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Spieler und Trainer schwärmten von der Kulisse beim NHL Outdoors at Lake Tahoe 2021 und jede Saison hört man die Beteiligten davon reden, was für ein besonderes Erlebnis ein NHL-Spiel unter freiem Himmel ist. All das dürfte am Sonntag aber kaum ein Trost für die Philadelphia Flyers gewesen sein. Beim Honda NHL Outdoors Sunday gingen sie am Ufer des Lake Tahoe gegen die Boston Bruins mit 3:7 baden.

"Sie sind einfach ein gutes Team, sie verdienen Bestnoten und vollsten Respekt", zeigte Alain Vigneault, der Trainer der Flyers, seine Hochachtung vor dem Gegner. "Im ersten Drittel dachte ich, wir könnten mit einer Führung in die Pause gehen, doch das ist uns nicht gelungen. Danach hatten sie ihre Chancen und bei einem Team von dieser Qualität kriegt man dann Probleme. Wir hatten gute Momente, konnten unsere Leistung aber nicht über 60 Minuten durchhalten."
Die Bruins sind ohnehin nicht gerade der Lieblingsgegner der Flyers, doch Vigneaults Team trat am Sonntag unter erschwerten Bedingungen an und damit waren nicht das Wetter oder die Höhenlage von fast 2.000 Metern am Lake Tahoe gemeint. Sie mussten ohne sechs Stammspieler antreten, darunter einige ihrer wichtigsten und erfahrensten Kräfte. Neben Verteidiger Justin Braun fehlten Kapitän Claude Giroux und die Stürmer Travis Konecny, Jakub Voracek, Oskar Lindblom und Scott Laughton. Alles sechs standen gemäß dem COVID-19-Protokoll der NHL nicht zur Verfügung.

"Das sind natürlich wichtige Spieler, aber wir hatten heute Abend ein gutes Team", wollte Vigneault keine Ausreden suchen. "Das haben wir im ersten Drittel gezeigt, als wir klug gespielt und hart gearbeitet haben. Wir haben im zweiten Drittel etwas die Kontrolle verloren. Aber am Ende haben unsere Spieler gekämpft. Das will man als Trainer sehen."
Die Flyers sind für ihren tiefen Kader und ihre starke dritte und vierte Reihe bekannt. Wenn also ein Team solche Verluste wegstecken kann, dann ist das Philadelphia. Durch die Ausfälle rückte Michael Raffl in die zweite Reihe vor, der ansonsten in der vierten Reihe spielt. Für ihn ist eine solche Beförderung nichts Neues, bereits in den vergangenen Stanley Cup Playoffs sprang er vorübergehend in der ersten Reihe ein.
Doch Spieler wie Raffl müssen dann wiederum in den hinteren Reihen ersetzt werden. So kamen im Angriff Samuel Morin, Maksim Sushko und Mark Friedman zum Einsatz, die gemeinsam nur 35 Spiele an NHL-Erfahrung vorzuweisen haben. Friedman ist zudem kein Angreifer, sondern ein Verteidiger, der notgedrungen zum Außenstürmer umfunktioniert wurde.
Trotz all dieser Schwierigkeiten schienen die Flyers im ersten Drittel durchaus in der Lage zu sein, mit den Bruins mitzuhalten. Bostons David Pastrnak schockte Philadelphia zwar zum Start mit einem Tor nach 34 Sekunden, doch die Flyers ließen sich davon nicht schocken und agierten auf Augenhöhe. Joel Farabee glich das Spiel in der siebten Minute aus, Sean Couturier drehte die Partie in der 15. Minute. Charlie McAvoy besorgte 39 Sekunden später den Ausgleich für die Bruins. Mit dem Spielstand von 2:2 ging es in die erste Pause. Statistisch gesehen, hatten die Flyers mit 11:8 Torschüssen sogar ein leichtes Übergewicht.
"Es hat mir gefallen, wie wir im ersten Drittel angefangen haben", lobte Vigneault seine Schützlinge. "Wir haben intelligent gespielt. Im zweiten Drittel sind uns ein paar Wechsel misslungen. Die Bruins sind ein starkes Team und können ihre Chancen nutzen. Das haben sie getan und viermal getroffen. In dieser Phase haben wir das Match aus der Hand gegeben."
Nach dem ersten Drittel schienen die Kräfte zu schwinden und immer wieder machte sich bemerkbar, dass die Reihen in dieser Kombination nicht eingespielt waren. Pastrnak verpasste Philadelphia in Durchgang zwei nach 46 Sekunden erneut eine kalte Dusche. Einen Mangel an Mühe und Kampfgeist konnte man den Flyers aber nicht unterstellen. Gegen Ende des Drittels trafen Charlie Coyle, Trent Frederic und Nick Ritchie innerhalb von 1:39 Minute dreimal für Boston. Das Schussverhältnis von 15:3 zugunsten der Bruins spiegelte das Ergebnis wider.

Pastrnak erzielt 10. Karriere-Hatty bei Bruins 7:3

"Sie haben Druck gemacht und wir haben in der Abwehr nicht sonderlich verantwortungsbewusst agiert", erklärte Stürmer Sean Couturier den Umschwung nach der ersten Drittelpause. "Sie lassen dich für jede Chance bezahlen, die du ihnen gibst. Wir wussten, dass wir den ganzen Abend unser Bestes geben müssen und an ihnen dranbleiben müssen. Im zweiten Drittel haben wir nachgelassen und vier Tore kassiert. Wenn man vier Treffer in einer Periode bekommt, kann man ein Spiel nicht gewinnen."
Im Schlussabschnitt erzielte James van Riemsdyk zwar das 3:6, doch Pastrnak komplettierte noch seinen Hattrick und die Flyers mussten sich am Ende mit einer deutlichen Niederlage abfinden.
Philadelphia steht in der MassMutual East Division mit 19 Punkten aus 15 Spielen auf dem dritten Platz, Boston führt die Division mit 24 Punkten aus 16 Spielen (11-3-2) an. Während die Flyers gegen andere Teams eine starke Bilanz von 8-1-1 haben, warten sie gegen die Bruins nun nach dem fünften Spiel immer noch auf den ersten Sieg (0-3-2).