnte.

Video: STL@BOS, Sp7: Blues mit dem Stanley Cup

Während die Angreifer meist an Toren und Vorlagen gemessen werden, gilt es in der Defensive den Blick auf die Eiszeiten zu richten. Bei unausgeglichenen Verteidiger-Pärchen überragt die Eiszeit des Top-Paars die anderen meist deutlich. In den vergangenen Jahren zeigt sich auch hier ein Trend zur Ausgeglichenheit. Bei den Blues standen drei der sechs Verteidiger im Schnitt über 20 Minuten auf dem Spielfeld. Joel Edmundson kam auf 19:23 Minuten und Robert Bortuzzo war der regelmäßig eingesetzte Verteidiger mit der geringsten Eiszeit (15:28 Minuten). Blicken wir in der Geschichte weiter zurück zeigt sich hier ein deutlicher Wandel. Die Anaheim Ducks aus der Saison 2006/07 gewannen den Titel mit einer Fokussierung auf vier Verteidiger. Scott Niedermayer, Chris Pronger, Francois Beauchemin und Sean O'Donnell absolvierten 73,6 Prozent der Eiszeiten aller Verteidiger. Bei den Blues standen die Top-Vier-Defender zusammen nur 68 Prozent der Zeit auf dem Eis.

Die offensive Mischung machts

Die bereits erwähnten Ducks aus der Saison 2006/07 waren eine große und kampfstarke Mannschaft, die sich durch kompromisslose Defensive zum Titel schwang. Einige Manager folgten dem Beispiel und sorgten so für eine Phase mit vielen Über- und Unterzahlsituationen. Während sich über die Jahre der Weg mit großen und damit auch langsamen Spielern hin zu einer gesunden Mischung änderte, wurde die Devise 'Defense first' lange beibehalten. Erst die Pittsburgh Penguins durchbrachen 2016/17 diesen Trend und verteidigten ihren im Jahr zuvor durch eine starke Defensive gewonnen Titel dank einer erstarkten Offensive. Mit 278 Treffern erzielten sie in der regulären Saison so viele Tore, wie kein anderen Stanley Cup Sieger seit 2005/06 (Carolina Hurricanes - 286).

Video: PIT@NSH, Sp6: Bettman überreicht Stanley Cup den Pens

Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass die Anzahl der Treffer pro Partie wieder ansteigt. Seit 1998/99 fielen bei regulären Saisonspielen des späteren Champions im Schnitt 5,4 Tore. Die Blues (2019), Capitals (2018) und Penguins (2017) überschritten diesen Wert. Die Offensivreihen waren für diese Teams überdurchschnittlich wertvoll.

Häufig wird Erfolg mit Erfahrung in Einklang gebracht, doch zeigt die Statistik der vergangenen zwanzig Titelträger eine ganz andere Sprache. Im Schnitt waren die Teams 28,54 Jahre alt, doch der Wert wird durch zwei Ausreiser erheblich nach oben gezogen. Die Detroit Red Wings gewannen 2002 und 2008 mit Teams im Alter von 32,1 und 31,9 Jahren den Titel. Mit nur 28 Jahren im Mittel waren die St. Louis Blues seit den Los Angeles Kings (2014 - 27,4) das jüngste Team, das den Stanley Cup gewinnen konnte. Auf die Kings folgte ein Trend zu erfahreneren Teams um die 29 Jahre im Durchschnitt, ehe die Blues sich mit einer Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Leichtigkeit durchsetzen konnten.

Mehr als nur ein Superstar

Die Zeiten in denen Teams um nur einen Superstar gebaut wurden gehören der Vergangenheit an. In der NHL setzen sich immer häufiger Duos oder Trios an Top-Spielern an die Spitze. Die Entwicklung ist eng verknüpft mit der größeren Kadertiefe und macht Mannschaften noch weniger berechenbar. Zwar sind Connor McDavid, Sidney Crosby, Alex Ovechkin, oder Patrick Kane ohne Frage Superstars, doch an ihrer Seite findet sich ein entsprechendes Puzzlestück, das den Erfolg erst möglich macht und sogar einen ähnlichen Starstatus erreicht. Leon Draisaitl ist der geniale Partner, der mit McDavid herausragend harmoniert. Ob in der gleichen Angriffsreihe oder getrennt, die beiden machen sich gegenseitig besser und sorgen so für den Erfolg der Edmonton Oilers. Mit Evgeni Malkin hat Crosby einen Mitspieler in einer anderen Formation, der für die notwendige Entlastung sorgt und den Gegner ebenso unter Druck setzen kann. Nicklas Backstrom ist der geniale Vorbereiter, der es Ovechkin ermöglicht seine Torausbeute weiter nach oben zu schrauben. Die Liste an genialen Duos ist lang und mit den Top-Formationen der Boston Bruins (Patrice Bergeron, David Pasternak, Brad Marchand) und der Colorado Avalanche (Gabriel Landeskog, Nathan MacKinnon, Mikko Rantanen) lässt sich die Liste noch erweitern.

 

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Erfolgsrezept zum Titel 2020

Viele Faktoren beeinflussen am Ende, welche Franchise den Titel in ihre Geschichtsbücher eintragen darf. Während die Blues mit ihrer Aufholjagd in der Vorsaison zu den Überraschungsteams gehörten und nicht vorhersehbar waren, kommen diese Spielzeit einige überragende Teams für den Finaleinzug in Frage. Durch die Entwicklung hin zu eher offensiv ausgerichteten Teams, können sich die Washington Capitals und die Tampa Bay Lightning in Position bringen. Beide Teams trafen bereits über 200 Mal das Tor und können dennoch auf angemessene Defensivreihen blicken. Besonders Tampa Bay weiß, mit nur 151 Gegentreffern, auch in der eigenen Zone zu überzeugen. Alle Top-Teams verfügen über Kadertiefe, wobei die Colorado Avalanche hier deutlich vorne liegen. 15 Akteure konnten bereits 20 oder mehr Punkte beisteuern, wohingegen bei den anderen Top-Sechs-Mannschaften maximal elf Spieler diese Marke knacken konnten. Durch die erheblichen Verletzungssorgen der Avalanche im Saisonverlauf ist diese Kadertiefe ein wichtiger Faktor. Die Bruins stellen mit 29,1 Jahren das im Schnitt erfahrenste Team, wobei die Avalanche mit 26,7 fast zweieinhalb Jahre jünger sind. Tampa Bay, Washington, St. Louis und Pittsburgh scheinen hier die ausgewogenere Mischung zu haben.

 

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Erfolgsrezepte haben sich in der NHL schon häufig verändert. Die Blues haben in der vergangenen Saison gezeigt, dass ein Formhoch und großes Selbstvertrauen in der entscheidenden Saisonphase am Ende den Unterschied ausmachen können. Gerade in der Eastern Conference werden die Playoffs zum Ausscheidungskampf der Top-Teams. Hier wird am Ende die Kadertiefe entscheidender sein, als die anderen Zutaten des Erfolgsrezepts.

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